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60 Jahre Porsche: Das Geheimnis meines Erfolges

Als Wendelin Wiedeking im August 1993 den Vorstandsvorsitz der schwäbischen Sportwagenschmiede übernahm, fand er einen ziemlich heruntergewirtschaftetes Unternehmen vor. Heute gilt Porsche als der profitabelste Autobauer der Welt. Und einer der mächtigsten.

Ohne Turbulenzen ist es in der Geschichte von Porsche nur selten zugegangen. Nicht ohne Grund etwa wandelten 1972 die beiden Kinder des Firmengründers Ferdinand Porsche, Ferry Porsche und Louise Piëch, die damalige KG in eine Aktiengesellschaft um und entschieden, dass künftig keine Mitglieder der fruchtbaren Familie in dem Unternehmen operativ tätig sein dürfen - das Kompetenzgerangel der zahlreichen Porsche-Nachfahren im Management sorgte für reichlich Reibungsverluste. Bis in die 80er Jahre hinein kam Porsche mit zwar kleinen aber feinen Stückzahlen gut über die Runden. Doch dann ging es stetig bergab. In den zwölf Jahren bis 1993 verschliss das Unternehmen vier Vorstandschefs. Im Geschäftsjahr 1991/92 liefen gerade mal noch 23.000 Porsche vom Band. Und im Jahr darauf stand ein Verlust von umgerechnet knapp 120 Millionen Euro in den Büchern.

Dann kam Wiedeking. Der Westfale krempelte das schwäbische Unternehmen komplett um. Binnen 13 Jahren verdreiundachzigfachte sich unter ihm der Wert des Unternehmens auf heute gut 25 Milliarden Euro. Seit 1994/95 schreibt Porsche ununterbrochen schwarze Zahlen. Und im Geschäftsjahr 2006/2007 hat das Unternehmen mit seinen Geld- und Anlagegeschäften im Stile einer Investmentbank mehr verdient, als mit dem Bau von jährlich rund 100.000 Autos - der sorgt nur noch für ein Drittel des Gewinnes. Zwei Drittel stammen aus einer Neubewertung der VW-Aktien und aus Optionsgeschäften. Heute ist Porsche laut der Studie Imageprofile 2008 bei den deutschen Führungskräften das angesehenste Unternehmen - zum fünften Mal in Folge und vor Firmen wie Google, Coca-Cola oder Lufthansa. All das kommt nicht von ungefähr. Und ist nicht nur das alleinige Verdienst von Porsche-Chef Wiedeking. Dahinter steckt Teamwork und eine eingeschworene Gemeinschaft. "Wenn die Menschen nicht miteinander können, da wird da nichts draus", hat Wiedeking erkannt.

Ruppig, direkt, erfolgreich

Kein Wunder, sind die Identifikation mit der eigenen Firma und der Motivationsgrad bei Porsche doch außergewöhnlich hoch. Dazu verhelfen nicht nur erstklassige Bedingungen an jedem Arbeitsplatz, sondern auch Anerkennungen, die sich nicht nur in warmen Worten und billigen Armbanduhren zum Betriebsjubiläum ausdrücken. Porsche-Mitarbeiter - vom Ingenieur bis zum Pförtner - erhalten 13,7 Monatsgehälter. Und jedes Jahr eine satte Gewinnbeteiligung - zuletzt 5.200 Euro. Das verbindet. Der Chef selbst sorgt für den nötigen Turbo-Drive. Kaum im Amt, marschierte er mit einer Truppe eigens angeheuerter Produktionsexperten aus Japan durch die Zuffenhausener Fertigungshallen und flexte eigenhändig Lagerregale zusammen, um die Bedeutung von Kaizen und schlanker Fertigung drastisch zu verdeutlichen. Die Belegschaft wurde um 20 Prozent abgebaut. Einer wie Wiedeking läuft ständig unter Vollgas. Und aus denen, die dieses Tempo mithalten konnten, ist schnell eine eingeschworene Truppe geworden. Der Rest ist weg. Wiedekings Personalführung ist ruppig und direkt - aber offensichtlich erfolgreich. Und die 11.700 Porsche-Mitarbeiter kommen damit genauso offensichtlich klar.

Denn sie wissen: Wiedeking hat viele Stärken. Eine davon ist seine persönliche Unabhängigkeit. Er muss nicht. Er will. Bei seinem Einstieg in der Sportwagenfirma hat er eigenes Geld investiert. Und von dem, was er als bestbezahlter Manager der Republik bisher bei Porsche verdient hat, könnte er sich längst lässig in den vorgezogenen Ruhestand verabschieden. Ganz nebenher besitzt er auch noch eine eigene und - natürlich - erfolgreiche Immobilienfirma. Er kann also ganz souverän damit umgehen, dass das Verhältnis zu seinem Großaktionär Ferdinand Piëch als eher unterkühlt gilt - freundlich ausgedrückt. Zudem hält ihm ein anderer Porsche-Enkel den Rücken frei: Wolfgang Porsche, Aufsichtratsvorsitzender der Porsche-Holding, Kaufmann und eher ein stiller Macher im Hintergrund. Die Porsches verfügen über knapp 62 Prozent der Stammaktien, der Piëch-Clan mit rund 38 Prozent über die Minderheit. In Zuffenhausen hat Porsche sein Büro nur ein paar Meter neben dem von Wiedeking.

Drängler wird von Polizei überrascht.

Clan mit beiden Unternehmen tief verwoben

Was beide auch mental verbindet: Sie sind mehr kühle Rechner als begeisterter Technikfreaks. Ein Auto wie den Bugatti mit 1001 PS, von Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch als eine Art teures Hobby angeschoben, wäre bei Wiedeking ebenso wenig passiert wie ein Phaeton. Ein Auto muss Geld verdienen. Und das tun die Porsche-Modelle: Mit jedem Fahrzeug macht Porsche heute laut B&B-Forecast im Schnitt fast 22.000 Euro Gewinn vor Steuern, neun Mal so viel wie BMW. Was Porsche nicht zuletzt so groß gemacht hat, ist eine geschickte Seilschaft mit VW. Dass die Wolfsburger und die Zuffenhausener auch ohne Aktienverflechtung eng miteinander verbandelt sind, liegt in der Geschichte der Familie Porsche begründet. Der Clan ist mit beiden Unternehmen tief verwoben - und schiebt sich in beiden Unternehmen zum eigenen Vorteil seit Jahrzehnten die Karten zu. Nach dem Krieg handelte Käfer-Konstrukteur Ferry Porsche mit VW eine Lizenzgebühr von fünf Mark je produziertem Käfer aus - und die Erlaubnis, auf der Basis von VW-Teilen Sportwagen zu montieren.

Der Deal funktioniert noch immer - zu beiderseitigem Vorteil. Beispiel Cayenne, bislang ein Goldesel für Porsche. Unter VW-Chef Piëch wurde das Projekt Touareg angestoßen. Porsche wurde Entwicklungspartner. Und kam so relativ preiswert an einen eigenen SUV. Gebaut wird die Rohkarosse bei VW in Bratislava, endmontiert in Leipzig - das rettet das Markenzeichen "Made in Germany". Die für Porsche geschickte Lastenverteilung senkt die Entwicklungskosten für das kleine Unternehmen deutlich und steigert die Gewinne. An jedem Cayenne Turbo S, heißt es, verdient Porsche bis zu 50.000 Euro. Die Kooperation ist denn auch längst Alltag - wieder bei der Entwicklung des viertürigen Coupés Panamera.

Geld ist Macht. Und Einfluss

In Uwe Hück, dem zweifachen Europameister im Thaiboxen und Betriebsrats-Chef von Porsche, hat Wiedeking einen kongenialen Widerpart gefunden. Dem kahlgeschorenen Hünen und - natürlich - Porschefahrer ist klar: Seinen Leuten geht es gut, wenn es Porsche gut geht. Und Wiedeking weiß: Porsche geht es gut, wenn es Hücks Leuten gut geht. Entsprechend sind die Interessenlagen klar abgesteckt, treffen sich aber in einer üppig bemessenen Schnittmenge. Hück ist Persönlichkeit genug, um souverän damit um zu gehen. Und wenn es sein muss, auch mal unkonventionell. Er gehört zu den eifrigsten Verfechtern des VW-Übernahme. Und hat auch keine Scheu, sich mit den in Wolfsburg mächtigen Gewerkschaften anzulegen. Er weiß, dass das Prinzip Porsche zu beiderseitigem Vorteil funktioniert - und hat somit kein Problem, es nach außen zu vertreten.

Finanzvorstand Holger Härter hat dafür gesorgt, dass Porsche solide finanziert ist und in Geld schwimmt. Geld ist Macht. Und Einfluss. 2007 haben die Zuffenhausener 1,5 Milliarden Euro an Steuern in die Staatskassen überwiesen. Solche Summen öffnen Türen. Und nicht von ungefähr läuft eine Frontlinie mitten durch die CDU, wenn es um die Übernahme von VW geht: Der Stuttgarter Ministerpräsident Günther Öttinger steht gegen Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff. Härter muss sich ein wenig vorkommen, wie König Midas: Was er anfasst, wird zu Gold. Selbst der Einkauf bei VW hat Porsche deutlich mehr Geld gebracht als gekostet. 5,8 Milliarden Euro hat Porsche bislang in die Beteiligung investiert - Wert ist das Aktienpaket heute mehr als das Doppelte. Allein an Dividenden kassiert Porsche aus Wolfsburg einen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr.

Jürgen Wolff, press-inform / press-inform

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