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Zinssenkung: US-Notenbank zwingt Börsen in die Knie

Die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve, den Leitzins lediglich um 0,25 Prozentpunkte zu senken, hat die Börsen in den USA und in Asien ins Minus gestürzt. Auch der deutsche Leitindex Dax reagiert am Mittwoch mit Kursverlusten.

Die Federal Reserve hat die US-Börsen mit ihrer Zinsentscheidung auf Talfahrt geschickt. Die drei großen Indizes verloren jeweils mehr als zwei Prozent, nachdem die US-Notenbank den Leitzins auf 4,25 von 4,50 Prozent reduziert hatte. Unmittelbar zuvor hatten sie noch leicht im Plus notiert. Während eine Senkung des Leitzinses bereits weithin erwartet worden war, hatten einige Investoren auf einen noch größeren Zinsschritt gehofft.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 2,1 Prozent tiefer bei 13.432 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 13.413 und 13.780 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index sank um 2,5 Prozent auf 1477 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor ebenfalls 2,5 Prozent auf 2652 Punkte.

Auch der Handel in Deutschland startete am Mittwoch mit Minuszeichen. Der DAX verlor 0,65 Prozent auf 7.957,00 Punkte. Der MDAX gab 0,71 Prozent auf 9.967,60 Zähler nach und der TecDAX sackte um 1,59 Prozent auf 980,07 Zähler ab.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index sank um 0,7 Prozent auf 15.932 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 0,6 Prozent auf 1556 Zähler. Auch die Börsen in Südkorea, Taiwan, Hongkong und Singapur zeigten sich mit Abschlägen von bis zu 2,3 Prozent schwächer.

Zinssenkung wegen US-Hypothekenkrise

Mit der dritten Zinssenkung in Folge will die US-Notenbank der von der Immobilienkrise gebeutelten Wirtschaft unter die Arme greifen: Die Senkung des Leitzinses macht Kredite für Unternehmen und Verbraucher günstiger. Auch den Diskontsatz, zu dem sich die Banken direkt bei der Fed mit kurzfristigen Krediten versorgen können, senkte die Notenbank um einen viertel Punkt. „Die heutige Entscheidung sollte zusammen mit den zuvor ergriffenen Maßnahmen helfen, ein moderates Wachstum zu sichern“, begründeten die Währungshüter ihren Schritt. Sie signalisierten zugleich ihre Bereitschaft, der Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen unter die Arme zu greifen.

Der Markt reagierte dennoch enttäuscht. „Die Senkung um 25 Basispunkte war bereits mehr als eingepreist in den Markt“, sagte Tim Biggam vom Online-Broker thinkorswim in Chicago. Viele Händler hätten einen Zinssenkung von 50 Basispunkten erwartet. Zudem habe der Ausblick der Fed weitere Zinssenkungen nicht als sichere Sache präsentiert.

Banken zählen zu den großen Verlierern

Vor allem Bankentitel und die Papiere großer Hersteller rutschten nach Bekanntgabe der Fed-Entscheidung deutlich ab. Beide Branchen profitieren von niedrigeren Zinsen. So zogen die Aktien von Boeing und American Express den Dow nach unten. Boeing-Titel fielen 4,3 Prozent, die Aktien von American Express gaben mehr als fünf Prozent ab. Im S&P-500 gehörten vor allem die Papiere der Bank of America und der Citigroup zu den größten Verlierern. Beide gaben jeweils mehr als vier Prozent nach.

Die Immobilienkrise zieht unterdessen zum Unmut der Börsianer immer weitere Kreise. So kündigte die Hypothekenbank Washington Mutual an, ihre Dividende drastisch zu kürzen und 3000 Mitarbeiter zu entlassen. Die Aktien des Instituts fielen um mehr als zwölf Prozent. Auch vom zweitgrößten US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac kamen Hiobsbotschaften: Instituts-Chef Richard Syron kündigte mögliche Zahlungsausfälle von bis zu zwölf Milliarden Dollar an und warnte, das Schlimmste auf dem Immobilienmarkt stehe erst noch bevor. Die Papiere von Freddie Mac rutschten mehr als zehn Prozent ab, auch die Titel des Rivalen Fannie Mae verloren mehr als sieben Prozent.

Reuters / Reuters