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Unternehmen Boris Becker: Pleiten statt Pokale

In seinen Memoiren berichtet Boris Becker über Blitz-Sex und Babs-Scheidung. Was er schönredet: Als Unternehmer war er ein Totalflop. Eine Inspektion der Firma "BB"

Der Mann, von dem Sir Peter Ustinov sagt, er habe den Deutschen den Patriotismus zurückgegeben, steht in einem Autohaus in Greifswald und lässt sich mit den Gattinnen der Verkäufer fotografieren. Kippt zwei Bier runter. Kritzelt mit gefrorener Freundlichkeit ein paar Dutzend Autogramme - auch eines auf die Kühlerhaube eines Smart, was aus dem Kleinwagen prompt eine 'Special Edition' macht.

"Es war mal wieder an der Zeit, dass ich hier nach dem Rechten schaue", sagt Boris Becker. Das meint er natürlich nicht ernst. Das Mercedes-Autohaus, in dem er sich gerade feiern lässt, gehört zwar ihm - wie auch zwei weitere Verkaufsstellen in Mecklenburg-Vorpommern. Doch für alles Geschäftliche hier besitzt er wenig Sinn. Dafür hat er seinen "lieben Malte". "Ich bin überzeugt, dass alles gut läuft", sagt Becker noch. Dann sitzen er und seine Entourage auch schon wieder in der Limousine Richtung Berlin-Mitte, Hotel Adlon. Dass sein lieber Malte Hermann, der Autohauschef, später am Abend noch stöhnt, wie schwer die Verkaufseinbrüche bei Mercedes-Transportern zu verkraften seien, bekommt "BB" nicht mehr mit.

Überall ein bisschen

Boris Becker ist ständig überall und dort immer nur ein bisschen. Im schweizerischen Steuerparadies Zug, wo Becker neuerdings nicht nur seinen Firmensitz ansiedelte, sondern auch sich selbst. In Miami bei den Kindern; in New York bei der Freundin. Dann ab und zu in einem Münchner Gerichtssaal, wo es letztes Jahr noch um Steuerhinterziehung ging und seit kurzem um offene Rechnungen nach einer Firmenpleite. Derzeit ist Becker auf Promotion-Marathon. Der 35-Jährige trommelt für seine Memoiren, die kommende Woche mit 150.000 Exemplaren an den Start gehen. Zwei Wochen lang gibt es Becker total - bei 'Bild', Gottschalk, Kerner und Co. "Aufbruchstimmung" nennt das Beckers Berater Robert Lübenoff, der dem Tennisgott a. D. auch beim Verfassen der Biografie half. "So eine Kampagne hat es noch nie gegeben", sagt Lübenoff. Boris wolle neu durchstarten. Im Hintergrund sei einiges in Bewegung, bald spruchreif. Von einem Moderatorenjob für Becker beim Spartensender DSF wird geraunt. Von einer neuen Lifestyle-Marke unter Beckers Signum "BB". Uhren, Parfüm, Klamotten. Vom großen Sportler-Manager Becker, der mit seiner neuen Schweizer Firma nicht ohne Grund die Nähe zu Weltfußballverband und zu Bundesliga-Vermarkter Günter Netzer gesucht habe, die ebenfalls in Zug residieren. Er wolle in China und den USA neue Märkte erschließen, gab Becker selbst preis.

Erfolglose Neustarts

In Wirklichkeit sind es nicht viele, die noch an Beckers Managerqualitäten glauben. Denn "neu durchstarten", das wollte Becker schon oft. Zu vieles endete im Desaster. Seit Becker 1999 das letzte Mal als Profisportler auftrat, sammelte er fast so viele Pleiten wie zuvor Pokale: - Die Sportler-Agentur Boris Becker Marketing GmbH, die 1998 noch als Grundstein für die neue Karriere dienen sollte - Betrieb eingestellt. - Die New Food AG, über die Becker Ökoprodukte via Internet verkaufen wollte - Pleite. - Die Firma Pro Sport AG, die Beckers Sportbekleidungskollektion in Deutschland vermarkten sollte - ebenfalls Konkurs.

Wirbel um das Sportgate-Scheitern

Noch heute für Wirbel sorgt das Scheitern der Firma Sportgate, an der Becker die Mehrheit besaß. Schon nach einem Jahr war Sportgate zahlungsunfähig. Eine Pleite, aus der man viel erfährt über den Geschäftsmann BB, seine "Visionen", die ihm Berater Lübenoff bescheinigt, und über seine "Star Alliance", das Netzwerk von Prominenten und Mächtigen, als deren Mittelpunkt Becker sich gern versteht.

Sportgate war im Sommer 2000 als Internet-Schaltstelle für den Deutschen Sportbund mit seinen rund 27 Millionen Mitgliedern gegründet worden. Neben Becker traten Ex-RTL-Chef Helmut Thoma als Geschäftsführer der Firma an, sowie als Finanzier der frühere Internet-Guru Paulus Neef, der Sportgate erfunden hatte. Die Star Alliance funktionierte - Presserummel gab's reichlich. Seine Anteile an der Firma Sportgate bezahlte Becker angeblich nicht mit Geld, sondern mit seinem guten Namen. Als Werbefigur sei er schließlich Millionen wert.

Nächste Gerichts-Runde im Dezember

In den Klageschriftsätzen der Sportgate, in denen Beckers Geschäftspartner Neef als Zeuge benannt wird, liest sich das anders: Die Garantie (siehe Ausriss) sei ausdrücklich für die Firma bestimmt gewesen. Jungunternehmer BB habe sehr wohl gewusst, dass er bei mieser Geschäftslage Verluste in Millionenhöhe ausgleichen müsse. Anfang Dezember geht der Fall in München in die nächste Runde. Dabei geht es für Becker nicht nur ums Geld; sein guter Ruf als ehrlicher Makler des Sports steht auf dem Spiel. Internen Papieren ist nämlich zu entnehmen, dass Becker sein Sportgate-Engagement dazu nutzen wollte, den Millionen Sportbund-Mitgliedern eine Software zum Telefonieren via Internet anzudrehen. In die hatte er zuvor in Asien mehrere hunderttausend Mark investiert.

Ehemalige Berater gehen auf Distanz

Auch ehemalige Berater wie der Sportgate-Aufsichtsrat Nickolaus Becker gehen zu Boris offenbar auf Distanz. In einer eidesstattlichen Versicherung soll Berater Becker sogar aussagen, Boris habe befürchtet, ohne die Mehrheit an Sportgate, könnte ihm auch "der Zugriff auf die Adressen des Deutschen Sportbundes verwehrt" werden. Selbst nach Afghanistan soll Geschäftsmann Boris Becker gereist sein, um sich persönlich nach Billig-Programmierern für Sportgate umzugucken, erzählt ein anderer Geschäftspartner. Becker, vom stern befragt, wollte sich zum Sportgate-Verfahren nicht äußern. Auch sein Ex-Anwalt und Neef schweigen.

" Als Symapthieträger aktiv"

Wovon lebt Boris Becker heute eigentlich? Das fragte auch die Richterin, als er im Oktober vergangenen Jahres in einem Prozess - wegen Steuerhinterziehung - vor dem Münchner Landgericht stand. Becker sei "als Werbe- und Sympathieträger aktiv", antworteten seine Anwälte.

Einst, als der rumänische Manager Ion Tiriac aus dem Wimbledon-Wunder eine Werbemaschine formte, wurde Beckers Vermögen auf bis zu 200 Millionen Euro geschätzt. Allein seine Turnier-Preisgelder sollen an die 30 Millionen Euro betragen haben.

Dann wieder, auf dem Höhepunkt des Scheidungskrimis "Barbara Becker gegen Boris Becker" in Miami rechneten ihn die Medien beinahe Pleite, weil er statt der fünf Millionen Mark nach deutschem Ehevertrag rund die doppelte Summe plus Wohnung (Wert: fünf Millionen Dollar) auf der Promi-Insel Fisher Island in Florida an seine Frau verlor. Zuletzt taxierte ihn "Bild" mutig auf 120 Millionen Euro. Nichts davon muss stimmen. Becker gibt keine Auskunft, sagt nur: "Ich bin nicht besonders reich."

Für das Gericht verdiente er 600 Euro pro Tag

Auch über seine Einkünfte existieren nur karge Anhaltspunkte: Zur Berechnung der Strafe ging das Gericht im Steuerprozess von 600 Euro an Einkommen pro Tag aus. Das dürfte tief gestapelt sein. Vor einer Strafkammer rechnet sich jeder so arm wie er kann. Becker zahlte damals für die Jahre 1991 bis 1995 gut drei Millionen Euro an Steuern nach. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren auf Bewährung plus Geldstrafe (300 000 Euro). Damit ist Boris Becker vorbestraft, braucht nun ein Visum, um zu den Kindern in die USA zu reisen.

Der Steuersünder muss pausieren

"Sympathieträger" Becker ist angeschlagen: Als Steuersünder müsse er erst einmal pausieren, was Werbung angehe, sagt ein Insider. AOL ließ den Vertrag mit ihm auslaufen. Becker ist heute von der Werbebildfläche weitgehend verschwunden. Als der Ex-Tennisheld vor seinem Auftritt im Greifswalder Mercedes-Autohaus in der Sporthalle nebenan eine Kostprobe seiner früheren Tätigkeit gab, bekam der Veranstalter nicht einmal die Halle voll. 625 zahlende Gäste sahen dabei zu, wie Becker zu Discomusik ein paar Bälle mehr ins Netz schlug als sein Sparringspartner; 800 Menschen hätten in die Halle gepasst.

Neuer 50-Prozent-Partner soll helfen

Ein Mann besonderen Kalibers soll sich nun um Pleiten-Becker kümmern: Der ehemalige Metro-Boss Hans-Dieter Cleven. Er ist Beckers 50-Prozent-Partner. Und sein Ersatzvater. Cleven lockte den Ex-Sportler in die Schweiz, wo er selbst schon seit Jahrzehnten arbeitet. Cleven besorgte die Räume in dem Bürogebäude zwischen dem Zuger Bahnhof und der örtlichen Wirtschaftsverwaltung: Auf demselben Stockwerk, auf dem die neue Firma Boris Becker & Co angesiedelt ist, betreibt der 60-Jährige noch ein paar andere Firmen.

Und es ist ebenfalls Cleven, der Becker an dem Sportartikelhersteller Völkl beteiligte und ihn dort als Maskottchen für Tennisschläger einsetzt. Becker könne "für Öffentlichkeit sorgen", beschreibt sein Berater Lübenoff die neue Arbeitsteilung der Duzfreunde Dieter und Boris, für alles andere sei der Ex-Metro-Manager zuständig. Dazu gehört offenbar auch, dass sich der "Dieter" den Steuerproblemen seines Ziehsohnes annahm: Die offenen Becker-Rechnungen beim deutschen Fiskus beglich angeblich Cleven - als Vorschuss auf eine gute Zusammenarbeit. Noch ist dieser Streit nicht ganz ausgestanden. Das Finanzamt hätte gern noch ein paar Millionen für die Zeit zwischen 1985 und 1990, als Becker selbst zwar in Monte Carlo weilte, sein Vater aber eine Generalvollmacht für die Becker-Geschäfte besaß. Die Steuerbehörden sehen den Betriebssitz damit in seiner Heimatstadt Leimen.

"Als 'Star' als recht schwierig im Umgang bekannt"

Sein Berater Lübenoff betont deshalb stolz: "Boris hat mit Sportgate keine müde Mark verloren." Doch das könnte sich bald ändern: Der Sportgate-Insolvenzverwalter hat Becker verklagt, weil dieser seinen Verpflichtungen angeblich nicht nachkam. "Der Beklagte war als 'Star' und 'Prominenter' als recht schwierig im Umgang bekannt", heißt es in der Klageschrift über das Verhältnis zwischen Vorstand und dem Gesellschafter Becker. Ex-Geschäftsführer Thoma monierte, Becker sei einfach abgetaucht, als das Unternehmen in Schwierigkeiten geriet: "Andere behaupten, er sei boshaft", so Thoma in der Becker-Biografie von Fred Sellin, "ich glaube, er ist völlig unreif."

Ein Einstieg des weltweit größten Internetdienstes AOL, den Becker vermitteln wollte, kam jedenfalls nicht zustande. "Das Problem von Becker ist, dass er sich zwar schnell für eine Idee begeistert und alles verspricht, aber kaum etwas einhält", sagte ein Becker-Vertrauter zum stern. Die Star Alliance scheiterte. Becker fühlt sich zu unrecht kritisiert, räumt intern allenfalls ein, zu ungeduldig und zu naiv in das Geschäftsleben gestolpert zu sein: ein paar fahrlässige Entscheidungen, falsche Freunde, denen er vertraute - Anfängerfehler. Die ändern nichts an seiner Grundüberzeugung: Wenn Becker ruft, stehen auch heute noch die Wirtschaftsbosse bereit.

Umstrittene Zeilen "to whom it may concern"

In dem Zivilstreit "Sportgate gegen Becker" geht es um einen siebenzeiligen Text, der - typisch Becker - auf eigenartige Weise entstand: An einer Hotelbar in Washington, so schilderte Becker kürzlich vor dem Münchner Landgericht, habe er sich im Juli 2000 mit Paulus Neef und Uta Kunz, der Lebensgefährtin von Thoma, getroffen. "Relativ locker" habe man die "nächsten Schritte" von Sportgate besprochen. Da Neef, der damals im Hauptjob Chef der Internet-Agentur Pixelpark war, für seinen persönlichen "internen Gebrauch" eine Sicherheit verlangte, habe man etwas Schriftliches festgehalten. Der Text sei auf Englisch, weil die Rezeptionistin, der die Vereinbarung diktiert worden war, kein Deutsch konnte. In diesen sieben Zeilen sichert Becker zu, gegebenenfalls Verluste von Sportgate bis zu einer Höhe von 1,5 Millionen Euro auszugleichen. Das Ganze ist adressiert "to whom it may concern" - wen auch immer es angeht. Ein paar Sportgate-Gläubiger finanzieren den Prozess nun, um das Geld einzutreiben. Beckers Anwälte sagen, die Erklärung aus dem Hotel sei von Sportgate nicht einklagbar. Außerdem sei sie durch andere Verträge längst aufgehoben.

Marke Becker wird wieder im Wert wachsen

Becker betont, in seiner Karriere mindestens 25 Millionen Euro an deutsche Finanzämter überwiesen zu haben. Auch die Einkünfte aus dem Buchverkauf in Deutschland würden hierzulande versteuert. Ein Vertrauter ist überzeugt: In ein bis zwei Jahren, wenn über die ganze Steuersache Gras gewachsen sei, werde die Marke Becker wieder gefragt sein. Dann sei die Steuerhinterziehung vergessen. Auch mit dem Umzug nach Zug, der Becker aus Sicht des Finanzministers zum Steuerflüchtling macht, habe sich dann jeder abgefunden. Und persönliche Fehltritte wirkten sich mit einigem Abstand auf das Image des Idols Becker sogar positiv aus, sagt ein Branchen-Insider. Noch mehr Vorteil Becker: Ihn kennt man in jeder Metropole der Welt. Daraus lässt sich Kapital schlagen. Auch wenn erneut alle großen Business-Pläne scheitern sollten - als Ich-AG ist BB die perfekte Besetzung. Mitarbeit: Wibke Schmidt

Johannes Röhrig / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(