HOME

Online-Shopping vs. Einzelhandel: Zalandos neuester Streich

Der Klamotten-Händler Zalando kann sich über einen Umsatzschub freuen - auch wenn der Gewinn auf der Strecke bleibt. Für Zalando kein Problem, denn das Unternehmen aus dem Rocket-Imperium ist heimlich, still und leise in den Einzelhandelsmarkt eingestiegen.

Zalando: Neue Strategie im Einzelhandel?

Zalando: Neue Strategie im Einzelhandel?

Wachsen, wachsen, wachsen - so könnte man knapp die Strategie des Online-Klamottenhändlers zusammenfassen. Jahrelang setzte das Unternehmen auf Umsatzwachstum, um schnell groß zu werden und so zu einer Marktmacht zu werden. Der Plan ging auf, das Unternehmen steigerte seinen Umsatz 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 3,64 Milliarden Euro. In diesem Jahr steuert Zalando ein Plus von bis zu 25 Prozent an. Nur: Der Gewinn wuchs nicht mit dem Umsatz mit. Der Nettogewinn lag bei 120,5 Millionen, eine Million weniger als 2015.
Die Zalando-Verantwortlichen scheint das wenig zu stören. Man wolle an der Strategie festhalten, so Co-Vorstandschef Rubin Ritter in Berlin. Die Bremse ziehen ist für Zalando auch kaum möglich, denn neben den bekannten Wettbewerbern wie Otto oder auch H&M im Netz, drängt Amazon auf den Mode-Markt. Der Onlineriese setzt zunehmend auf den Klamottenhandel. Hier will Zalando dem US-Unternehmen die Stirn bieten.

Zalando: Viel Wachstum, wenig Gewinn

Doch dieser Kurs fordert Opfer: Das schnelle Wachstumstempo drückt auf die Gewinnmarge. Sie lag 2016 bei 5,9 Prozent - bezogen auf den Anteil des bereinigten operativen Ergebnisses (Ebit) vom Umsatz. Dieses Ebit verdoppelte sich auf 216,3 Millionen Euro. Für 2017 erwartet Zalando eine Marge von 5 bis 6 Prozent.


Doch Zalando könnte einen Vorteil ausspielen, der noch verwehrt ist. Das Unternehmen aus dem Rocket-Imperium hatte das Unternehmen Kickz übernommen. Den Einzelhändler mit dem Schwerpunkt auf Basketball muss man nicht kennen. Doch das Geschäftsmodell von Kickz könnte wegweisend für Zalando werden, denn die Firma ist ein Multichannel-Einzelhändler. Das bedeutet, dass Kickz zwar Ladengeschäfte betreibt, aber auch einen Online-Shop hat, in dem das Unternehmen Streetwear verkauft. Offiziell wolle Zalando mit dem Kauf das Sport- und Lifestyle-Segment stärken. Doch es steckt mehr dahinter.

Zalando wagt sich in die Innenstädte 

Der Kauf bietet Zalando ein bislang neues Geschäftsfeld. Der Klamottenhändler hatte sich bislang auf das Internet konzentriert. Lediglich drei Outlets betreibt Zalando bisher. Nun wagt sich der Klamottenshop in die Innenstädte. Kickz unterhält elf Filialen, beispielsweise in Hamburg, Berlin und München. Bis Mitte des Jahres soll der Deal abgeschlossen sein.
"Wir verschaffen unseren Kunden damit den Zugang zu einer authentischen Basketballwelt, die Zalando selber so nie schaffen könnte", sagt Zalando-Gründer und Vorstand David Schneider der "Süddeutschen Zeitung". "Genau das ist das Ziel beim Aufbau unserer Plattform: Wir wollen ein einzigartiges Einkaufserlebnis für unsere Kunden schaffen."


Experten fuchteln weniger mit solchen Marketingformulierungen herum. Sie sehen in der Übernahme vor allem den Markteintritt Zalandos dank des bestehenden Kickz-Filialnetzes. Da zwingt sich die Frage auf: Kommen nun eigene Zalando-Läden? "Zalando könnte sie für schnellere Zustellungen nutzen oder um Retouren entgegenzunehmen. Darin könnten auch persönliche Beratungsgespräche oder lokale Events stattfinden", so David Schneider zur "Süddeutschen Zeitung". Zalando wolle nicht neue Offline-Konzepte entwickeln, sondern bestehene Offline-Konzepte nutzen.

Zalando, Amazon und Co.: Welten wachsen zusammen

Bei Zalando glaubt man an die Plattform-Idee. Schon im vergangenen Jahr startete das Online-Modehaus mit einem Kooperationsprojekt. Kleinere Einzelhändler können über Zalando Mode, Schuhe und Accessoires verkaufen. Das Prinzip ist nicht neu. Amazon verdient an dem Marktplatzmodell bei jedem Verkauf über diese Plattform mit - und kann Kunden darüber hinaus ein deutlich größeres Warenangebot anbieten.


Die Entwicklungen zeigen: Nur Online oder nur offline - das reicht so nicht mehr. Die Welten wachsen zusammen, da sind sich Experten sicher. "Wir werden in den nächsten fünf Jahren sehen, dass der Online-Handel massiv in den stationären Bereich expandiert und eigene Geschäfte eröffnet", sagte auch Martin Schulte, Branchenexperte der Beratungsfirma Oliver Wyman, zur "Welt". "Da kommt eine richtige Welle auf uns zu."

Riesig, futuristisch, ökologisch: Wie Aldi, Lidl, Alnatura und Co. ihre Firmensitze planen
mit Agentur