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"Neue Unsicherheit": Wie der Brexit auch China trifft

Der Brexit hat globale Dimensionen. Eine weitere Schwächung der Weltwirtschaft oder des wichtigsten chinesischen Handelspartners Europa würde zweifellos auch Chinas Exporte treffen. Großbritanniens Ausstieg trifft nicht nur die EU, sondern auch China.

Der Brexit führt in China zu "neuer Unsicherheit".

Der Brexit führt in China zu "neuer Unsicherheit".

Erst das langsamere Wachstum in China, jetzt auch noch der Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union. War bisher die "neue Normalität" in China das Sorgenkind, fügt der Brexit der schwachen Weltwirtschaft "neue Unsicherheit" hinzu, wie Premier Li Keqiang fürchtet. Sein Plan, auf dem "Sommer Davos" genannten Weltwirtschaftsforum in der chinesischen Metropole Tianjin ein rosiges Bild der zweitgrößten Volkswirtschaft zu zeichnen, wurde vom Ausstieg der Briten aus der EU durchkreuzt.

Eine weitere Schwächung der Weltwirtschaft oder des wichtigsten chinesischen Handelspartners Europa würde zweifellos auch Chinas Exporte treffen. "Made in China" ist ohnehin immer weniger gefragt.

Chinas Wirtschaft wächst langsamer

So funktioniert das alte Wachstumsmodell mit Investitionen und Exporten längst nicht mehr. Ein Dilemma. "Das Wachstum hat sich verlangsamt, die Schulden steigen und die Unternehmensergebnisse haben sich verschlechtert", heißt es nüchtern in einem Bericht, den der Unternehmensberater KcKinsey auf dem jährlichen Treffen vorlegt.

Ohne einen Kurswechsel wachse das Risiko einer "harten Landung", warnen die Berater. Die wachsende Gesamtverschuldung, die je nach Experte zwischen 225 und 300 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, macht die meisten Sorgen. Ein "Stress-Test" von McKinsey ergab, dass 2019 schon 15 Prozent der Kredite faul werden könnten.
Heute will die Regierung nur offiziell 1,7 Prozent einräumen. Dabei wird allein die wachsende Unternehmensverschuldung auf 160 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt. Keine guten Aussichten also.

China habe Wachstumspotenzial

Doch Premier Li Keqiang versucht im voll besetzten Saal des Meijiang Konferenzzentrums, die ausländischen Investoren zu beruhigen. "Unser politischer Werkzeugkasten ist darauf vorbereitet, noch größere Herausforderungen anzupacken", versichert der Premier. Überhaupt gebe es "mehr Hoffnung als Schwierigkeiten". "China ist eine aufstrebende Volkswirtschaft mit großem Wachstumspotenzial", umwirbt er die Investoren, sich - möglichst langfristig - in China zu engagieren.


Aber nicht alle im Publikum sind überzeugt. "Er war nicht sehr überzeugend", sagt anschließend die chinesische Managerin eines großen US-Unternehmens, während Regen auf das Dach des Tagungszentrums prasselt. "Er wiederholt sich, zeichnet alles in schillernden Farben, aber dafür sind solche Treffen wohl da." Auch mahnen Manager wie der Vorsitzende des Aluminium-Konzerns Alcoa und Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld in Diskussionen mehr Offenheit und gerechtere Wettbewerbsbedingungen an, wenn China den nächsten Schritt machen und innovativ werden wolle. "Es muss etwas geschehen."

Die optimistische Einschätzung des Premiers, der nach der leichten Stabilisierung des Wachstums im Frühjahr schon wieder von "Frühling"
sprach, teilen auch nicht alle in der kommunistischen Führung. Im Umfeld von Staats- und Parteichef Xi Jinping, der die Wirtschaftspolitik stärker an sich gezogen hat, wird die Lage mit Blick auf die Überkapazitäten und Schulden viel realistischer eingeschätzt - und noch von "Winter" gesprochen.


Brexit trifft auch China

Mit dem Brexit kann sich das Klima noch verschlechtern. So warnt Professor Huang Yiping von der Peking Universität, der im Komitee der Zentralbank für die Geldpolitik sitzt, vor den politischen Folgen des EU-Ausstiegs der Briten - und dem wachsenden nationalistischen Populismus auch in anderen Ländern. "Wenn der Brexit ein Meilenstein in Richtung einer Umkehr der Globalisierung sein sollte, wäre das sehr schlecht für die Welt und sehr schlecht für China." 

kg / DPA