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Volkswagen: Wulff prüft Pakt gegen Porsche

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff lotet ein Bündnis mit anderen Volkswagen-Eignern gegen Großaktionär Porsche aus. Dazu hat Wulff angeblich Gesprächstermine für die Zeit kurz nach dem Jahreswechsel anberaumt.

Ein offen ausgetragener Konflikt wäre beispiellos für Deutschland, sagte ein Großaktionär, den Ministerpräsident Christian Wulff im Januar treffen will. "Es würde Krieg bedeuten." Die Treffen mit deutschen und internationalen Investoren sollen noch vor der Aufsichtsratssitzung des Konzerns im Februar abgeschlossen sein.

Termine vor Hauptversammlung

Der Vorstoß ist der bislang deutlichste Beleg für den Machtkampf unter den beiden Hauptaktionären von Europas größtem Automobilhersteller. Porsche hat in den vergangenen Monaten 27,4 Prozent an dem Wolfsburger Konzern zusammengekauft und damit Niedersachsen als größten Anteilseigner mit 20,8 Prozent abgelöst. VW ist Niedersachsens größter privater Arbeitgeber, das Land hat vor dem Einstieg Porsches jahrzehntelang bestimmenden Einfluss ausgeübt. Anfang des Monats hatte Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking angekündigt, für sein Unternehmen drei, wenn nicht sogar vier statt der bisher zwei Sitze im Aufsichtsrat zu fordern.

Zudem gilt als sicher, dass die Stuttgarter den Aufsichtsratschef stellen wollen. Der ehemalige VW-Vorstandschef und Amtsinhaber Ferdinand Piëch ist zugleich Miteigner von Porsche und wird von den Arbeitnehmervertretern in dem Gremium unterstützt. Zusammen hatten sie jüngst den bei Wulff wohlgelittenen Vorstandschef Bernd Pischetsrieder zum Rücktritt gezwungen. Gefragt, ob die Absprache mit Niedersachsen noch gelte, dass keiner der beiden Hauptaktionäre den Aufsichtsrat führen solle, sagte Wiedeking der Financial Times: "Die Regeln des Spiels haben sich geändert."

Letzte AR unterm VW-Gesetz

Die Wahlen zum Aufsichtsrat stehen auf der Hauptversammlung im April an. Es ist voraussichtlich das letzte Aktionärstreffen, auf dem das VW-Gesetz noch gilt. Es begrenzt die Stimmrechte jedes Eigentümers auf 20 Prozent und soll so den Einfluss Niedersachsens sichern. Der Europäische Gerichtshof wird das Gesetz voraussichtlich Mitte 2007 kippen.

Durch ein Bündnis mit anderen Aktionären könnte Wulff Porsches Ansprüche noch einmal parieren. "Ich weiß nicht, was genau seine Agenda ist, aber er hat mich nicht eingeladen, um mit mir über das Wetter zu reden", sagte ein Aktionär, der Wulff im Februar trifft.

Wulff rutscht die Macht aus den Händen

Mehrere Aktionäre wiesen darauf hin, dass Wulff trotz der Treffen von einem offenen Konflikt absehen könnte. Ein Ex-Berater Wulffs sagte, der Ministerpräsident solle seine Niederlage eingestehen: "Seine Macht rutscht ihm aus den Händen, Porsche wird bald die Kontrolle haben." Ein Sprecher Niedersachsens sagte, ihm seien keine Gesprächstermine bekannt.

Von Richard Milne / FTD