HOME

16-Stunden-Arbeitstag: Wie Thailands Scampi-Sklaven für unser Essen schuften müssen

Sie wurden an Fabriken verkauft und puhlen dort 16 Stunden täglich Shrimps: Das Geschäft mit den Garnelen in Thailand basiert auf Kinderarbeit und Schuldknechtschaft. Und diese Shrimps landen auch in deutschen Supermärkten.

Zwangsarbeiter müssen rund 16 Stunden in Shrimp-Fabriken schuften.

Zwangsarbeiter müssen rund 16 Stunden in Shrimp-Fabriken schuften.

Jeden Tag schuften sie 16 Stunden in der stinkenden Halle, mit den Händen im Eiswasser puhlen sie Shrimps den Panzer vom Fleisch und schneiden die Köpfe ab. 80 Kilo schaffen sie täglich, dafür erhalten sie 3,60 Euro Lohn. Oder auch mal weniger oder gar nichts.

Modernes Sklaventum

Denn Nummer 31 und seine Frau sind Schuldknechte. Früher, in Myanmar, hatten der 22-jährige Tin Nyo und seine Frau nicht nur Namen, sondern auch noch Pässe. Heute sind sie nur noch Nummern wie alle Arbeiter in der Fabrik. Als sie nach Thailand kamen, wurden ihnen die Papiere abgenommen. Jetzt sind sie Sklaven und brauchen umgerechnet 750 Euro, um sich freizukaufen. Eine Summe, die sie wohl kaum zusammen bekommen werden.

Auch Kinder arbeiten in den Fabriken

In Thailands Shrimp-Fabriken arbeiten auch Kinder.

In Thailands Shrimp-Fabriken arbeiten auch Kinder.

Die Arbeit in den riesigen Hallen der Fabriken wird meist von illegalen Einwanderern verrichtet. Sie kamen mit großen Hoffnungen und falschen Versprechen nach Thailand, meist aus Laos oder Mynmar, und leben jetzt in Knechtschaft. Wie Nummer 31. In der Fabrik, in der er arbeitet, sind auch Kinder beschäftigt. Ein Mädchen ist noch so klein, dass sie sich auf den Stuhl stellen muss, um arbeiten zu können, berichten Reporter der Nachrichtenagentur "AP".

In einer aufwendigen Recherche haben die Journalisten das Leid der Menschen in Thailands Hallen eingefangen, die meist nur von einem Gedanken angetrieben werden: Flucht. Auch Tin Nyo und seine Frau schafften es, zu fliehen, doch sie wurden keine 24 Stunden später wieder eingefangen. Würden sie es noch einmal probieren, sagten die Wachleute, würde man sie einfach erschießen.

Zustände schon lange bekannt

Diese erschreckenden Zustände sind schon seit langem bekannt. Auch der diesjährige Kinderarbeitsreport der Hilfsorganisation "terres des hommes" widmet sich der Ausbeuterbranche. Nach Schätzungen sollen bis zu fünf Millionen Migranten in Thailand leben, viele ohne legalen Aufenthaltsstatus. Ebenfalls nur geschätzt werden kann die Zahl der Kinder, die in den Fabriken schuften müssen: 2012 sollen bis zu 8000 Kinder und bis zu 30.000 Jugendliche unter 17 Jahre in den Hallen gearbeitet haben.

Thailand ist der weltgrößte Exporteur von Meeresfrüchten und Fisch. Der größte Betreiber von Shrimps-Farmen machte 2014 einen Umsatz von rund 12 Milliarden Dollar. Von hier aus werden Flusskrebse, Shrimps und Fische in die ganze Welt geliefert - auch nach Deutschland. Der Markt ist intransparent, schreibt "terres des hommes". Woher die Shrimps stammen, wo sie verarbeitet werden, sogar um welche Sorte es sich genau handelt, kann kaum festgestellt werden. Sicher ist nur: Rund 650.000 Tonnen Shrimps werden jährlich nach Europa geliefert, rund 13 Prozent davon stammen aus Thailand. 

Aquakulturen sind die Zukunft

Immer wieder steht die Shrimps-Industrie in Thailand am Pranger, vor allem wegen der Sklavenarbeit. Bereits im vergangenen Jahr berichtete die britische Zeitung "Guardian" von dem grausamen System der Garnelen-Fabriken. Aldi Nord prüfte daraufhin die Lieferkette, die französische Supermarktkette Carrefour stoppte sofort bedenkliche Lieferungen aus Thailand

Auch wenn die Zucht von Shrimps in Aquakulturen und die unmenschlichen Bedingungen in den Fabriken schockieren, glaubt das World Resources Institute, dass durch die starke Bevölkerungszunahme in spätestens zehn Jahren die Hälfte der weltweit nachgefragten Fischereiprodukte aus Aquakulturen stammen wird.