Zwickel, Peters, Düvel, Huber Die Akteure im IG-Metall-Machtkampf


Der nach der Streikniederlage im Osten ausgebrochene Machtskampf in der IG Metall nimmt immer schärfere Formen an. Hier finden Sie Kurzporträts der wichtigsten Figuren des Streits.

Der nach der Streikniederlage im Osten ausgebrochene Machtskampf in der IG Metall nimmt immer schärfere Formen an. Die wichtigsten Figuren des Streits in Kurzporträts:

KLAUS ZWICKEL

Für den derzeitigen IG-Metall-Chef sind die Tage an der Spitze der größten deutschen Industriegewerkschaft gezählt. Der 64-Jährige will im Oktober nach zehn Jahren als Vorsitzender in den Ruhestand treten. Zwickel musste zum Ende seiner Amtszeit mit dem gescheiterten Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland noch eine bittere Niederlage der IG Metall hinnehmen. Der Gewerkschafter wurde in Heilbronn geboren und ist gelernter Werkzeugmacher. 1954 trat er in die IG Metall ein. Franz Steinkühler holte ihn 1986 in die IG-Metall-Zentrale nach Frankfurt. Als Steinkühler 1993 nach dubiosen Aktiengeschäften zurücktreten musste, übernahm Zwickel die Führung.

JÜRGEN PETERS

Zwickels Stellvertreter und designierter Nachfolger war auch schon früher nicht unumstritten. Kritiker halten ihn für einen dogmatischen "Betonkopf", Anhänger loben ihn als Mann mit festen Überzeugungen und Realitätssinn. Nach dem Streikdebakel geriet der 59-Jährige in die Schusslinie der Kritik, will aber dennoch nicht aufgeben. Der gelernte Maschinenschlosser wurde 1988 Bezirksleiter in Niedersachsen. Dort tat er sich mit der Einführung der Vier-Tage-Woche bei VW als innovativer Tarifpolitiker hervor. 1998 setzte sich Peters in einer Kampfabstimmung gegen den Willen Zwickels als Nachfolger von Vizechef Walter Riester durch, und im vergangenen April gegen den baden-württembergischen Bezirkschef Berthold Huber als Nachfolgekandidat für das Spitzenamt.

HASSO DÜVEL

Der IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen hat vor seiner jetzigen Niederlage im Streit um die 35-Stunden-Woche bisher zwei mal erfolgreich Arbeitskämpfe im Osten organisiert. Der erste Ausstand in der ostdeutschen Industrie - 1993 in Sachsen - sorgte damals für einen Popularitätsschub des gelernten Maschinenschlossers. Die Medien des Freistaates feierten den heute 58-Jährigen als den "Sieger von Sachsen". 2002 konnte er sich mit der vollen Übernahme des Südwest-Pilotabschlusses in der Metallindustrie - nach einwöchigem Streik in Berlin/Brandenburg - erneut als Sieger fühlen. Er ist ein Vertrauter von IG-Metall-Vize Jürgen Peters. Seit 1990 ist er im Osten tätig, jetzt als Bezirksleiter für Sachsen sowie Berlin-Brandenburg.

BERTHOLD HUBER

Bei den Metallern im Südwesten gilt der Bezirksleiter als Reformer und Stratege, bei den Arbeitgebern als kluger Kopf und harter, aber verlässlicher Gegner. Der Chef des mächtigen IG-Metall- Bezirks Baden-Württemberg hat sich seine Sporen in mehreren Tarifrunden für die Metall- und Elektroindustrie verdient. Auch der jüngste Pilotabschluss 2002 nach einem Streik geht auf sein Konto. Zudem hat sich der 53-Jährige maßgeblich für das inzwischen erreichte Reformwerk eines gleichen Entgelts für Arbeiter und Angestellte eingesetzt. 1991 hatte ihn die Gewerkschaftsspitze nach Frankfurt geholt, wo er erst dem Vorsitzenden Franz Steinkühler, später dem Zweiten Vorsitzenden Walter Riester zuarbeitete. Ende 1998 löste Huber Gerhard Zambelli als Bezirksleiter in Baden-Württemberg ab, als dieser in Ruhestand ging. Huber gilt als Zwickels Favorit für die Nachfolge. Aus der aktuellen Diskussion hielt er sich heraus. Er erholt sich noch von den Folgen einer schweren Nierenentzündung.


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