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Vassiliadis: Neuer IG BCE-Chef fordert Zukunftsdebatte

Der neue IG BCE-Chef Michael Vassiliadis hat angesichts des Mitgliederschwunds eine Zukunftsdebatte über den künftigen Kurs der Gewerkschaften in Deutschland gefordert.

Der neue IG BCE-Chef Michael Vassiliadis hat angesichts des Mitgliederschwunds eine Zukunftsdebatte über den künftigen Kurs der Gewerkschaften in Deutschland gefordert. «Wir dürfen uns nicht reduzieren auf eine Art ADAC der Arbeitnehmer, der nur deren unmittelbare Interessen wahrnimmt», sagte Vassiliadis der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hannover. «Wir müssen als Gewerkschaften heraus aus der Defensive.» Der 45-Jährige wurde am Dienstag als Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Hubertus Schmoldt zum neuen Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) gewählt.

Vassiliadis ist der jüngste Gewerkschaftsboss unter den Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die IG BCE ist mit rund 690 000 Mitgliedern die drittgrößte Einzelgewerkschaft nach IG Metall und Verdi.

Vassiliadis sagte, die Gewerkschaften müssten über den Tag hinaus denken. «Wir müssen unsere Verantwortung für die großen Zukunftsthemen wahrnehmen.» Dazu zählten die Innovationsfähigkeit der Industrie, der Klimaschutz, der demografische Wandel, die Bildung und die Zukunft des Sozialstaats. Die Gewerkschaften müssten wieder deutlicher machen, dass sie eine tragende Säule der Gesellschaft seien.

Der DGB-Kongress im Mai 2010 müsse sich Gedanken darüber machen, wie der Dachverband in zehn Jahren dastehen wolle. «Wir müssen die Lage analysieren, uns den Herausforderungen stellen und Ziele setzen.»

Vassiliadis sagte, er habe Verständnis für Mindestlöhne in bestimmen Branchen vor allem im Dienstleistungssektor, in denen die Gewerkschaften schwach organisiert seien. «Das kann aber auf Dauer nicht das gewerkschaftliche Konzept sein. Unser Ziel muss es sein, das selber zu gestalten, das ist Tarifautonomie.»

Die Gewerkschaften müssten sich verstärkt Gedanken darüber machen, wie sie neue Mitglieder gewinnen könnten. So seien nicht nur bei der IG BCE hoch qualifizierte und weibliche Beschäftigte unterrepräsentiert. Bei der IG BCE liege der Organisationsgrad quer durch alle Branchen bei knapp unter 50 Prozent, bei Akademikern aber nur bei 20 Prozent. «Wir müssen auch bei dieser Zielgruppe auf einen ausreichenden Organisationsgrad kommen», sagte Vassiliadis. «Es geht nicht mehr mit einem Flugblatt für alle.» Insgesamt müsse es gelingen, bei den Beschäftigten wieder eine höhere Akzeptanz und Zustimmung zu Gewerkschaften zu gewinnen.

DPA / DPA