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Telekommunikation: Mobilcom verkauft UMTS-Netz an E-Plus

Der Mobilfunkanbieter Mobilcom verkauft sein für 1,1 Milliarden Euro errichtetes UMTS-Netz nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen für 20 Millionen Euro an den Konkurrenten E-Plus.

Der Aufsichtsrat des Mobilfunkanbieters Mobilcom hat am Dienstag beschlossen, sein für 1,1 Milliarden Euro errichtetes UMTS-Netz für 20 Millionen Euro an den Konkurrenten E-Plus zu verkaufen. Gleichzeitig wurde der indischen Hinduja-Gruppe die Möglichkeit eingeräumt, bis zum Ende der Woche ein Angebot für die UMTS-Lizenz abzugeben. "Die Inder könnten sich vielleicht vorstellen, bis Ende der Woche ein unverbindliches Angebot zu machen", sagte das Aufsichtsratsmitglied.

Verkauf bis Ende der Woche

Mobilcom teilte im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung mit, das Kontrollgremium habe einstimmig beschlossen, den Verkauf der UMTS-Netz bis Ende dieser Woche verbindlich abzuschließen. Damit will sich Mobilcom offenbar eine Tür offen halten, falls die indische Hinduja doch noch eine Offerte abgibt. Hinduja war am Vortag von Unternehmensgründer Gerhard Schmid als möglicher Interessent für die UMTS-Aktivitäten ins Gespräch gebracht worden. Der Vice Chairman des indischen Unternehmens, Solomann Raj, hatte jedoch ein Interesse an Mobilcom verneint.

Keine Stellungnahmen

Weder die niederländische KPN, der E-Plus mehrheitlich gehört, noch E-Plus selbst war zunächst zu einer Stellungnahme bereit. Mobilcom nannte in einer nach der Aufsichtsratssitzung verbreiteten Pressemitteilung nicht den Namen von E-Plus als Käufer des UMTS-Netzes. Allerdings war zuvor bekannt geworden, dass dem Kontrollgremium als einziges formelles Angebot das von E-Plus vorlag. Mobilcom-Sprecher wies auf den Zeitdruck hin, unter dem der Verkauf der UMTS-Aktivitäten stehe, da France Telecom die Kosten für das Einfrieren des Funknetzes nur bis zum Jahresende trage.

Endlich Schlussstrich

Wenn der UMTS-Verkauf Ende der Woche perfekt ist, kann Mobilcom nach fast drei Jahren einen Schlussstrich unter sein verlustreiches UMTS-Abenteuer ziehen, durch das der Konzern im Streit der beiden Großaktionäre France Telecom und Mobilcom-Gründer Schmid fast in die Insolvenz getrieben worden war. Im Gegenzug zu Schmids Rückzug aus dem Unternehmen und der Zusage des Unternehmens, das UMTS-Netz zu verkaufen, übernahm France Telecom Schulden der Büdelsdorfer in Höhe von rund sieben Milliarden Euro. Mobilcom verkaufte daraufhin kürzlich seine Festnetzsparte an seine Internettochter Freenet und konzentriert sich seitdem auf den Wiederverkauf von Mobilfunkdiensten anderer Anbieter. In diesem Kerngeschäft will Mobilcom im ersten Halbjahr 2003 in die Gewinne zurückkehren.

Hohe Verluste

Im vergangenen Jahr belief sich der Nettoverlust vor allem wegen hoher Abschreibungen in Folge des gestoppten UMTS-Aufbaus sowie Restrukturierungskosten auf 3,4 Milliarden Euro. Allerdings war der Verlust auch ohne die Abschreibungen nach Firmenangaben mit 504 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr mit 206 Millionen Euro. Der Umsatz verringerte sich um gut 20 Prozent auf 2,053 Milliarden Euro.

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