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MOBILCOM: Mobilcom: 5.500 zittern um ihre Jobs

Nachdem France Telecom der Mobilcom den Geldhahn zugedreht hat, droht dem Unternehmen die Insolvenz. Rettungsversuche sind in vollem Gange.

In der deutschen Telekommunikationsbranche droht die größte Pleite seit der Liberalisierung des Telefonmarktes: Nachdem France Telecom der Mobilcom den Geldhahn zugedreht hat, bangen nun 5.500 Beschäftigte um ihren Job. Ein Mobilcom-Sprecher erklärte, ein Insolvenzantrag noch am Freitag sei »äußerst wahrscheinlich«. Bundesregierung und das Land Schleswig-Holstein sagten Hilfe zu.

FT-Chef Bon tritt zurück

In Paris kündigte unterdessen der France-Telecom-Chef Michel Bon seinen Rücktritt an, ein Nachfolger soll spätestens Anfang Oktober ernannt werden. Der Konzern, der 28,5 Prozent an Mobilcom hält, hatte nach monatelangem Zögern beschlossen, weder weiteres Geld zu überweisen noch ein Übernahmeangebot an die Aktionäre zu machen. Allerdings wollen die Franzosen die Schulden von Mobilcom bei Banken und Telekom-Ausrüstern übernehmen. Dennoch bleibt France Telecom Gläubiger des deutschen Unternehmens, das heißt, Mobilcoms Schulden bleiben gegenüber dem französischen Konzern bestehen.

17 Banken haben Mobilcom 4,7 Milliarden Euro für den Kauf der UMTS-Lizenz in Deutschland geliehen. Nokia und Ericsson haben Lieferantenkredite in einer Höhe von insgesamt 1,1 Milliarden Euro gewährt.

Bürgschaften angeboten

In Berlin sagte Regierungssprecherin Charima Reinhardt, Bund und Land Schleswig-Holstein würden im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles dafür tun, »um eine Fortführung des Unternehmens zu ermöglichen, beispielsweise durch die Gewährung von Bürgschaften«. Mobilcom sei ein in seinen Kernbereichen gesundes Unternehmen, das man guten Gewissens fortführen könne.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat Reinhardt zufolge Bundeswirtschaftsminister Werner Müller gebeten, kurzfristig gemeinsam mit dem Land, dem Vorstand von Mobilcom sowie den kreditgewährenden Banken über Möglichkeiten einer Lösung zu beraten. Müllers Sprecher erklärte, der Minister werde noch am (heutigen) Freitag zu Gesprächen über die Zukunft von Mobilcom einladen.

Schmid will FT verklagen

Mobilcom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid kündigte unterdessen eine Schadenersatzklage in Milliardenhöhe gegen France Telecom an. Das Unternehmen wolle sich mit der angekündigten Einstellung der Zahlungen aus der Verantwortung stehlen, so Schmid. Vorstandschef Thorsten Grenz sagte, man brauche nun einen Freund als Insolvenzverwalter und keinen Abwickler.

Geschäftsbetrieb geht weiter

Für Mobilcom bedeutet die Entscheidung nicht zwangsläufig das Ende. Grenz hatte am Donnerstag erläutert, auch bei einer Insolvenz wäre »das Leben nicht zu Ende. Es gibt dann einen jahrelangen Rechtsstreit.« Möglicherweise würde Schadenersatz in Milliardenhöhe fällig. Ein denkbares Zukunftsszenario sei die Sanierung des Kerngeschäfts und die Zusammenlegung des UMTS-Geschäfts mit einem anderen Anbieter. Die 4,9 Millionen Mobilfunkkunden von Mobilcom können trotz drohender Insolvenz wie gewohnt telefonieren, sagte Firmensprecher Torsten Kollande. Der Geschäftsbetrieb gehe weiter wie üblich.