TELEKOMMUNIKATION Machtübernahme bei MobilCom noch diese Woche?


Die Machtübernahme bei MobilCom durch den Großaktionär France Telecom könnte an diesem Freitag vollzogen werden, da dann eine Aufsichtsratssitzung angesetzt ist.

Unternehmenssprecher Matthias Quaritsch sagte am Montag in Büdelsdorf, für Freitag sei eine Sitzung des Aufsichtsrats vorgesehen. Zur Tagesordnung des Treffens wollte sich Quaritsch nicht äußern. Es wird erwartet, dass France Telecom Schmid in dieser Woche auszahlen und als Vorstandschef ablösen wird. Quaritsch sagte auf die Frage, ob der MobilCom-Chef bis dahin im Amt bleiben werde: »So wie es heute aussieht ja.« Zugleich schloss er eine schnellere Ablösung Schmids nicht aus. »Es passieren schnell so viele Dinge. Das hat man ja auf der Hauptversammlung gesehen.«

Die Aktionäre hatten MobilCom-Gründer Schmid auf der Hauptversammlung vergangene Woche die Entlastung verwehrt. Ein Gutachten war zu dem Ergebnis gekommen, dass Schmid bei einem Aktiengeschäft mit seiner Ehefrau gegen das Aktiengesetz verstoßen habe. Das Gutachten war von der mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligten France Telecom durchgesetzt worden. Für Schmid hat die Nichtentlastung zunächst keine unmittelbaren Konsequenzen, doch gibt sie dem Aufsichtsrat theoretisch die Möglichkeit, ihn als Vorstandschef abzuberufen. Im Machtkampf schwächt der Vertrauensentzug durch die Aktionäre vor allem seine Position gegenüber der France Telecom.

Schmid hatte sich einen wochenlangen Streit mit seinem zweitgrößten Aktionär um die Höhe der Investitionen in die UMTS-Mobilfunktechnik geliefert. Im März erklärte sich Schmid schließlich bereit, seinen rund 40-prozentigen Anteil für 22 Euro je Aktie an die Gläubigerbanken zu verkaufen und sich aus dem von ihm gegründeten Unternehmen zurückzuziehen. Dem Plan zufolge sollen die Banken die Beteiligung später an die France Telecom weiterreichen.

Zur Schonung der eigenen Bilanz will der französische Staatskonzern erst 2005 die bei den Banken geparkten MobilCom-Anteile durch die Ausgabe von Aktien ihrer Tochter Orange erwerben. Die France Telecom hatte 2001 mit mehr als acht Milliarden Euro den ersten Nettoverlust ihrer Firmengeschichte ausgewiesen.

Seit der Verständigung auf dieses Vorgehen sind allerdings die Modalitäten der Transaktion strittig. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel hatte der France Telecom signalisiert, dass auch den außenstehenden Anteilseignern ein Kaufangebot zu den gleichen Bedingungen offeriert werden müsse.


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