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Abgasskandal: VW soll Kronzeugenregelung für geständige Mitarbeiter planen

Weil eigene Ermittlungen zäh verlaufen, will Volkswagen laut Medienberichten Beschäftigten eine Art Amnestie anbieten, wenn sie zur Aufklärung des Abgasskandals beitragen. Für Vorstände und Manager soll dies nicht gelten.

Ein Messschlauch eines Gerätes zur Abgasuntersuchung steckt im Auspuffrohr eines VW

VW-Mitarbeiter, die von den Abgasmanipulationen wussten, sollen bei einem Geständnis ihren Job behalten und von Schadensersatzforderungen verschont bleiben

Der Volkswagenkonzern plant laut Medienberichten eine Art Kronzeugenregelung, um Mitarbeiter zu Aussagen über den Abgasskandal zu bewegen und so die stockenden Ermittlungen voranzutreiben. Beschäftigte sollten ihren Job behalten und von Schadensersatzforderungen verschont bleiben, wenn sie gestehen, berichteten die "Süddeutsche Zeitung" und die Sender NDR und WDR laut Vorabmeldung am Samstag. "Warum sollten die Leute auspacken und sich selbst belasten, wenn sie nichts davon haben?", zitierte das Recherchenetzwerk ein Mitglied aus der VW-Konzernspitze.

Vorstandschef Matthias Müller hatte schon Anfang Oktober bei einer Betriebsversammlung versprochen, wer zur Aufklärung beitrage und die Wahrheit sage, habe "keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen" zu befürchten. Diese Ankündigung solle nun umgesetzt werden. Das Amnestieprogramm dürfe aber nicht für Vorstände und andere hoch dotierte Manager gelten. 

VW-Ermittlungen kommen nur zäh voran

Bisher kommen die internen Ermittlungen bei VW nach Angaben aus Unternehmenskreisen nur zäh voran. Das Schweigen der Verdächtigen bringt Volkswagen in Bedrängnis. Falls das Unternehmen die Affäre nicht selbst aufkläre, werde es nicht gelingen, in den USA halbwegs glimpflich davon zu kommen, berichten "SZ", NDR und WDR unter Berufung auf die  Konzernspitze. Die US-Behörden seien knallhart, dort sei man in der Bringschuld.

VW hatte Anfang Oktober eingeräumt, Abgaswerte von Dieselfahrzeugen durch eine Software manipuliert zu haben. Bei Tests auf dem Prüfstand führte das Programm zu einem niedrigeren Schadstoffausstoß als im Normalbetrieb. Weltweit wurde die Software in bis zu elf Millionen Autos eingebaut. Dem Konzern droht nun eine Prozesslawine, überdies müssen die Fahrzeuge umgerüstet werden.


mod / AFP