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Wirtschaftsforscher: Weiteres Konjunkturprogramm gefordert

Angesichts der Herausforderungen nach der Krise haben Wirtschaftsforscher ein weiteres Konjunkturprogramm für Deutschland verlangt. Investitionen müssten vor allem in die ökologische Modernisierung und das Bildungssystem fließen, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) am Mittwoch.

Angesichts der Herausforderungen nach der Krise haben Wirtschaftsforscher ein weiteres Konjunkturprogramm für Deutschland verlangt. Investitionen müssten vor allem in die ökologische Modernisierung und das Bildungssystem fließen, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) am Mittwoch. Die deutsche Exportindustrie wird sich nach Experteneinschätzung erst 2014 komplett von den Folgen der Krise erholen.

Die deutsche Wirtschaft brauche über das ganze Jahr 2010 noch "dringend" Unterstützung, erklärte das IMK in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in seinem Jahresausblick. Sonst sei das Risiko groß, dass die konjunkturelle Belebung eine Episode bleibe und Deutschland in eine längere Stagnationsphase abgleite. Die Politik müsse in Infrastruktur und Bildung investieren, sobald die Impulse aus dem Anfang 2009 aufgelegten Konjunkturpaket II abgeklungen seien. "Wir müssen diese Zukunftsfragen ohnehin angehen, und wir unterstützen damit die Konjunktur in einer schwierigen Phase", erklärte IMK-Direktor Gustav Horn.

Die Forscher des IMK prognostizieren ein Wachstum von zwei Prozent für 2010, warnten aber davor, diese Belebung voreilig als endgültige Überwindung der Krise zu interpretieren. Im Verlauf des Jahres werde die wirtschaftliche Dynamik mit Auslaufen der Konjunkturprogramme bereits wieder abnehmen.

Die Exportindustrie in Deutschland, lange Jahre Wachstumsmotor, rechnet laut einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) 2010 mit einem Wachstum der Ausfuhren von vier Prozent. Bei dieser Wachstumsgeschwindigkeit werde das Vorkrisenniveau erst im Jahr 2014 wieder erreicht, erklärte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel. Laut Umfrage dürfte der Rückgang der Exporte 2009 insgesamt rund 18 Prozent betragen. In den letzten Jahren vor der Krise hatte die jährliche Wachstumsrate der deutschen Exporte bei acht Prozent gelegen.

Die Arbeitslosenzahl wird laut IMK-Prognose 2010 auf 3,6 Millionen im Jahresdurchschnitt ansteigen. Auch 2011 dürfte die langsame aber stetige Talfahrt auf dem Arbeitsmarkt noch nicht zu Ende sein, schrieben die Forscher. Sie plädierten in ihrer Prognose für eine Verlängerung der Kurzarbeiterregelung bei Bedarf auch ins kommende Jahr hinein.

Optimistischer zeigte sich der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, der noch in diesem Jahr mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt rechnet. "Die Beschäftigungspläne der Unternehmen liegen zwar noch im negativen Bereich, haben sich aber innerhalb weniger Monate deutlich verbessert", sagte Treier der "Berliner Zeitung". Das mache Hoffnung, dass es schon im zweiten Halbjahr die Kehrtwende am Arbeitsmarkt geben könne. "Dann dürfte der Beschäftigungsaufbau den Stellenabbau wieder ausgleichen."

Treier geht davon aus, dass die Firmen die meisten ihrer Mitarbeiter trotz der Krise in der Hoffnung halten, dass die höheren Auftragseingänge ein fester Trend werden. Zum anderen seien die Firmen dabei, sich in Branchen wie erneuerbare Energien neue Standbeine zu schaffen, um dort von weltweiten Trends zu profitieren. Das gehe aber nur mit einem Stamm von Facharbeitern. "Wenn die Konjunktur auf den Weltmärkten wieder stärker anzieht, dürften die deutschen Firmen mit als erste daran teilhaben", sagte der Volkswirt dem Blatt.

AFP / AFP