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Telekom: Spitzelaffäre holt Obermann ein

Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom rückt jetzt auch den heutigen Vorstandschef René Obermann ins Zwielicht. Wie der Konzern zugab, wusste man schon früher von einem Bespitzelungsfall, verschwieg ihn aber monatelang. Der Aufsichtsrat hat dafür Verständnis.

Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom holt den jetzigen Vorstandschef René Obermann ein. Bereits im Sommer 2007 wusste die Konzernspitze von einem Fall, meldete ihn aber nicht. Ein Sprecher sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Telekom habe es damals versäumt, die von der Bespitzelung betroffene Redaktion zu unterrichten. Man habe gehofft, den Fall aus der Öffentlichkeit heraushalten zu können und es würde sich um einen Einzelfall handeln.

Das Bonner Unternehmen informierte den betroffenen Redakteur laut "Süddeutscher Zeitung" vor einigen Tagen, nachdem weitere Bespitzelungsfälle aufgetaucht waren. Es soll sich um einen Mitarbeiter des Wirtschaftsmagazins "Capital" handeln.

Der Telekom-Aufsichtsrat stärkte Obermann den Rücken. Nach einer rund fünfstündigen Sondersitzung am Mittwoch in Bonn ließ das Gremium erklären, es habe die bisherigen Maßnahmen Obermanns ebenso gutgeheißen wie dessen weitere Schritte, um eine Wiederholung eines derartigen Falles zu verhindern. Ein Sprecher wies darauf hin, dass Obermann schon im Sommer 2007 nach Bekanntwerden des ersten Falles den Sicherheitschef des Konzerns ausgewechselt und die gesamte Abteilung umgebaut habe. Dass die Öffentlichkeit oder die Staatsanwaltschaft damals nicht informiert wurden, habe auch mit dem gerade laufenden Streik zutun gehabt.

Erst am vergangenen Wochenende hatte Obermann eingeräumt, dass der Konzern in Jahren 2005 und teilweise auch 2006 Telefon-Verbindungsdaten missbrauchlich benutzt habe. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" die Affäre ans Licht gebracht.

Ziel der Operation war es, herauszufinden, wann und wie lange Aufsichtsräte und Telekom-Manager mit Journalisten telefoniert haben. Auf diesem Wege wollte die Telekom herausfinden, wer die Presse mit internen Informationen versorgte. Zu der fraglichen Zeit war Kai-Uwe Ricke Vorstandschef und Klaus Zumwinkel Aufsichtsratsvorsitzender des Bonner Unternehmens. Beide wurden wiederum vom ehemaligen Personalvorstand Heinz Klinkhammer beschuldigt, an der Aktion maßgeblich beteiligt zu sein.