Vorwürfe Deichmann-Zulieferer soll Arbeiter ausbeuten


Missstände in Schuhfabrik: Kambodschanische Arbeiterinnen werden offenbar mit Gewalt zu Überstunden gezwungen und müssen außerdem giftige Dämpfe einatmen. Deichmann ist Hauptabnehmer der Schuhe und will die Vorwürfe jetzt überprüfen lassen.

Europas größter Schuhhändler Deichmann sieht sich mit dem Vorwurf unhaltbarer Arbeitsbedingungen bei einem seiner kambodschanischen Zulieferer konfrontiert. Das ARD-Politikmagazin Report Mainz und die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichteten, die Arbeiterinnen der kambodschanischen Fabrik beklagten sich über Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, weil sie Lösemitteldämpfen ohne Schutzmasken ausgesetzt seien.

Außerdem würden die Arbeiter täglich zu mehr Überstunden gezwungen, als es das kambodschanische Gesetz erlaube - viele Beschäftigte müssten zudem sieben Tage pro Woche arbeiten. Wer das Produktionsziel von 100 Schuhen pro Stunde nicht schaffe, müsse sich zur Strafe an eine Wand stellen. Die Vorwürfe richteten Mitarbeiter in einem Brief vom 25. Juni gegen die chinesischen Eigentümer und Manager sowie gegen die Deichmann-Gruppe, berichtet die Zeitung. Deichmann ist mit jährlich rund 2,5 Millionen Paar Schuhen Hauptabnehmer.

Europas größter Schuhhändler reagierte betroffen auf den Bericht. Falls sich die Vorwürfe als wahr erwiesen, verstoße dies gegen wichtige Punke des Deichmann-Verhaltenskodex. "In keinem Fall werden wir dulden, dass Arbeitnehmerrechte verletzt werden", hieß es in einer in Essen veröffentlichten Erklärung. Deichmann habe von den Vorwürfen erst durch die Redaktion von Report Mainz Kenntnis erhalten. Der Wahrheitsgehalt lasse sich derzeit deshalb noch nicht abschätzen, hieß es weiter.

Deichmann prüft vor Ort

Dennoch habe das Unternehmen bereits einen Experten aus Deutschland in die Fabrik geschickt, um den Vorwürfen nachzugehen und sie - falls zutreffend - abzustellen, berichtete das Unternehmen.

Das Unternehmen verwies darauf, dass die Fabrik mit ihren 3000 Beschäftigten erst im Mai einer unabhängigen Prüfung unterzogen worden sei. "Dabei wurden zwar einige Mängel festgestellt, die das Management abstellen muss, es wurden aber keine einschneidenden Probleme beschrieben", betonte das Unternehmen. Allerdings war auch damals festgestellt worden, dass Schutzmasken nicht in ausreichender Zahl vorhanden seien, wie ein Firmensprecher einräumte. Auch Überstunden seien als Problem thematisiert worden. Doch sei nicht von erzwungener Mehrarbeit die Rede gewesen.

Der Sprecher betonte, auf Vermittlung von Deichmann habe es nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits ein Treffen zwischen der Gewerkschaft und dem Fabrik-Management gegeben. Dabei habe die Gewerkschaft zehn Forderungen auf den Tisch gelegt, über die man am gleichen Tag noch eine Einigung erzielt habe. Deichmann ist Europas größter Schuhhändler. 2007 verkaufte das Unternehmen weltweit insgesamt 122 Millionen Paar Schuhe.

AP/AFP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker