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Starker Euro: Daimler schockt mit Gewinnwarnung

Schwacher Dollar, hohe Rohstoffpreise, Altlast Chrysler: Der Autobauer Daimler hat für das laufende Geschäftsjahr eine Gewinnwarnung herausgegeben. Zwar erwarten die Schwaben noch ein Ergebnis von sieben Milliarden Euro, der Vorjahreswert wird aber nicht mehr übertroffen.

Euro-Stärke und hohe Rohstoffpreise verderben dem Autokonzern Daimler das Geschäft. Das Unternehmen senkte nach einem Gewinnrückgang im zweiten Quartal seine Prognose für das Gesamtjahr. Der Kurs der Daimler-Aktie brach daraufhin um knapp neun Prozent ein.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im zweiten Quartal um vier Prozent auf 2,053 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in Stuttgart berichtete. Das Konzernergebnis aus fortgeführten Aktivitäten verringerte sich um zwei Prozent auf 1,412 Milliarden Euro. Als Grund für den Rückgang nannte Daimler Belastungen im Zusammenhang mit seiner früheren US-Sparte Chrysler.

Zetsche zeigt Zuversicht

Für das laufende Jahr erwartet der Konzern ein Ergebnis von mehr als sieben Milliarden Euro. Bisher hatte Daimler mit einem Ebit über dem Niveau des Vorjahres von 7,7 Milliarden Euro gerechnet. Die Korrektur begründete der Konzern mit der abkühlenden Weltkonjunktur, steigenden Rohstoffpreisen und ungünstigen Wechselkurseffekten. Diese könnten durch einen höheren Absatz und weitere Effiziensverbesserungen nicht mehr voll kompensiert werden.

Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigte sich dennoch zuversichtlich. "Wir haben unser Unternehmen gut auf diese Situation vorbereitet und erfüllen alle Voraussetzungen, um auch in schwierigen Zeiten zu den Besten der Branche zu gehören." Der Umsatz des Autobauers legte im zweiten Quartal um sechs Prozent auf 25,4 Milliarden Euro zu. Der weltweite Absatz von Nutzfahrzeugen und Autos stieg um zehn Prozent auf 556.500 Fahrzeuge. Der Autobauer, der noch knapp 20 Prozent an Chrysler hält, verbuchte durch den US-Konzern Belastungen in Höhe von 373 Millionen Euro.

Mercedes in der Erfolgsspur

In der Erfolgsspur fuhr Mercedes-Benz Cars. Das Geschäftsfeld steigerte im zweiten Quartal seinen Gewinn leicht. Das Ebit legte um ein Prozent auf 1,212 Milliarden Euro zu. Der Absatz der Kernmarke Mercedes Benz kletterte um neun Prozent auf 312.000 Fahrzeuge und erreichte damit eine neue Bestmarke. Für das laufende Jahr peilt der Autobauer weiterhin einen Rekordabsatz an.

Trotz Schwierigkeiten auf dem US-Markt konnte das Unternehmen zehn Prozent mehr Lastwagen verkaufen. Das Ebit stieg ebenfalls um ein Prozent auf 608 Millionen Euro. Das Vorjahresquartal hatte einen Sonderertrag enthalten.

Tognum noch nicht enthalten

Das Geschäftsfeld Daimler Financial Services erzielte von April bis Juni ein Ebit von 183 Millionen Euro. Der Rückgang um 17 Prozent wurde unter anderem auch mit dem Aufbau einer neuen Finanzdienstleistungsorganisation für den US-Markt nach der Trennung von Chrysler begründet. Der Gewinn im Bereich Vans, Buses, Other ging ebenfalls zurück. Das Ebit brach um 42 Prozent auf 148 Millionen Euro ein.

In diesem Segment ist auch die Beteiligung an dem Europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gebündelt. Der Anteil von Daimler am Ergebnis der EADS habe 32 Millionen Euro betragen. Im Vorjahreszeitraum seien es noch 95 Millionen Euro gewesen. Die neue Beteiligung Tognum war im Quartalsergebnis noch nicht enthalten.

Im Vergleich mit amerikanischen Autobauern steht Daimler allerdings gut da. Denn der ohnehin schon angeschlagene Hersteller Ford hat im Frühjahr erneut einen Milliardenverlust eingefahren. Für das zweite Quartal vermeldete der Konzern ein Minus von 8,7 Milliarden Dollar. Grund sind vor allem Sonderposten von acht Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatte Ford in dieser Zeit noch 750 Millionen Dollar verdient. Den Umsatz bezifferte Ford auf 38,6 Milliarden Dollar.

Schuld an der Misere von Ford ist der schleppende Verkauf großer Autos wie SUV-Geländewagen, für die Ford in den USA bekannt ist. Der Konzern will jedoch nun noch energischer gegenlenken und bestätigte Medienberichte, er werde drei seiner US-Werke auf die Produktion kleinerer Autos umstellen.

AP/Reuters / AP / Reuters