Stadtwerke Hannover Transparenz für Gaskunden


Wieder ein Erfolg für Gaskunden: Die Stadtwerke Hannover haben eine erste Niederlage im Gerichtsstreit wegen möglicherweise überhöhter Gaspreise eingesteckt. Jetzt müssen sie ihre gesamte Preiskalkulation offen legen.

Im Streit um hohe Gaspreise müssen die Stadtwerke Hannover nach einem Beschluss des Landgerichts die Gesamtkalkulation ihrer Gaspreise offen legen. Dies sei "bundesweit einmalig", sagte der Rechtsanwalt Kai Gent in Hannover. Er vertritt seine Mutter, eine Hausbesitzerin, die gegen den Energieversorger klagt. Gent sagte, anders als in anderen Verfahren müssten die Stadtwerke Hannover nicht nur die Kalkulation für den so genannten Erhöhungsanteil bei den Gaspreisen offen legen.

Nach dem Beschluss des Landgerichts Hannover müssen die Stadtwerke innerhalb von fünf Wochen die "vollständige Kalkulation zur Bestimmung der Gaspreise und die Parameter für die jeweiligen Gaspreiserhöhungen detailliert" vorlegen. Dabei sei insbesondere von Belang, auf Grund welcher Lieferbeziehungen die Stadtwerke ihr Gas, das sie den Endverbrauchern berechne, erhalte. Auch diese Lieferverträge seien vorzulegen.

Erfolg für Gaskunden

Der Sprecher der Stadtwerke Hannover, Gernot Hagemann, sagte: "Die Stadtwerke werden prüfen, in welchem Umfang dem Gericht Unterlagen zur Verfügung gestellt werden können, um dessen Informationsbedarf gerecht zu werden." Dabei würden auch andere Gerichtsverfahren zu Gaspreisen in Deutschland berücksichtigt.

Vertreter des Mietervereins Hannover sowie des örtlichen Eigentümerverbands Haus & Grund, die eine Sammelklage gegen die Stadtwerke vorbereiten, nannten die Gaspreise überhöht. Sie sprachen mit Blick auf den Gerichtsbeschluss von einem Erfolg für Gaskunden.

Weitergabe der Beschaffungskosten

Im Mai 2005 hatte die Klägerin vor dem Landgericht Klage gegen die Stadtwerke Hannover erhoben. Der Energieversorger hatte die Gaspreise zum 1. Oktober 2004 um rund sechs Prozent erhöht. Die Stadtwerke-Kundin, die zwei Mietshäuser besitzt, wollte die Preiserhöhung nicht an ihre Mieter weitergeben. Rechtsanwalt Gent sagte, die Klägerin wolle, dass das Gericht feststellt, dass der Gaspreis der Stadtwerke angemessen sei. Stadtwerke-Sprecher Hagemann verteidigte die Preiserhöhung. Damit seien Beschaffungskosten weitergeben worden. Zuletzt hatten die Stadtwerke zum 1. Oktober 2005 ihre Gaspreise um 12,7 Prozent erhöhten.

Bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte im Herbst eine Sammelklage von Verbrauchern gegen Preiserhöhungen beim norddeutschen Energieversorger E.ON Hanse. Unter dem Druck des Gerichtsverfahrens hatte E.ON Hanse seine Kalkulation offen gelegt.


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