HOME

Oprahs Abnehmimperium: Weight Watchers hat Probleme – ausgerechnet der Gesundheitstrend ist schuld

Gesund leben ist in, aber Diäten sind out: Oprah Winfreys Abnehmimperium Weight Watchers verliert trotz eines versuchten Imagewandels dramatisch an Wert. Jetzt soll Oprah persönlich es richten.

Oprah Winfey Weight Watchers

Oprah Winfrey ist Großaktionärin und prominentestes Gesicht von Weight Watchers

DPA / Picture Alliance

Kein anderes Unternehmen steht international so für das Thema Abnehmen wie Weight Watchers. Mit seinen Abspeckprogrammen und Diätprodukten ist der 1963 gegründete US-Konzern mittlerweile in 30 Ländern vertreten - und setzt jedes Jahr weit über eine Milliarde Dollar um. Seit Talkshow-Legende Oprah Winfrey 2015 als Großaktionärin einstieg, verfügt die Marke zudem über das wohl populärste Werbegesicht der USA. Eigentlich beste Voraussetzungen, um den Großtrend zu mehr Gesundheitsbewusstsein, der die westlichen Gesellschaften erfasst hat, für sich zu nutzen.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Statt vom allgemeinen Gesundheitstrend zu profitieren, scheint Weight Watchers dessen Opfer zu werden. Die Geschäftszahlen, die das Unternehmen am Dienstag vorstellte, waren so schlecht, dass die Aktie des Unternehmens 30 Prozent in die Tiefe rauschte. Binnen eines halben Jahres hat Weight Watchers sogar mehr als 70 Prozent seines Börsenwerts verloren. Das ist dramatisch. Im Sommer 2018 war eine Aktie zeitweise fast 90 Euro wert, heute sind es noch 17 Euro.

Zwar vermeldete der Konzern für das vierte Quartal 2018 einen leicht gestiegenen Umsatz von 330 Millionen Dollar. Die Gewinne brachen aber gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf rund 44 Millionen Dollar ein. Zudem bewerten die Anleger den Ausblick als äußerst mau.

Weight Watchers will Wellnessfeeling

Blamabel sind die Zahlen vor allem, weil sich der Konzern gerade erst mit einer neuen Marketing-Strategie neu zu erfinden versucht hat. Weg vom reinen Abnehm- und Verzichtsgedanken, hin zu einem positiveren Wellnessimage, das gesunde Ernährung und Bewegung in einen wohlfühligen Lifestyle-Kontext einbettet.

Dafür hat man im vergangenen Herbst sogar den Firmennamen geändert: Aus Weight Watchers wurde WW, was einerseits als Abkürzung für Weight Watchers verstanden werden kann, offiziell aber für "Wellness that Works" stehen soll. "Die Rolle, die WW im Leben von Menschen spielen kann, geht über eine Anzeige auf einer Waage hinaus", erklärte Oprah Winfrey im September bei der Vorstellung der neuen Strategie.

Erklärtes Ziel von WW-Chefin Mindy Grossmann, die als gute Freundin Oprahs gilt, ist es, das Angebot breiter aufzustellen. Neben Gewichtsreduzierung soll es auch um "gesunde Ernährung, mehr Bewegung, eine positive Einstellung oder gar alles zusammen" gehen.

Große Konkurrenz auf dem App-Markt

Dafür setzt das Unternehmen auf digitale Kanäle, denn die klassischen Gruppentreffen, mit denen Weight Watchers groß wurde, sind heute nicht mehr wirklich angesagt. Vernetzen sollen sich die Kunden lieber über die Smartphone-App, in der auch Tagebuch über Ernährung und sportliche Aktivitäten geführt werden kann. Das Thema Meditation und Achtsamkeit wird durch eine Kooperation mit dem Anbieter Headspace abgedeckt, dessen Übungen in die App intgeriert sind.

Doch die Anpassung an den Zeitgeist funktioniert offenbar bislang nicht sonderlich gut, wie die aktuellen Zahlen zeigen. Das Hauptproblem dürfte in der starken Konkurrenz liegen: Denn Gesundheits-, Sport-, Ernährungs-, Wellness-  und Achtsamkeitsapps gibt es noch und nöcher. Die einstigen Stärken - ein einfaches Punktesystem und den Communitygedanken - hat Weight Watchers im digitalen Zeitalters längst nicht mehr exklusiv.

Das Ruder herumreißen soll nun die Überfigur persönlich: WW-Chefin Grossmann hat angekündigt, Oprah Winfrey eine zentrale Rolle bei einer kommenden Werbekampagne zukommen zu lassen. Oprah hat zwar erst im vergangenen Jahr einen Teil ihrer Weight-Watchers-Anteile verkauft, hält aber immer noch acht Prozent an der Firma. Und immerhin: Trotz des aktuellen Börsenabsturzes ist Weight Watchers immer noch mehr wert als vor dem Einstieg Oprahs 2015. 

US-Präsident vs. Talkshow-Göttin: Trump pestet gegen Oprah Winfrey - das Netz reagiert prompt
mit Material von DPA