US-Immobilienkrise EZB pumpt Geld in die Märkte


Die Immobilienkrise in den USA hat jetzt auch den europäischen Geldmarkt erreicht: Erstmals seit sechs Jahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) in den Geldmakrt eingegriffen. Die Börsen reagierten prompt.

Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten infolge der US-Immobilienkrise hat die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals seit sechs Jahren wieder am Geldmarkt eingegriffen. Die Notenbank pumpte frisches Geld in die Märkte und stellte den Banken zusätzliche 94,8 Milliarden Euro zum Zinssatz von 4,0 Prozent zur Verfügung. Zuletzt hatten die Währungshüter nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 zu diesem Mittel gegriffen. "Die EZB stellt fest, dass es Spannungen im Euro-Geldmarkt gibt, obwohl die Versorgung mit Liquidität normal ist", teilte die Notenbank mit.

Nach Ansicht von Beobachtern will die EZB damit Marktteilnehmer beruhigen. Am weltgrößten Aktienmarkt in New York kam es zum Handelsauftakt angesichts der EZB-Liquiditätsspritze zu massiven Kursverlusten. Auch der Deutsche Aktienindex (DAX) gab im Handelsverlauf deutlich nach.

Geordnete Bedingungen auf dem Euro-Geldmarkt

Für Unruhe an den Märkten hatte die Nachricht gesorgt, dass die französische Großbank BNP Paribas vorübergehend wegen der Krise an den US-Märkten drei Fonds geschlossen hatte. Die Investmentbank Goldman Sachs berichtete von "Gerüchten über Liquiditätsprobleme mehrerer europäischen Banken". Die EZB wollte dies nicht kommentieren und teilte lediglich mit: "Die EZB steht bereit, um geordnete Bedingungen auf dem Euro-Geldmarkt zu gewährleisten." Nach Ansicht von Ökonomen wollen die Währungshüter mit dem zusätzlichen Geld den Banken unter die Arme greifen, um Störungen an den Finanzmärkten zu verhindern.

Auf dem Geldmarkt leihen sich Banken bei der EZB, aber auch gegenseitig Geld aus. Experten gehen davon aus, dass die Nervosität an den Märkten dazu geführt hat, dass die Banken nicht mehr im üblichen Umfang bereit sind, sich gegenseitig Geld zu leihen. In diese Bresche springe nun die Notenbank, hieß es aus EZB-Kreisen.

US-Marktbeobachter sahen in der EZB-Aktion den Versuch einer Marktberuhigung, aber gleichzeitig auch eine Bestätigung erheblicher Kreditmarkt-Probleme. Die Stimmung an den US-Börsen und Finanzmärkten wurde als sehr nervös beschrieben. Der Dow-Jones-Index fiel am Donnerstag in den ersten Minuten des Handels um mehr als 200 Punkte. Der Dow lag eine halbe Stunde nach Handelsauftakt mit 13 478,61 Punkten um 179,25 Zähler oder 1,31 Prozent niedriger. Investmentbanken, Banken und andere Finanzdienstleister wiesen die stärksten Kursverluste auf.

Nach den Terroranschlägen in den USA 2001 hatte die EZB am 12. und 13. September 2001 an zwei Tagen frisches Geld in Form solcher "Schnelltender" in den Markt gepumpt und damit ihre Handlungsfähigkeit unterstrichen. Zuvor war es am Geldmarkt zu Panikreaktionen gekommen. Nach der damaligen EZB-Aktion hatten sich die Märkte beruhigt.

Überraschende Maßnahme

Die aktuelle EZB-Maßnahme kam überraschend, weil sich EZB- Präsident Jean-Claude Trichet zuletzt gelassen angesichts der Turbulenzen auf dem US-Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen (Subprime) gezeigt hatte. "Das ist ein schrittweiser Prozess der Normalisierung bei der Einschätzung der Risiken", sagte Trichet vor einer Woche und stellte eine Zinserhöhung für Anfang September von voraussichtlich 4,0 auf 4,25 Prozent in Aussicht. Im EZB- Monatsbericht am Donnerstag wurde dies bestätigt. Sollten die Probleme an den Finanzmärkten sich verschärfen, könnte die Zinserhöhung aber nach Expertenmeinung aufgeschoben werden.

"Die EZB hat ein Signal an die Märkte gesendet und versucht, die Marktteilnehmer zu beruhigen", sagte der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. "Die grundsätzliche Problematik der US-Hypothekenkrise kann die EZB aber nicht abfedern." Wenngleich die konkreten Ansteckungseffekte auf den Euroraum derzeit nicht abzuschätzen seien, sei jedoch klar, dass die US-Hypothekenkrise bereits übergegriffen habe.

Auf den amerikanischen Finanzmärkte wurde die EZB-Hilfsaktion für den Geldmarkt als einen klaren Hinweis darauf gesehen, dass sich die Krise im Markt für amerikanische Hypothekenkredite für Hauskäufer mit schlechtem Kredit-Rating auch auf andere Kreditmarkt-Bereiche und auf europäische Banken und Finanzdienstleister auszuwirken scheint.

DPA DPA

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