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Tarife: Karnevalshochburgen von Bahnstreiks betroffen

Im Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen soll es an diesem Samstag massive Warnstreiks geben. Bahnkunden müssen mit Zugausfällen und Verspätung rechnen, die Streiks sollen bis zum 6. März dauern.

Wegen des Tarifstreits bei der Bahn müssen sich Bahnkunden in den kommenden Tagen auf Verspätungen und Zugausfälle gefasst machen. Wie die Gewerkschaften Transnet und GDBA am Freitag mitteilten, beginnen die Warnstreiks am (morgigen) Samstag in Nordrhein-Westfalen. Auch Arbeitsniederlegungen an anderen Orten seien nicht auszuschließen. Danach würden die Aktionen punktuell bis zum 6. März in verschiedenen Teilen des gesamten Bundesgebietes fortgesetzt.

Behinderungen im Nah- und Fernverkehr

Von den Arbeitsniederlegungen sind Gewerkschaftsangaben zufolge sowohl Nah- als auch Fernverkehr betroffen. Obwohl die Warnstreiks zeitlich begrenzt seien, müssten die Reisenden damit rechnen, dass sich die Verspätungen über den ganzen Tag hinzögen, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen im NDR Inforadio. Er rechne aber damit, dass die "allermeisten Reisenden" Verständnis haben werden, da sie auch Beschäftigte seien, betonte er in der ARD.

Taktik der Nadelstiche

Nach den Worten von GDBA-Sprecher Uwe Reitz, plant die Gewerkschaft "eine Taktik der Nadelstiche". Da der Tarifkonflikt noch am Anfang stünde, wolle man die Auseinandersetzung nicht eskalieren lassen, betonte Reitz. "Wir wollen aber deutlich machen, dass es so nicht geht."

Gewerkschaft droht mit "größtem Streik"

Für den Fall, dass der Bahnvorstand in der nächsten Verhandlungsrunde am 6. März kein konkretes Angebot vorlege, drohte Transnet-Chef Hansen mit dem größten Streik, "den es im Bahnbereich seit der Nachkriegszeit gegeben hat." Die Forderung der Bahn, zunächst eine Schlichtungsvereinbarung zu unterzeichnen, bezeichnete er im ARD-Morgenmagazin als eine unverständliche Täuschung. Die Forderung zeige, dass der Vorstand nicht ernsthaft daran interessiert sei, den Beschäftigten ein Lohn- und Gehaltsangebot zu machen. "Wir wollen uns nicht verschaukeln lassen", sagte Hansen.

Kostenlose Info-Hotline

Die Bahn richtete unterdessen unter der Rufnummer 0800 - 6644 225 eine kostenlose Hotline ein, bei der sich Kunden über mögliche Fahrplanänderungen informieren können. Die Nummer werde freigeschaltet, sobald es zu Störungen im Bahnbetrieb komme, teilte das Unternehmen mit. Da unklar sei, wo genau die Warnstreiks stattfinden sollten, gebe es derzeit keine Pläne, mögliche Ausfälle mit Shuttlebussen und Sonderzügen zu überbrücken, betonte Bahn-Sprecher Achim Stauß. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass es bei kurzfristigen Warnstreiks nicht sinnvoll ist, solche Ersatzmaßnahmen zu organisieren", sagte er.

Fünf Prozent mehr Lohn

Transnet fordert für die rund 160.000 Eisenbahner fünf Prozent mehr Geld sowie die Angleichung der Ost-Einkommen. Diese betragen derzeit 90 Prozent des Westniveaus. Die Bahn wolle erst konkrete Angebote unterbreiten, wenn mit den Gewerkschaften Vereinbarungen über ein Schlichtungsverfahren getroffen seien, sagte ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Die Tarifverhandlungen zwischen der Bahn und den Gewerkschaften werden am Donnerstag fortgesetzt. Die bisher letzten Streiks bei der Bahn gab es 1992, als bundesweit mehrere 10.000 Beschäftigte 14 Tage lang den Bahnverkehr teils lahm legten.