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Arrestbefehl gegen Unternehmer: Vural Öger wittert türkische Verschwörung: "Man will mich vernichten"

Erst gingen seine Tourismusfirmen pleite, dann erwirkte ein Gläubiger sogar einen Arrestbefehl gegen Vural Öger. Der Unternehmer vermutet hinter dem Verfahren politische Gründe.

Vural Öger als Juror in der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen"

Vural Öger als Juror in der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen"

Es sind schwere Tage für Vural Öger, dem in seiner langen Unternehmer-Karriere so vieles gelungen ist. Mit Öger Tours baute er ein Tourismus-Imperium für Pauschalreisen in die Türkei auf. Nach dem Verkauf an den Branchenriesen Thomas Cook im Jahr 2010 dauerte es nicht lange und Öger stieg wieder ein ins Türkei-Geschäft. Diesmal kooperierte er mit dem Ferienflieger SunExpress, einem Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines. Erst charterte er Flugzeuge von SunExpress, dann verkaufte er Tickets gegen Provision.

Doch diesmal hatte Öger kein Glück: Seine Firmen V.Ö. Travel und Öger Türk Tur gingen Ende Dezember und Anfang Januar pleite. Die Konsequenzen für Öger sind drastisch: Am 6. Mai erließ das Landgericht Frankfurt einen Arrestbefehl gegen Öger. Gegenüber der "Welt" hat Öger nun bestätigt, dass sein früherer Partner SunExpress den Arrestbefehl erwirkt hat.

Vural Öger haftet mit seinem Privatvermögen

Im Unterschied zum Haftbefehl bewirkt ein Arrestbefehl, dass der Betroffene nicht mehr frei über sein Vermögen verfügen kann. SunExpress will so verhindern, dass Öger Vermögen beiseite schafft, statt davon seine Schulden zu bezahlen. Denn Öger hat gegenüber SunExpress eine selbstschuldernische Bürgschaft abgegeben, das heißt, er haftet auch mit seinem privaten Vermögen.

Um sein Vermögen dem Zugriff zu entziehen, hat Öger in den vergangenen Monaten Villen, Bürogebäude, Ferienhäuser und Olivenhaine in Deutschland und der Türkei an Freunde und Verwandte verhökert (die gesamte Liste der verkauften Vermögensgüter steht hier). Dies geschah in der Regel weit unter Wert, einige der der Immobilien und Grundstücke verkauften die Begünstigten umgehend für ein Vielfaches weiter.

Vural Öger sieht sich als Opfer der Politik

Vural Öger seinerseits sieht sich in der ganzen Angelegenheit als Opfer. "Man will mich vernichten", sagte Öger der "Welt". Er steht auf dem Standpunkt, dass SunExpress ihn bewusst aus dem Markt gedrängt und damit erst in die finanzielle Bedrouille gebracht hat. Die Rede ist von Willkür, Zwang und vertragswidrigen Abrechnungen.

Dahinter vermutet Öger nicht nur unternehmerisches Kalkül, sondern auch politisches. Über die Muttergesellschaft Turkish Airlines hat nämlich auch der türkische Staat seine Finger bei SunExpress mit drin. Den Kurs der Regierung Erdogan hat Öger in der Vergangenheit öffentlich kritisiert. "Ich habe immer wieder Drohungen aus der Türkei bekommen, weil ich mich gegen die Staatsführung ausgesprochen habe", sagte Öger der "Welt".

Ähnlich hatte sich zuvor auch schon Ögers Anwalt geäußert. Öger stehe als liberaler, prowestlich orientierter säkularer Unternehmer für Werte, die "unter der derzeitigen türkischen Regierung einen anderen Stellenwert haben", sagte er Spiegel Online. Es sei "der türkische Teil des Joint-Venture-Unternehmens SunExpress gewesen, der eine einvernehmliche Regelung der offenen Fragen zwischen Herrn Öger und SunExpress verhindert hat".

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