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Staffelstart "Die Höhle der Löwen" "I’m on fire!": Wie Judith Williams für einen Duftstein brannte

DHDL Staffelstart
Die "Löwen" von links nach rechts: Nils Glagau, Ralf Dümmel, Judith Williams, Dr. Georg Kofler, Dagmar Wöhrl, Nico Rosberg und Carsten Maschmeyer
© TVNOW/Boris Breuer
Zehn Staffeln "Die Höhle der Löwen" – Happy Birthday! Der Erfolg der Gründershow ist, dass sie konsequent das verweigert, was sie von ihren Kandidaten verlangt: Innovation. Der gleiche Stiefel seit 2014. Aber er läuft sich weiterhin solide, wie der Staffelstart bewies.
Von Mark Stöhr

"Die Höhle der Löwen" hat in den letzten sieben Jahren viele Gründer gesehen – und auch schon einige Investoren. Kann sich noch jemand an Vural Öger erinnern oder Lencke Wischhusen, Jurymitglieder in den ersten beiden Staffeln? Sie wurden damals von Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel abgelöst. In Staffel vier stießen dann Dagmar Wöhrl und Georg Kofler hinzu. Die Einzige im Sessel, die von Anfang an dabei ist, ist Judith Williams. Die "Königin der Kosmetik" bekam dafür Blumen. Ein Deal mit dem Kosmetik-Startup in der Folge wäre ihr lieber gewesen.

Die präsentierten Produkte:

  • Asalea – Auto-Duftsteine aus Kieselgur
  • Classplash – App für das spielerische Erlernen von Instrumenten
  • Laufmaus – Sportgerät für eine optimierte Körperhaltung
  • Osmans Töchter – Türkische Tapas im Glas

Der beste Duft

"I’m on fire", schnaubte Williams. Sie wollte unbedingt mit Kim von Asalea (stern hat das Produkt getestet) ein Business aufziehen. Die Erfindung der 31-Jährigen: Ein Stein aus dem Algenpulver Kieselgur, den man mit dem Parfüm seiner Wahl besprüht und in die Lüftung seines Autos klemmt. Eine organische Alternative zum klassischen Duftbaum also. Die Jury war entflammt, vor allem, weil Kim als erfahrene Vertrieblerin genau wusste, welchen Knopf sie bei den Investoren drücken musste. "Das ist durchdacht, das löst ein Problem", grinste Carsten Maschmeyer selig. Doch wie könnte die Marktstrategie für ein so leicht kopierbares Produkt aussehen? Ralf Dümmel: Schnell eine Brand aufbauen und flächendeckend in alle Regale stellen. Williams: Auf den Duft setzen und im Auto eine Kosmetikwelt etablieren. Kim ging mit Dümmel. Judith Williams war ernsthaft konsterniert: "Sie hätte zu mir kommen sollen."

Die Gründerinnen der Herzen

"Saugut", "gigantisch", "sooo lecker": Die Superlative tropften den Investoren nur so aus den Mündern. Arzu, die Chefin von Osmans Töchter, betreibt in Berlin zwei Restaurants gleichen Namens und hat mit ihren Mitstreiterinnen während der Pandemie einen Lieferservice für Meze im Glas hochgezogen. In ihrer Küche treffen sich Tradition und Moderne – türkische Mamis und trendige Jungköche aus Istanbul. Das einzige Problem der handgemachten Tapas: Sie sind nur fünf Tage haltbar und müssen gekühlt werden. Für Georg Kofler ein No-Go: "Frischeprodukte sind nicht so skalierbar wie Nüsse oder Trockenfrüchte." Nils Glagau und Dagmar Wöhrl sahen das weniger problematisch. Sie begeisterte die Persönlichkeit der Gründerinnen. "Schaut euch diese Frauen an", griff Wöhrl tief in die Pathos-Kiste, "so viel Spirit, so viel Unternehmergeist, ihr seid Vorbilder!" Das war eine Spur drüber, besorgte ihr aber den Zuschlag. Deal Dagmar. 

Ein gerader Rücken kann entzücken

Wissen wir das also auch mal: Carsten Maschmeyer und Georg Kofler machen sechs Mal die Woche Sport. "Wirklich?", drehte sich Ralf Dümmel leicht adipös in seinem Sitz und schaute die Kollegen ungläubig an. Für den Gründer von Laufmaus, einen Sportmediziner, war selbst eine solche Drehung nicht drin. Nach einem Autounfall war er an Armen und Beinen gelähmt. In der Reha stellte er fest, dass eine bestimmte Handhaltung seinen Körper entspannte und modellierte sich aus Knete ein therapeutisches Tool – aus dem später ein professionelles Produkt aus Plastik wurde. Heute ist er wieder voll bewegungsfähig. Dümmel fand das Sportgerät zu erklärungsbedürftig, "das schön verpackt ins Regal zu stellen, reicht nicht". Judith Williams vermisste eine nachmessbare Wirkung des "Wunderdings". Maschmeyer und Glagau hingegen stiegen ein und gaben dem Arzt die verlangten 280.000 Euro Invest, luchsten ihm aber statt der angebotenen 17,5 Prozent Beteiligung 25,1 ab – als "Minderheitenschutz".

No-Deal der Woche

Apps haben es schwer in der Höhle. Wenn dann noch ein galaktischer Firmenwert dazu kommt, ist die Reise ratzfatz vorbei. "Ich war echt gut gelaunt, als ihr reingekommen seid", blaffte Georg Kofler das Gründer-Duo von Classplash an, "aber jetzt gar nicht mehr." Die Brüder verbinden in ihrer App Gaming mit Musikunterricht. Scores für sauber gespielte Noten sozusagen. Doch: Idee stark, Zahlen schwach. Die Verkäufe dümpeln im 30.000er-Bereich. Zu wenig für die Geldgeber – angesichts einer Mondbewertung von vier Millionen Euro. Da verpuffte auch der Trumpf, dass das Familienunternehmen offizieller App-Partner von Roland Emmerichs "Zauberflöten"-Verfilmung sein wird. "Das führt auch nicht automatisch zu Verkäufen, die uferlos sind", analysierte Ralf Dümmel kalt. 

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