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Thomas Cook: MyTravel-Übernahme hat kaum Auswirkungen

Mit der Übernahme des britischen Reiseveranstalters MyTravel ist dem deutschen Tourismuskonzern Thomas Cook und seiner Muttergesellschaft KarstadtQuelle ein Überraschungscoup gelungen. Den Aktienmarkt ließ das kalt.

KarstadtQuelle macht durch die Fusion seiner Reisetochter Thomas Cook mit dem britischen Konkurrenten MyTravel das Touristik-Geschäft zur seinem wichtigsten Standbein. Doch auf den deutschen Markt werde die Fusion kaum Auswirkungen haben, sagen Branchenexperten. Thomas Cook mit Marken wie Neckermann Reisen und Bucher Last Minute bleibt in Deutschland wie in Europa die Nummer zwei. Doch aus europäischer Perspektive könnten der verschmähte britische Reiseveranstalter First Choice Holidays und Branchenprimus Tui unter Zugzwang geraten.

Überraschungs-Coup

Dass MyTravel und Thomas Cook gemeinsame Sache machen, kam durchaus überraschend. MyTravel dachte offiziell über ein Gebot für die Pauschalreise-Sparte des britischen Konkurrenten First Choice nach. Zeitungen berichteten immer wieder, Thomas Cook habe ebenfalls Interesse. Und Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa gab erst bei der Bilanz-Vorlage vor wenigen Tagen Wasser auf die Gerüchtemühlen: Man halte sich in Großbritannien "alle Optionen offen", sagte er. Doch an die Option MyTravel hatten wohl die wenigsten gedacht.

Der neue Reisekonzern Thomas Cook plc kommt auf einen Jahresumsatz von über zwölf Milliarden Euro und ist damit nicht mehr weit von Tui entfernt. Der Reise- und Schifffahrtskonzern mit Marken wie 1-2-Fly, l'tur und Berge & Meer hatte im vergangenen Geschäftsjahr in der Touristiksparte gut 14 Milliarden Euro umgesetzt. Doch Größe ist nicht alles. "In der Vergangenheit haben die Synergiegewinne die Aufwendungen für solche Fusionen kaum gedeckt", sagt Karl Born, Professor für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Wernigerode.

Thomas Cook handelte clever

Vor allem Tui hatte in der Vergangenheit zu teuer zugekauft. Für 2006 muss der Konzern aus Hannover Goodwill-Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe auf seine Tochter Thomson Travel vornehmen, schätzen Branchenkenner. Thomas Cook und KarstadtQuelle hätten besser gehandelt, sagt Born. Schließlich sollen die MyTravel- Aktionäre komplett mit Aktien der neuen Tourismus-Holding Thomas Cook plc abgefunden werden. Born verweist allerdings auf mögliche Folgekosten: Die IT-Technik von MyTravel und Thomas Cook müsse zusammengeführt werden: "Es fragt sich, ob beide Unternehmen hier auf einem ähnlichen Niveau sind."

Dass sich der Zusammenschluss auf den Wettbewerb und damit positiv für die Kunden auswirkt, können sich Branchenexperten lediglich für den britischen und den skandinavischen Markt vorstellen. Denn dort waren bislang beide Fusionspartner vertreten. "Die Strukturen am deutschen Markt bleiben die gleichen", sagt ein Analyst. In Großbritannien gerate Tui jedoch in die Defensive, wenn die um MyTravel gestärkte Thomas Cook ihre Marktmacht beim Einkauf von Flügen und Hotelbetten ausspiele.

Tui und First Choice werden kooperieren müssen

Analyst Nils Machemehl vom Bankhaus M.M.Warburg erwartet nicht, dass Thomas Cook den Preiskampf nun verstärkt. Vorteile bei den Einkaufspreisen werde das Unternehmen wohl kaum an die Kunden weitergeben. Schon gar nicht an die deutschen Urlauber. "Denken Sie mal an Mallorca - da gibt es Hotels für Engländer und andere für Deutsche", sagt Born. Bei einem Hotel für deutsche Gäste könne das Unternehmen nicht mit einer großen Nachfrage aus England punkten - dies gelte auch für andere Urlaubsziele.

Born, früher selbst Vorstandsmitglied bei Tui, hält weitere Konsolidierungsschritte nicht für ausgeschlossen: Thomas Cook laufe Tui und Thomson Travel in Großbritannien den Rang ab, und Konkurrent First Choice müsse überlegen, ob er jetzt nicht einen starken Partner brauche. "Dass zwischen Tui und First Choice jetzt Gespräche beginnen, liegt auf der Hand", sagt der Tourismusexperte.

Von Steffen Weyer/DPA-AFX