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Zahlungsunfähiger Handelskonzern: Insolvenzverfahren eröffnet, Arcandor-Chef Eick geht

Das Essener Amtsgericht hat das Insolvenzverfahren für große Teile des Arcandor-Konzerns gestartet. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick wird es verschmerzen können: Er verlässt das Unternehmen mit 15 Millionen Euro. Fünf Millionen will er zwar spenden, die Kanzlerin reagiert dennoch erbost.

Das Amtsgericht Essen hat erwartungsgemäß am Dienstag das Insolvenzverfahren für den zahlungsunfähigen Arcandor-Konzern eröffnet. Insgesamt ergingen erste Beschlüsse über 21 Gesellschaften, teilte das Gericht am Dienstag mit. Darunter sind die Holding Arcandor AG sowie die wichtigsten Töchter wie die Karstadt Warenhaus GmbH und die Versandhandelsunternehmen Primondo GmbH und Quelle GmbH.

Vom Insolvenzverfahren unberührt sind die Reisetochter Thomas Cook und die Spezialversender der Primondo-Gruppe. Zum Insolvenzverwalter der wesentlichen Unternehmensteile sei Klaus Hubert Görg bestellt worden, sagte eine Gerichtssprecherin. Görg war bereits vorläufiger Insolvenzverwalter der Arcandor-Gesellschaften.

Konzern wird wohl aufgespalten

Mit der Eröffnung der Insolvenz fällt das Insolvenzgeld weg, das drei Monate lang von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt wurde. Die Gesellschaften müssen sich also selbst finanzieren. Auch rückt damit die Aufspaltung des Konzerns näher. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick war mit seinem Bemühen gescheitert, den Konzern als Ganzes zu erhalten. Görg will nun getrennt für die Warenhaussparte Karstadt und das Versandhandelsgeschäft Primondo rund um Quelle Investoren finden. Auch vom Verkauf des Thomas-Cook-Anteils sollen die Gläubiger profitieren.

Im Vordergrund steht aber zunächst die Finanzierung von Quelle, das zudem vor einem massiven Stellenabbau steht. Für Karstadt führt Görg derzeit Gespräche mit allen Beteiligten, um Sanierungsbeiträge auszuloten, bevor es ein Bieterverfahren geben soll.

Goldener Handschlag für Arcandor-Chef Eick

Für Konzernchef Eick sind ein halbes Jahr nach Amtsantritt die Tage in Essen gezählt. Er verlässt das Unternehmen. Auch andere Vorstände dürften ihren Posten räumen.

Allerdings fällt Eick denkbar weich: Für seine sechs Monate Arbeit im Konzern erhält er das gesamte Gehalt für fünf Jahre, 15 Millionen Euro. Eick erklärte sich mittlerweile bereit, ein Drittel des Geldes zu spenden. Bis zu fünf Millionen Euro sollen demnach Mitarbeitern des Arcandor-Konzerns zugutekommen, um soziale Härten wegen der Insolvenz abzufedern. Das Geld soll zunächst in einen neugegründeten Fonds fließen.

Zuvor hatte Eick in Interviews nur bedingt Verständnis für Empörung über die Summe gezeigt. "Ich komme aus einfachen Verhältnissen und weiß, dass 15 Millionen Euro sehr viel Geld ist - auch für mich", sagte der Manager etwa der "Bild am Sonntag". Dennoch sei die Kritik daran "nicht gerecht".

Merkel zeigt "absolut kein Verständnis"

Ein Arcandor-Sprecher erläuterte am Dienstag, die Summe entspreche etwa dem Gehalt, das Eick als Finanzvorstand der Deutschen Telekom zu erwarten gehabt hätte. Zahlen muss zudem das Bankhaus Sal. Oppenheim und nicht die insolvente Arcandor-Gesellschaft. Arcandor werde damit keinerlei Substanz für Mitarbeiter oder die Einzelgesellschaften entzogen.

Dennoch stößt die Millionenabfindung auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel auf heftige Kritik. "Wenn jemand, der ein insolventes Unternehmen leitet, für sechs Monate Arbeit das gesamte Gehalt für fünf Jahre bekommt, dann habe ich dafür absolut kein Verständnis", sagte die CDU-Chefin dem Bayerischen Rundfunk. "Da muss man überlegen, was man da machen kann." Damit verschärft die CDU-Politikerin vier Wochen vor der Bundestagswahl die Diskussion über Managergehälter.

Reuters/DPA / DPA / Reuters