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Nach "Team Wallraff"-Bericht: Behinderte schikaniert: Einrichtung feuert Betreuer - und macht RTL Vorwürfe

Die Lebenshilfe Leverkusen hat auf einen Bericht des "Team Wallraff" reagiert, in dem gezeigt wird, wie Betreuer eine Schwerbehinderte schikanieren. Zwei Mitarbeiter wurden freigestellt. Doch auch die Enthüller mussten sich harsche Kritik anhören.

Erst stolpert Lisa über den Fuß des Betreuers, dann gibt es noch ein paar unfreundliche Worte hinterher

Erst stolpert Lisa über den Fuß des Betreuers, dann gibt es noch ein paar unfreundliche Worte hinterher

Die "Lebenshilfe Leverkusen" zieht Konsequenzen aus einem Bericht der RTL-Reportagereihe "Team Wallraff". Für die am Montagabend ausgestrahlte Sendung hatte sich eine Reporterin als Praktikantin in der Behindertenwerkstatt eingeschleust. Sie filmte undercover, wie Betreuer eine Schwerbehinderte wiederholt schikanierten und demütigten. Nun hat die Einrichtung zwei Mitarbeiter freigestellt.

Die Handlungen der beiden seien inakzeptabel, grauenhaft und ein Skandal, der auf Schärfste zu verurteilen sei, erklärte die Geschäftsführung laut Rheinischer Post am Dienstagabend vor Pressevertretern. "Ihr Verhalten wird zu Recht skandalisiert. Es ist nicht entschuldbar", sagte Geschäftsführer Harald Mohr laut Kölner Stadt-Anzeiger. "Ich bin angepisst", ergänzte die Vereinsvorsitzende der Lebenshilfe und Leverkusener Landtagsabgeordnete Eva Lux laut "RP". "So etwas gehört nicht unter unser Dach."

"Tiefe Verunsicherung"

In dem RTL-Beitrag war unter anderem zu sehen gewesen, wie ein Mitarbeiter einer Schwerbehinderten ein Bein stellte und sich darüber lustig machte, als diese stürzte. Eine andere Mitarbeiterin setzte sich mit ihrem Gewicht auf die junge Frau, um diese ruhig zu stellen. Darüberhinaus gab es wiederholte verbale Schikanen und Demütigungen.

"Der Vorgang hat hier eine tiefe Verunsicherung bei den Menschen hinterlassen. Das betrifft Eltern, Angehörige und Personal", sagte Lebenshilfe-Geschäftsführer Mohr laut "Rheinischer Post". Die Werkstattleitung habe der Staatsanwaltschaft Köln die Namen der Mitarbeiter mitgeteilt, gegen die man nun vorgehen wolle.

Hätte RTL früher informieren müssen?

Enttäuscht zeigten sich die Verantwortlichen der Lebenshilfe aber auch von RTL. Der Sender hätte die Werkstattleitung aus ihrer Sicht schon viel früher über die beobachteten Missstände informieren müssen. "Hätten wir vor einem Jahr davon erfahren, hätten wir schon damals die Konsequenzen gezogen", sagte der Leverkusener Stadtkämmerer Frank Stein, der sich ehrenamtlich in der Lebenshilfe engagiert. Die Aufnahmen von RTL stammen teilweise von Ende 2015. Die Lebenshilfe sei aber erst Mitte Januar dieses Jahres von RTL informiert worden. 

RTL hatte berichtet, nach dem ersten Undercover-Einsatz 2015, die Familie der schikanierten Frau informiert zu haben, um auf Besserung hinzuwirken. Nach einem Jahr besuchte ein anderer RTL-Reporter die Einrichtung erneut undercover, eine Verbesserung konnte er nicht feststellen.

Lebenshilfe-Geschäftsführer Mohr sagte, erst bei der Ausstrahlung der Sendung habe man die beiden nun freigestellten Mitarbeiter erkannt. Diese seien vorher unauffällig gewesen. Er betonte, 198 von 200 Mitarbeitern leisteten einen hervorragenden Job.

Das verloren gegangene Vertrauen muss die Einrichtung nun erstmal wieder zurückgewinnen. Seit der Ausstrahlung der Sendung bekommt die Lebenshilfe Drohanrufe und Drohungen über die sozialen Netzwerke. "Wir haben Zuschriften erhalten, man solle uns alle an die Wand stellen", sagte die Vereinsvorsitzende Lux. "Und das war noch harmlos."

Update 23.2.: RTL erklärte, man habe die Lebenshilfe zwar erst im Januar 2017 direkt konfrontiert. Doch die Eltern seien bereits Anfang 2016 detailliert über die Vorfälle und die Namen der beteiligten Betreuer informiert worden. Die Eltern hätten daraufhin mit der Leitung der Einrichtung gesprochen.  

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