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TOURISTIK: Überangebot am Ferienhimmel

Nach der Rettung der LTU stehen die Verantwortlichen des Ferienfliegers vor einer schwierigen Sanierung. Überkapazitäten belasten den Reisemarkt.

Angesichts der unsicheren Entwicklung der Reisebranche im kommenden Jahr belasten Überkapazitäten den Markt. Zwar herrschte noch im Frühjahr 2001 bei den Ferienfliegern Optimismus und die auf die Finanzierung von Flugzeugen spezialisierte Deutsche Verkehrsbank (DVB) kam in einer Studie zu dem Ergebnis, »dass der europäische Charterluftverkehr einer der Hauptnutznießer des weiterhin wachsenden Reiseverkehrs bleiben wird.« Doch schon damals klagte die Branche, die der Studie zufolge europaweit fast 550 Jets zählte, über Überkapazitäten. Nach den Anschlägen vom 11. September hat sich die Lage verschärft. Zudem drückt die weltweite Abschwächung der Wirtschaft die Reiselust. Wenn die Reisekonjunktur im kommenden Jahr nicht anspringt, bekomme auch LTU wieder Probleme, heißt es bei der Konkurrenz.

Konkurrenten wollten das Aus

Der Reisekonzern Thomas Cook mit seiner Fluggesellschaft Condor hatte als unmittelbarer Konkurrent der LTU bei Langstreckenflügen erklärt, das Aus für den Düsseldorfer Ferienflieger wäre zu begrüßen. Auch andere Reisekonzerne, wie etwa die Preussag hatten sich intern schon auf ein Ende der LTU eingestellt und sich Alternativen gesichert. Ein anderer Veranstalter, der einen Teil seiner Reisen bislang mit LTU flog, ließ inoffiziell verlauten, dass es auch ohne die Maschinen der traditionsreichen LTU genügend Kapazitäten gibt. Und das, obwohl zum Beispiel FTI als Tochter des britischen Airtours-Konzerns seine Flugkapazitäten mit zuletzt 300.000 Passagieren im November eingestellt hat.

Rettung stärkt Wettbewerb

Offiziell begrüßte nicht nur Preussag aus Wettbewerbsgründen stets die Rettungsversuche für die LTU. Die eigene Hapag Lloyd Flug hat für Deutschland keine Langstreckenflüge mehr im Programm. Und eine Abhängigkeit von Condor würde Preussag nicht schmecken. Der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalter-Verband (DRV) sieht die Rettung der LTU zunächst einmal ebenfalls sehr positiv. »Sonst hätten wir in Deutschland keinen Wettbewerb auf der Langstrecke«, sagte DRV-Sprecher Christian Boergen.

Massengeschäft lässt nach

Doch Probleme bekommen die Ferienflieger im kommenden Jahr nach einhelliger Meinung der Branche nicht so sehr bei der insgesamt eher kleinen Zahl von Fernreisen, sondern im Massengeschäft mit Urlaubsflügen Richtung Mittelmeer. »Hier kann es sicher zu erheblichen Überkapazitäten kommen, wenn die Konjunkturschwäche keine vorübergehende Erscheinung bleibt«, sagte Boergen. Bislang ist man aber noch zuversichtlich, dass das Sommergeschäft 2002 nicht die befürchteten Einbrüche erlebt.

Sparpläne in der Schublade

Doch Thomas Cook mit dem größten deutschen Ferienflieger Condor und europaweit 85 Maschinen hat bereits indirekt Flugkapazitäten abgebaut, in dem für eine neue Airline in Belgien vorhandene Maschinen aus Großbritannien und Deutschland verwendet werden. Auch Preussag mit europaweit 88 konzerneigenen Flugzeugen hat Sparpläne in der Schublade für den Fall, dass im Februar die Sommer-Buchungskurve nicht nach oben zeigt.

Langsam Kapazitäten abbauen

Die LTU-Führung selbst erklärt, dass trotz der Marktschwäche die zurzeit 28 Maschinen fast komplett ausgelastet sind. Die LTU hat aber bereits rund 20 Prozent ihrer Maschinen stillgelegt. Die 28 verbliebenen Flugzeuge sollen in den kommenden zwei Jahren durch 25 Airbusse ersetzt werden. Das macht unter dem Strich einen Kapazitätsabbau von 30 Prozent.

LTU sieht's optimistisch

2003 ist bereits wieder mit einem ausgeglichenen Ergebnis zu rechnen, erwartet ein LTU-Sprecher. Das setzt voraus, dass sämtliche Maschinen ausgelastet sind. »Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass LTU deutlich weniger als 25 neue Maschinen in die Luft bringt«, sagt indes ein Flugmanager der Konkurrenz. Denn LTU hat durch die Turbulenzen der vergangenen Monate und den Niedergang seines einstigen Mehrheitseigners Swissair schwer gelitten. In der jüngsten Übersicht des Touristikmagazins »FVW International« sind die Düsseldorfer im Reisejahr 2000/01 (bis 31. Oktober) von Hapag Lloyd auf den dritten Rang verdrängt worden. Die Zahl der LTU-Passagiere ging um gut 15 Prozent auf drei Millionen zurück, während Hapag Lloyd und Marktführer Condor ebenso zulegten wie konzernunanhängige Anbieter wie etwa die Air Berlin.

Andreas Möser