HOME

VW übernimmt Porsche: Piëchs Traum wird wahr

Mit der Verschmelzung von VW und Porsche wird der Wolfsburger Konzern faktisch ein Familienbetrieb - und ein lange gehegter Taum des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch geht in Erfüllung. Beide Konzerne haben einander viel zu verdanken. Die neue Verbindung ist eigentlich eine alte.

Von Harald Kaiser

Nun hat es der Alte geschafft. Porsche wird in das Volkswagenreich als zehnte Marke eingegliedert und der zuletzt lästig gewordene Top-Manager Wendelin Wiedeking ist abserviert. Damit ist der Traum von Ferdinand Piëch wahr geworden: Porsche wird mit dem Konzern verschmolzen, zu dessen Gründung Porsche die entscheidende Produktentwicklung lieferte: den VW Käfer.

Den hat einst Ferdinand Porsche auf die Räder gestellt, der Großvater des heutigen VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch. Und gleichzeitig war es so, dass Porsche nur groß werden konnte, weil Volkswagen es erlaubte, dass der allererste Porsche fast ausschließlich aus Käfer-Teilen bestand - mal von der Karosserie abgesehen.

Alles unter einem Dach

Damit ist wahr geworden, was Pate Piëch in einem Interview gesagt hat: "Ich beabsichtige, zu den Siegern zu gehören." Und wahr ist auch, dass der Riesenkonzern Volkswagen damit praktisch ein Familienbetrieb geworden ist - ferngesteuert aus Österreich vom Übervater Piëch. Es war zwar anders gedacht, nämlich so, dass Porsche VW übernimmt. Was auch zu einem Familienbetrieb geführt hätte. Nun ist es umgekehrt gekommen. Nach Lage der Dinge schluckt VW zwar die Porsche Aktiengesellschaft, nicht aber die Porsche Automobilholding. Denn dort ist die Mehrheit der Aktien von VW geparkt, genau 50,8 Prozent. Beherrscht wird diese Firmenkonstruktion von den Familienstämmen Porsche und Piëch, die zusammen 63,3 Prozent der Anteile halten.

Nun hat Ferdinand Piëch etwas zusammengeschmiedet, was er mutmaßlich schon als Technik-Vorstand einst bei Porsche wollte: alles unter einem Dach. Zäh ist er über Jahrzehnte einen mitunter sehr steinigen Weg gegangen. Wobei man sagen muss, dass er bis heute wohl darunter leidet, nicht den Namen Porsche zu tragen. Denn seine Mutter Louise Piëch, die Tochter von Ferdinand Porsche, hat einen Mann namens Anton Piëch geheiratet. Kurios an der Familiengeschichte ist, dass jener Anton Piëch, also Ferdinands Vater, direkt nach dem Krieg Werksleiter der VW-Fabrik in Wolfsburg war. Mit den aktuellen Ereignissen schließt sich also der familiäre Kreis.

Traditionell enge Verbindungen

Gemeinsamkeiten gab es zwischen den beiden Firmen immer. Etwa den VW-Porsche 914 aus dem Jahr 1969. Oder die Typen 924, 944 und 968 - alle hatten VW/Audi-Gene. Und Gemeinsamkeiten gibt es bis heute, wie die technisch verwandten Geländewagen Porsche Cayenne und VW Touareg, die gemeinsam und deswegen kostengünstig entwickelt werden konnten. Und derzeit wird am Hybridantrieb für beide Häuser gearbeitet. Und dass im Cayenne Diesel, der vor Jahren völlig undenkbar war, ein Audi-Herz schlägt, wissen nur wenige, darf aber auch nicht vergessen werden.

Und demnächst erfolgt wahrscheinlich wieder ein Griff ins Konzernregal der künftigen Mutter: Für die kleinen Porsche-Baureihen Cayman und Boxster soll es als Basismotorisierung ein Vierzylinder-Turbotriebwerk von Audi geben, das deutlich bessere Abgaswerte hat als die jetzigen Porschemotoren für diese Baureihen.