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Reisebuchung Verbraucherschützer fordern: Kostenloser Reiserücktritt bei Gesundheitsrisiko

Im Schaufenster eines Reisebüros: Der Betreiber hat den Hinweis "Bleiben Sie gesund! Der nächste Urlaub kommt bestimmt" aufgehängt.
Im Schaufenster eines Reisebüros: Der Betreiber hat den Hinweis "Bleiben Sie gesund! Der nächste Urlaub kommt bestimmt" aufgehängt.
© Kay Nietfeld / DPA
Wer jetzt seinen Urlaub für die Herbst- oder Winterferien bucht, spielt mit dem Risiko. Niemand weiß, wo das Reisen dann sicher ist. Verbraucherschützer fordern besondere Regeln für besonders Gefährdete.

Urlauber mit Vorerkrankungen und aus der Risikogruppe sollten ihre Reisen nach Ansicht von Verbraucherschützern in der Corona-Pandemie kostenlos absagen können. "Jemand, der aufgrund seines Risikoempfindens oder einer gesundheitlichen Vorbelastung berechtigte Sorge hat, dass Mallorca zu einem Risikogebiet werden könnte, darf sich nicht durch Zahlungsaufforderungen verpflichtet fühlen, dort hinzufahren", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit endeten solche Fälle oft vor Gericht. 

Eine Urlaubsreise etwa für den Herbst zu planen, sei angesichts der unberechenbaren Corona-Pandemie gerade schwierig. "Das bedeutet für den Verbraucher einen extrem hohen Informationsaufwand", sagte Müller. Niemand wisse, ob ein Urlaubsland im Herbst oder Winter Risikogebiet sei oder nicht - und welche Bedingungen bei einer Rückkehr nach Deutschland herrschten. "Planungssicherheit sieht anders aus. Das müssen Verbraucher wissen und abschätzen", sagte Müller. 

Reisewarnung des Auswärtigen Amts

Nach derzeitiger Rechtslage reicht die Angst vor einer Ansteckung nicht als Grund für eine kostenlose Stornierung aus. Am größten sind die Chancen bei einer Pauschalreise: Hier kommt es darauf an, ob das vertraglich zugesicherte Programm durchgeführt werden kann oder nicht. Sind Aktivitäten durch steigende Infektionszahlen plötzlich deutlich eingeschränkt, kann das ein Grund für eine Stornierung sein. Als starkes Indiz gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts, wie jetzt für Spanien mit Ausnahme der Kanaren. 

Müller kritisierte zudem, dass Verbraucher noch immer nicht ausreichend gegen eine Insolvenz ihres Reiseveranstalters abgesichert seien. Die Bundesregierung habe nach der Pleite von Thomas Cook noch eine Hausaufgabe offen. 

Finanzielle, berufliche und gesundheitliche Unsicherheit ist nach Ansicht der Verbraucherschützer auch ein Grund dafür, dass viele Verbraucher bei abgesagten Reisen nicht auf Gutscheinangebote eingegangen sind. In der Krise hielten die Menschen ihr Geld zusammen. "Das, was ihnen zusteht, wollen sie auch gerne wiederhaben. Und das sind keine Gutscheine, das ist bares Geld", sagte Müller. 

Gutscheine sind keine Lösung

Seit der Debatte im Frühjahr sei der Gutschein "vergiftet". "Durch die ganze Diskussion um Zwangsgutscheine ist bei den Menschen hängen geblieben: Ich bin der Doofe, wenn ich das mache", sagte Müller. Dabei hätten freiwillige Gutscheine oft Vorteile - wenn sie etwa mit Bonusleistungen oder Rabatten verknüpft seien. Für Menschen, die sich das leisten könnten und wollten, seien sie "eine gute Alternative".

Bei kleinen Reisebüros und -veranstaltern hätten viele Verbraucher noch Verständnis, wenn diese mit Erstattungen im Verzug seien, sagte Müller. Das gelte aber nicht für einen Weltkonzern wie die Lufthansa mit ihren rund neun Milliarden Euro Staatshilfen. 

Die Lufthansa-Gruppe hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr mehr als zwei Milliarden Euro ausbezahlt. Flüge aus März und April seien bereits weitestgehend abgearbeitet. Weniger als eine Milliarde Euro an Erstattungen stehe  noch aus.

Die Verbraucherzentralen hatten gefordert, alle von Absagen betroffenen Flugtickets müssten bis Ende August vollständig erstattet sein. Die Lufthansa habe sogar ein seit Jahren bewährtes automatisiertes Entschädigungsverfahren abgeschaltet, kritisierte Müller. "Darauf haben wir bis heute keine plausible Erklärung bekommen."

tib/DPA

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