US-Milliardenauftrag Boeing irritiert - EADS bleibt gelassen


Der schon sicher geglaubte Milliardenauftrag aus den USA ist gestoppt - doch der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS bleibt gelassen. Statt sich über die neue Chance zu freuen, ist Erzrivale Boeing nun irritiert. Der US-Konkurrent hatte bei der Ausschreibung den Kürzeren gezogen und Beschwerde eingelegt.

Dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS droht der Verlust seines 35 Milliarden Dollar schweren Auftrags für eine neue Tankflugzeugflotte der US-Luftwaffe. US-Verteidigungsminister Robert Gates kündigte am Mittwoch an, den Auftrag neu auszuschreiben. Bis Ende des Jahres solle feststehen, wer den Zuschlag bekommt. Die Aufsicht liegt zudem nun beim Pentagon selbst und nicht mehr bei der Air Force.

Debatte in den USA

Die Entscheidung ist ein schwerer Rückschlag für EADS, doch in einer ersten Reaktion blieb die Konzernführung gelassen. Das Unternehmen hatte sich ursprünglich Ende Februar gemeinsam mit seinem US-Partner Northrop Grumman überraschend gegen den Erzrivalen Boeing durchgesetzt. Dies löste in den USA eine heftige politische Debatte aus. Boeing legte Beschwerde beim amerikanischen Rechnungshof ein. Die Behörde gelangte zu der Auffassung, dass der Luftwaffe bei dem Zuschlag für den Bau von 179 Tankflugzeugen schwere Fehler unterlaufen waren. Sie empfahl deshalb, die Ausschreibung zu wiederholen.

Die Punkte, die der Rechnungshof bemängelte, würden in der neuen Bewerbungsrunde angegangen, sagte Gates nun. "Und wir werden überarbeitete Vorschläge der Industrie ersuchen."

Hoffnung bei EADS, Skepsis bei Boeing

Die Airbus-Mutter EADS begrüßte in einer ersten Reaktion, dass das Pentagon bei der Neu-Ausschreibung den Fokus auf die bemängelten Aspekte legte und den Prozess nicht gänzlich vor vorne aufrollen wolle. Konzern-Chef Louis Gallois fügte hinzu, EADS werde Northrop voll unterstützen, um auf "die Bedürfnisse unseres Kunden" rasch einzugehen. Northrop äußerte sich ebenfalls positiv und erklärte, es müsse sichergestellt werden, dass die Neuausschreibung für beide Seiten eine faire Gelegenheit darstelle, die Stärken ihrer jeweiligen Vorschläge hervorzuheben.

Von Boeing kamen dagegen eher skeptische Töne. Zwar begrüßte der Konzern die Neuausschreibung ebenfalls. Allerdings äußerte er gleichzeitig die Sorge, die Auswahlkriterien könnten möglicherweise geändert werden.

Für die neue Bewerbungsrunde entzog der Verteidigungsminister der in die Kritik geratene US-Luftwaffe die Federführung in dem Verfahren. Stattdessen setzte er den Chef-Waffeneinkäufer des Pentagons, John Young, ein. Dieser betonte, auch diesmal werde der Zuschlag nur an eine Partei gehen. Eine Aufteilung des Auftrags sei nicht vorgesehen. "Wir haben nicht die Ressourcen, zwei unterschiedliche Tankerflotten zu entwickeln und zu unterhalten", sagte Young.

Der Tanker-Auftrag ist für EADS vor allem angesichts der vielen Probleme bei Airbus extrem wichtig. Das Wohl von EADS hängt zu stark von seiner defizitären Zivilflugzeug-Sparte ab. Diese dürfte zu spüren bekommen, dass der drastische Anstieg der Ölpreise rund um den Globus immer mehr Fluggesellschaften an den Rand des Bankrotts treibt. Airbus ist zusätzlich durch den Euro-Höhenflug angeschlagen, der seine Flugzeuge in vielen Ländern dramatisch verteuert. Auch vergangene Streitigkeiten im Management machen Airbus noch immer zu schaffen. Deshalb hat der Konzern als Ausweg aus den Problemen auf eine Expansion im Rüstungsgeschäft gesetzt - besonders in den USA.

Reuters Reuters

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