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Wirtschaftskrise: US-Rettungsplan reißt Börsen nach unten

Entsetzen an den Börsen: Nachdem der US-Finanzminister Timothy Geithner seine Pläne zur Rettung der Finanzmärkte bekanntgegeben hatte, sind die Aktienkurse abgestürzt. Geithner ruderte zurück und sagte, an den Plänen müsse noch gefeilt werden.

Die Anleger haben enttäuscht auf den Generalplan der US-Regierung zur Stabilisierung der Finanzmärkte reagiert - die Börsen stürzten nach der Bekanntgabe der Pläne ab. In New York brach der Dow-Jones-Index am Dienstag um 4,6 Prozent auf 7.888,88 Punkte ein. Der Standard & Poor's 500 Index büßte 4,9 Prozent ein, das war der größte Tagesverlust seit der Amtsübernahme von US-Präsident Barack Obama am 20. Januar. Auch in Asien ging es an den Aktienmärkten am Mittwoch zunächst bergab. In Hongkong verlor der Hang-Seng-Index 3,2 Prozent, moderater fielen die Abschläge in Südkorea und Indien mit einem halben Prozent beziehungsweise 1,2 Prozent aus. Marktteilnehmer vermissten in den Plänen, die Banken von faulen Krediten befreien, die private Kreditvergabe ankurbeln und Geldinstituten weitere Kapitalspritzen verschaffen sollen, konkrete Details und sprachen von Verunsicherung.

Finanzminister Timothy Geithner räumte kurz nach der Bekanntgabe des Programms ein, dass er bisher lediglich eine "breit angelegte Architektur" vorgestellt habe. Es seien viele weitere Wochen nötig, um die Einzelheiten auszuarbeiten und die exakten Kosten einzuschätzen.

"Bad Bank" geplant

Eines der Kernelemente des von Geithner vorgestellten Programms ist ein durch Staatsgelder und private Investoren finanzierter Fonds, der wie eine "Bad Bank" Geldinstitute von faulen Krediten und Ramschpapieren entlasten soll. Zu Beginn soll er einen Umfang von 500 Milliarden Dollar (385 Milliarden Euro) und am Ende ein Volumen von bis zu einer Billion Dollar haben.

Daneben ist Geithners Worten zufolge geplant, ein Programm der US-Notenbank zur Ankurbelung des Kreditflusses an Verbraucher und Kleinunternehmen von derzeit 200 Milliarden Dollar auf bis zu eine Billion auszuweiten. Geithner kündigte auch die Bereitschaft zu neuen Kapitalspritzen für notleidende Banken an, allerdings zu schärferen Bedingungen. Ferner soll es bisher nicht näher bezeichnete Hilfen für von Zwangsversteigerungen bedrohte Hausbesitzer geben.

Dean Baker vom Center for Economic and Policy Research in Washington sagte, die Märkte hätten von US-Finanzminister Timothy Geithner Konkreteres erwartet. "Er hat keinen vollständig ausgearbeiteten Plan", kritisierte Baker. Der Analyst Garry Evans von HSBC in Hongkong sagte: "Die Leute sind nicht davon überzeugt, dass es dieser Plan ist, der jetzt gebraucht wird." Die Regierung drücke sich um die Erkenntnis herum, dass die Banken für eine gewisse Zeit verstaatlicht werden müssten.

Neuer Streit über Konjunkturpaket

Unterdessen hat im Kongress ein neues heftiges Tauziehen um das Konjunkturpaket von US-Präsident Barack Obama begonnen - obwohl der US-Senat das Milliardenpaket bereits verabschiedet hat. Drei Republikaner, die mit ihren Stimmen die Billigung des Programms im Senat ermöglicht hatten, wollen es nicht mehr unterstützen, sollte es von den Demokraten bei den laufenden Beratungen im Vermittlungsausschuss aufgestockt werden.

Der Senatsentwurf mit einem Volumen von 838 Milliarden Dollar (655 Milliarden Euro) muss mit einer abweichenden Version des Abgeordnetenhauses in Einklang gebracht werden. Obama dringt dabei auf Eile: Angesichts des dramatischen Abwärtsspirale der US-Wirtschaft will er sein Konjunkturprogramm möglichst Anfang kommender Woche in Kraft setzen.

Im 100-köpfigen Senat hatte es am Dienstag 61 Stimmen für den Konjunkturplan gegeben, alle 58 Demokraten votierten dafür. Um die gemäßigten Konservativen auf ihre Seite zu ziehen, hatten sie sich bereiterklärt, eine ursprüngliche Vorlage um rund 100 Milliarden Dollar abzuspecken. Gestrichen wurde vor allem im Bildungsbereich. Zudem setzten die Konservativen auch einen höheren Anteil an Steuererleichterungen durch als im ursprünglichen Entwurf und in der Vorlage des Abgeordnetenhauses vorgesehen. Der Parlamentsentwurf hat einen Umfang von 819 Milliarden Dollar.

Insbesondere über die Kürzungen dürfte es bei den Verhandlungen im Vermittlungsausschuss erbitterte Auseinandersetzungen geben. Eine Rücknahme der im Senat ausgehandelten Streichungen sei "nicht verhandelbar", sagte Senator Ben Nelson, einer der Republikaner, die am Dienstag für das Paket gestimmt hatten.

DPA/AP / AP / DPA