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Sportartikelhersteller: Der Dreikampf nach dem Boom

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat die Umsätze der Sportartikelhersteller in ungeahnte Höhen getrieben. Nun beginnen Puma, Adidas und Nike ihren Dreikampf um die Portemonnaies der Fans von Neuem - über ein Jahr vor der Europameisterschaft.

Ob drei Streifen, der Puma oder Nikes Schwungemblem: Auf unzähligen T-Shirts prangte im Fußball-Sommer 2006 eines dieser markanten Logos. Die Weltmeisterschaft brachte den drei großen Sportartikel-Herstellern wie Adidas, Puma und Nike märchenhafte Umsätze. Auch nach dem Großereignis hat der Boom kaum nachgelassen. "Seit der WM haben wir im Bereich Fußball einen großen Aufschwung erlebt", sagte Puma-Chef Jochen Zeitz der Deutschen Presse-Agentur. Ein Jahr nach dem WM-Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Costa Rica am 9. Juni in München laufen die Vorbereitungen der Konzerne für das nächste Fußballfest, die Europameisterschaft im kommenden Jahr in Österreich und der Schweiz, auf Hochtouren.

Auch wenn die EM deutlich kleiner ausfällt, sind die Erwartungen in der Branche groß. "Wir rechnen hier in Deutschland für die EM 2008 mit etwa 70 bis 80 Prozent des WM-Booms", sagte Volker Gromer, Geschäftsleiter beim Händlerverbund Sport 2000. Zwar handele es sich weder um ein globales Ereignis noch finde es im Heimatland statt, doch die Fußball-Euphorie sei nach der WM ungebrochen. Vor allem die derzeit guten Leistungen der deutschen Nationalmannschaft schürten die Nachfrage nach Fußballartikeln hier zu Lande. "Aktuell ist die Nationalmannschaft das beste Fußballteam in Deutschland", betonte Gromer, "in den letzten Jahren konnten die Vereinsmannschaften stärker überzeugen, allen voran der FC Bayern München". Der für 2007 befürchtete Einbruch des Geschäfts ohne Fußball-Großereignis sei dagegen zu einem guten Teil ausgeblieben.

Puma will aufholen

Puma will die EM nutzen, weiter Boden auf Nike und Adidas gut zu machen. "Erfreulich ist, dass wir mit Österreich und der Schweiz die beiden Gastgeberländer ausrüsten", sagte Puma-Chef Zeitz. "Langfristig ist es unser Ziel, eine der drei Topmarken zu bleiben und den Abstand zu den anderen zwei zu verringern." Bei der Positionierung seiner Marke setze das Unternehmen, das 2006 nach eigenen Angaben den Umsatz im Fußball-Segment um etwa 50 Prozent steigern konnte, weiterhin vor allem auf Lifestyle. Bedeutsam dürfte für Puma sein, ob Italien, das dem Unternehmen 2006 seinen ersten WM-Titel als Ausrüster bescherte, die EM-Qualifikation gelingt. Derzeit bangt die "Squadra Azzurra" in der starken Qualifikationsgruppe B noch um ihre Endrundenteilnahme.

Auch der Herzogenauracher Nachbar Adidas hat sich für die EM viel vorgenommen. "Als offizieller Sponsor, Ausrüster und Lizenznehmer der UEFA Euro 2008 werden wir unsere deutliche Marktführerschaft weiter ausbauen", kündigte Unternehmenssprecher Oliver Brüggen an. Der Konzern rechnet bereits zum vierten Quartal mit einem erneuten Anzug seines Fußball-Geschäfts. Das neue deutsche Nationalmannschaftstrikot soll nach Angaben von Adidas im November auf den Markt kommen, anlässlich der Endrunden-Auslosung am 2. Dezember ist die Präsentation des offiziellen EM-Balls geplant. Sowohl der Turnier- Ball "Teamgeist" als auch das Spielhemd der drittplatzierten Gastgeber waren im vergangenen Jahr die Verkaufschlager von Adidas. Allein das Trikot der deutschen Elf ging 1,5 Millionen Mal über die Ladentische, sechs Mal häufiger als das Vize-Weltmeister-Shirt zur WM 2002 in Japan und Südkorea.

Fußball-Umsatz auf Rekordwert gesteigert

Weiterhin aggressiv unterwegs ist im Fußball-Bereich der weltgrößte Sportartikelhersteller Nike. Der US-Konzern hat im Fußballgeschäft deutlich Boden gegenüber Adidas gut gemacht. Seit Nike 1994 die brasilianische Mannschaft unter Vertrag genommen hat, hat der Konzern auch dank kostenintensiver Werbekampagnen nach eigenen Angaben seinen Fußball-Umsatz von etwa 40 Millionen Dollar auf den Rekordwert von 1,5 Milliarden Dollar gesteigert. "Damit sind wir derzeit die erfolgreichste Marke auf dem Fußballmarkt", sagt Nike-Deutschland-Sprecher Olaf Markhoff. Damit beanspruch Nike ebenso wie Adidas beim Fußball inzwischen die Marktführerschaft. Mit seiner Offerte an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in der Ausrüsterfrage ab 2011 greift Nike den Konkurrenten Adidas nun auch in dessen Heimatland an. "Unser Angebot an den DFB könnte langfristig für zusätzlichen Schwung sorgen", prophezeit Markhoff.

Inga Radel/DPA/DPA

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