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Stromausfall: Halb Europa sauer auf Eon

Der Energieversorger Eon nimmt die Schuld für den Stromausfall vom Wochenende auf sich. Vorwürfe, die Gewinne auf Kosten der Infrastruktur zu steigern, weist das Unternehmen zurück.

Der Energiekonzern Eon hat die Verantwortung für den Stromausfall in weiten Teilen Westeuropas eingeräumt. "Ich bin besonders dankbar dafür, dass es nicht schlimmer gekommen ist, weil die Ursache bei Eon lag", sagte Unternehmensvorstand Klaus-Dieter Maubach im ZDF.

Zur Ursache des Stromausfalls fügte Maubach hinzu: "Wir haben in Norddeutschland eine Hochspannungsleitung abgeschaltet. Diese Hochspannungsleitung überspannt das Emsland, im Emsland die Ems." Die Meyer-Werft in Papenburg habe ein neues Kreuzfahrtschiff in die Nordsee auslaufen lassen wollen, deshalb sei die Leitung stillgelegt worden. "Das war im Grunde genommen der Ursprung für diese Versorgungsstörung - dass wir dort eine Leitung außer Betrieb nehmen mussten und dass dort die Belastungen sich auf andere Leitungen verteilt haben, die später zu Überlastungen geführt haben." Die Bundesnetzagentur untersuche den Vorfall.

"Es hätte schlimmer kommen können"

Maubach sagte weiter, er sei sich bewusst, dass zehn Millionen in Europa ohne Strom waren. "Gleichwohl hätte es wesentlich schlimmere Auswirkungen geben können, wenn Europa insgesamt dunkel gewesen wäre und wenn der Zeitraum nicht nur eine Stunde oder anderthalb Stunden gewesen wäre, sondern einen viel längeren Zeitraum überspannt hätte." Die europäische Zusammenarbeit habe hervorragend funktioniert.

Die Bundesregierung ist dagegen nicht gut auf den Energieversorger zu sprechen: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte von dem Unternehmen "eine rückhaltlose Aufklärung des Vorfalls und seiner Ursachen" gefordert und Umweltminister Sigmar Gabriel verlangte von den deutschen Konzernen einen forcierten Ausbau der Netze.

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller, sagte, es "ist dringend eine generelle Überprüfung der Netze notwendig, ob sie auf dem heute notwendigen Stand sind. Es kann nicht sein, dass die Netzbetreiber immer höhere Gewinne machen, die nötigen Investitionen jedoch nur zögerlich vorankommen." Es gebe ein "eklatantes Missverhältnis zwischen den Gewinnen der Netzbetreiber und ihren Kosten". Von der Bundesnetzagentur wisse man, dass die Netzgebühren weit überhöht seien.

Versorgungssicherheit überprüfen

Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber sprach von einem Alarmsignal, "das alle Verantwortlichen dazu bringen muss, die Versorgungssicherheit zu überprüfen und gegebenenfalls Nachbesserungen vorzunehmen". Eine derartige Panne an einem Arbeitstag wäre nach Meinung Hubers mit einem beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden verbunden.

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi forderte als Reaktion eine EU-Strombehörde. "Europaweite Stromverbindungen ohne eine gemeinsame europäische Behörde - das ist ein Widerspruch", sagte Prodi. Dies sei eine ernste Angelegenheit, bei der die Politiker eingreifen müssten. "In Europa hängt heute jeder von jedem ab, aber es gibt noch keine gemeinsame europäische Energiepolitik", so der frühere EU- Kommissionspräsident weiter.

Experten fordern seit Jahren einen Ausbau der Leitungen und Verteilernetze. "Ohne diese Investitionen", warnte die Europäische Kommission im Dezember 2003, "und bei Fortdauer der gegenwärtigen Nachfragesteigerung und Belastung des Netzes entsteht ein immer größeres Risiko von Versorgungsunterbrechungen."

Eine Störung im deutschen Stromnetz hat in der Nacht zu Sonntag in weiten Teilen Westeuropas die Lichter ausgehen lassen. Der Eon-Konzern erklärte, möglicherweise bestehe ein Zusammenhang mit der Abschaltung einer Höchstspannungsleitung des Unternehmens in Niedersachsen. In Deutschland saßen unter anderem Menschen in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland bis zu einer Stunde im Dunkeln.

Auch in Teilen Frankreichs, Belgiens, der Niederlande, Österreichs, Italiens, Spaniens, Portugals und selbst in Marokko fiel der Strom bis zu einer dreiviertel Stunde aus. Berichte über Schäden gab es zunächst nicht.