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Standort-Ranking: Polen überholt Deutschland

Für internationale Unternehmen ist Polen attraktiver als Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommen die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. Im Vergleich zum Vorjahr rutschte Deutschland um zwei Plätze ab - schlägt sich aber weiter beachtlich.

Polen ist für internationale Unternehmen ein besserer Wirtschaftsstandort als Deutschland. Das fand die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in einer Studie heraus, die jedes Jahr neu erhoben wird. Für die Umfrage bewerteten mehr als 800 Unternehmen Standorte weltweit. Ergebnis: Deutschland rasselte auf Platz sechs – letztes Jahr reichte es noch für Platz vier. Polen hingegen kam auf den fünten Rang. Nur noch zehn Prozent der befragten Manager zählten Deutschland zu einem der drei Top-Standorte weltweit - im Vorjahr waren es noch 18 Prozent. Dennoch ist Deutschland das einzige westeuropäische Land unter den Top 10 - Frankreich und Großbritannien gehören nicht dazu.

Auf Platz eins der Rangliste liegt wie im Vorjahr China, gefolgt von Indien, Russland und den USA. "Diese Länder bieten das, was Investoren suchen: große unerschlossene Märkte und damit erhebliche Wachstumspotenziale", erläuterte Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. "Da können die etablierten Industrienationen wie USA und Deutschland schlichtweg nicht mithalten."

Gerade die USA verloren der Studie zufolge erheblich an Attraktivität: Während im vergangenen Jahr noch 33 Prozent der Befragten die USA als Top-Standort bezeichneten, schrumpfte der Anteil bei der jüngsten Umfrage auf 18 Prozent. "Immobilienkrise, Finanzkrise und drohende Rezession belasten den Standort", sagte Englisch.

An Deutschland schätzten die Manager die Qualität der Verkehrswege und der Telekommunikationsnetze sowie die Qualifikation der Beschäftigten, heißt es in der Studie. Zu den Schwächen zählten die mangelnde Flexibilität des Arbeitsrechts und das hohe Lohnniveau. Beim Thema Innovation schneidet Deutschland sehr gut ab: In der Weltrangliste der innovativsten Länder steht Deutschland hinter den USA und China auf Platz drei - vor Japan und Indien.

Dennoch: Trotz der guten Platzierung trauten die Befragten laut Studie dem Standort Deutschland nicht zu, Heimat für die "Googles" und "Microsofts" der Zukunft zu sein - also für Unternehmen, die es schaffen, sich innerhalb kürzester Zeit als Weltmarktführer im Software- und Hochtechnologie-Bereich zu etablieren. "Man traut den Deutschen den nötigen Unternehmergeist nicht zu", sagte Englisch.

Reuters/DPA / DPA / Reuters