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Nobelherberge in Zürich Alle Angestellten entlassen: Das Hotel Atlantis ist wieder abgetaucht

Hotel Atlantis by Giardino
Knapp fünf Jahre nach der Wiedereröffnung ist Schluss: Die Rückseite des Hotels Atlantis am Uetliberg in Zürich.
© Till Bartels
Das Hotelsterben hat längst begonnen: Eines der ersten Opfer ist das Atlantis in Zürich. Mehr als 200 Millionen Euro waren vor Kurzem in die Renovierung des Luxushotels geflossen. Jetzt steht das Gebäude zum Verkauf.

Eigentlich könnte das Edelhotel in diesen Tagen den 50-jährigen Geburtstag feiern. Doch das Gegenteil ist der Fall: Das Atlantis am Fuße des Uetlibergs steht leer – wieder einmal. "Wir sagen, wie es ist. Dieser Abschied tut weh. Nach sieben Jahren des gemeinsamen Weges hält das Hotel Atlantis ab sofort nun seine Türen geschlossen", heißt es auf der Homepage der Unterkunft, die zum ersten Mal 1970 eröffnet wurde.

Die letzte Betreiberin, die Giardino Group, hatte bereits im April allen 140 Angestellten gekündigt und auch das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant Ecco dicht gemacht. Die Schweizer Gruppe hatte versucht, mit dem Haus nach einer Totalsanierung an die legendäre Zeit der 1970er Jahre anzuknüpfen. Einst galt der Bau in Form eines Ypsilons als das fortschrittlichste Luxus-Hotel der Stadt. Viele Starts wie Steve McQueen, Freddie Mercury und Muhammed Ali stiegen hier ab.

Das Hotel hat viele Höhen und Tiefen erlebt

Doch das Atlantis stand unter keinem guten Stern. In den 90er Jahren blieben notwendige Investitionen aus, der Niedergang nahm mit dem Leerstand seinen Lauf. Das Haus verkam, wurde Asylantenheim und endete als Studentenunterkunft.

Erst nachdem Khalifa bin Hamad Al Thani, der ins Schweizer Exil gezwungene Herrscher aus Katar, in Zürich kein standesgemäßes Anwesen fand und das Gebäude auf einer Wiese am Stadtrand kaufte, schien das Atlantis wieder eine Zukunft als Hotel zu haben.

Der Plan sah vor: eine Reduzierung der ursprünglichen Zimmeranzahl von 330 auf 95 und als Krönung in der obersten Etage eine 2000 Quadratmeter große Luxuswohnung, exklusiv für den Emir. Nach der Wiedereröffnung des Atlantis 2015 war diese Suite eines der bestgehüteten Geheimnisse Zürichs. Doch den Umzug erlebte der Senior nicht mehr, er verstarb im Alter von 84 Jahren.

Hier ist alles Gold, was glänzt

Auf die Frage des stern, welche Summe allein in die oberste Etage mit den acht Schlafgemächern und vergoldeten Wasserhähnen in den Bädern investiert wurde, konnte auch Philippe Frutiger, der Chef der Giardino-Gruppe, keine genaue Antwort geben. "Wir kennen den Baupreis nicht. Er muss astronomisch sein."

Später versuchte das Hotel den sich stilistisch stark vom übrigen Haus unterscheidenen Wohnsitz des Katari als Royal Residence zu vermarkten, mit Butler- und Rolls-Royce-Limousinen Service.

Doch das große Problem des Hauses blieb weiterhin bestehen: die Lage. Zu weit weg vom Zentrum, Zürichsee und Bankenviertel. "Das Atlantis stand im Gegensatz zum Dolder Grand von Anfang an auf der falschen Seite der Stadt", sagte vor Jahren schon Michel Rey, der damalige Direktor des Zürcher Baur au Lac, dem ältesten Fünf-Sterne-Haus von Zürich.

90 statt 160 Millionen Schweizer Franken

Auch nach dem Neustart des Atlantis als "Urban Retreat" blieben Umsatz und Auslastung hinter den Erwartungen zurück. Im August 2019 kam die Luxusimmobilie wieder auf den Markt. Die Herrscherfamilie von Katar wollte nach Medienangaben dafür rund 160 Millionen Schweizer Franken haben. Doch die Offerten, unter anderem von einem chinesischen Milliardär und einem Nestlé-Erben blieben unter den Preisvorstellungen.

Dann kam im Frühjahr 2020 die Corona-Krise und beschleunigte den erneuten Fall des Hauses. Als eines der ersten Hotels in Zürich mussten die Angestellten des Atlantis um ihre Gehälter bangen und wurden entlassen. Die Maklerfirma CBRE, die sich um den Verkauf des Hotels kümmert, sei nun in Verhandlungen mit einem indischen Hotelunternehmer, meldete das Fachorgan "Bilanz" unter der Überschrift "Fünf-Sterne-Schnäppchen: Das Hotel Atlantis kommt in indische Hände".

Neuer Eigentümer für gebotene 90 Millionen Schweizer Franken könnte der Unternehmer Kabir Mulchandan aus Indien werden, der bereits zwei Hotels in Dubai betreibt. Einziger Nachteil: "2009 wurde er dort wegen Betrugsverdachts verhaftet. Er kam gegen eine Kaution von 100 Millionen Franken – der vermuteten Schadenssumme – auf freien Fuß, später wurde er vor Gericht freigesprochen", so die "Bilanz".

Nach Auskunft des Branchenverbands Hotellerie Suisse stehen in Zürich drei von vier Hotelbetten im Moment leer. Wie in vielen Großstädten fehlen nicht nur die Touristen, sondern ist auch das für Stadthotels so wichtige Messe- und Kongressgeschäft zum Erliegen gekommen. Das Hotelsterben geht weiter, das prominente Atlantis dürfte nur der Anfang sein.

Stefan Heilemann, der Koch des Restaurants Ecco im Atlantis, hat jedoch eine neue Tätigkeit gefunden: Zusammen mit dem Sommelier und dem Chef-Patissier wechselte das Küchenteam ins Hotel Widder – direkt im Zentrum von Zürich gelegen.

Quellen: handelszeitung.ch

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