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Trendwende im Sommer: Deutsche Maschinenbauer sehen Hoffnungsschimmer

Silberstreif am Horizont: Die von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelten deutschen Maschinenbauer rechnen damit, dass sich die Lage spätestens im Mai bessert. Und das in der gesamten Branche. Trotzdem erwartet der Verband, dass zunächst weitere Stellen gestrichen werden.

Die kriselnde Maschinenbau-Branche sieht Licht am Ende des Tunnels. "Wir rechnen ab Jahresmitte mit einem Ende der bisherigen Talfahrt bei den Auftragseingängen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA, Hannes Hesse. Dies treffe auf die "gesamte Breite des Maschinenbaus" zu. Bereits heute kämen wieder vermehrt Bestellungen aus China, Indien und Brasilien herein. "Wir gehen aber nicht davon aus, dass es eine Blitzerholung geben kann", sagte Hesse am Montag auf der Hannover Messe.

Seit Mitte vergangenen Jahres gehen die Auftragseingänge kontinuierlich zurück. Den schärfsten Einbruch gab es in den ersten beiden Monaten dieses Jahres, in denen sich die Bestellungen im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert hatten. "Wir rechnen spätestens ab Mai mit niedrigeren Minusraten", sagte Hesse. Er begründete seine Einschätzung im Wesentlichen mit den drastisch gesunkenen Lagerbeständen bei den Kunden und damit, dass die Welle an Stornierungen abflaue. "Außerdem sollten auch die weltweit aufgesetzten Konjunkturpakete allmählich greifen."

Zu Jahresbeginn ist die Produktion insgesamt um fast ein Viertel geschrumpft. Besonders bei den Herstellern von Bau-, Druck-, Textil- und Werkzeugmaschinen stehen die Bänder still, während die Zulieferer für die Energiebranche noch vergleichsweise gut zu tun haben. Auf den Zweigen Infrastruktur, Energieerzeugung, Energieeffizienz und Umwelttechnologie ruht auch die Hoffnung der Maschinenbauer. Nach Angaben des Verbandes sollen die Aufträge vor allem aus Asien kommen.

China entwickelt sich gleichzeitig aber auch zu einem der größten Konkurrenten. Das Reich der Mitte ist im vergangenen Jahr zum weltgrößten Maschinenbau-Produzenten aufgestiegen und hat damit Deutschland überholt. Die Chinesen kamen auf einen Marktanteil von 17,2 Prozent, die deutschen Hersteller auf 14,7 Prozent. Der bisherige Spitzenreiter USA landete mit einem Anteil von 14,6 Prozent nur noch auf Rang drei. Es folgen Japan (11,8 Prozent) und mit Abstand Italien (6,8 Prozent).

Zwar konnten die deutschen Unternehmen ihren Umsatz trotz der Wirtschaftskrise noch um acht Prozent auf 233 Milliarden Euro hochschrauben, die Konkurrenten aus China wuchsen jedoch um 30 Prozent auf 271 Milliarden Euro. Dagegen schlug die Rezession bei den US-Amerikanern mit einem Umsatzrückgang von zehn Prozent auf 231 Milliarden Euro bereits kräftig zu. In dem Land hatte die Finanzkrise ihren Ausgangspunkt genommen.

Trotz der erwarteten Aufhellung im Sommer hält der VDMA an seiner Einschätzung fest, dass in diesem Jahr in Deutschland bis zu einem Fünftel weniger Maschinen hergestellt werden. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Belegschaften: Waren Ende des vergangenen Jahres erst 26.000 Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit, so sind es Schätzungen zufolge mittlerweile vier Mal so viele. Hesse rechnet zudem mit insgesamt 25.000 wegfallenden Stellen in der Branche.

DPA / DPA