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Pharmabranche: Der Markt für Arznei-Importe boomt

Der Markt mit Importarzneimittel in Deutschland boomt. Maßgeblichen Anteil daran hat der Gesetzgeber, der Apotheker verpflichtet, mindestens sieben Prozent vom Fertigarzneimittelumsatz mit Importpräparaten zu erzielen.

Der Markt mit Importarzneimittel in Deutschland boomt. Maßgeblichen Anteil daran hat der Gesetzgeber, der Apotheker verpflichtet, mindestens sieben Prozent vom Fertigarzneimittelumsatz mit Importpräparaten zu erzielen. "Infolge dieser gesetzlichen Umsatzgarantie hat sich der Umsatz mit Re-Importen über die vergangenen Jahre fast verfünffacht, von 275 Millionen Euro 1999 auf über 1,3 Milliarden Euro im Jahre 2002", bilanziert Stefan Kramer, Geschäftsfeldleiter Volkswirtschaftliche Fragen und Analysen beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) in Berlin.

Saarländischer Profiteur

Einer der Profiteure vom Medikamente-Import sitzt im Saarland: Das Unternehmen Kohlpharma in Merzig hat sich nach eigenen Angaben von 1979 bis heute zum Marktführer bei Arzneimittel-Importen in Europa entwickelt. Zu etwa 90 Prozent mit so genannten Parallel-Importen und 10 Prozent Re-Importen bringt Kohlpharma Arznei ins Land - und trägt damit nach Selbsteinschätzung zu einer kostenbewussten Arzneimittel-Versorgung in Deutschland bei: Der Importeur kauft Original-Markenarzneimittel der multinationalen Pharmakonzerne ausschließlich in Mitgliedstaaten der Europäischen Union preisgünstig ein und importiert sie nach Deutschland.

Deutlich günstiger im Preis

Der Pharma-Bundesverband BPI definiert Re-Importe als Rückfuhr von Arzneimitteln, die in Deutschland für den Markt eines anderen EU-Landes hergestellt wurden. Sie werden von dort wieder nach Deutschland re-importiert und günstiger als die für den deutschen Markt produzierten gleichen Medikamente auf den Markt gebracht. Parallelimporte sind im Ausland produzierte und für den dortigen Markt bestimmte Arzneimittel, die nach Deutschland eingeführt werden. In beiden Fällen unterliegt das Arzneimittel einem vereinfachten Zulassungsverfahren und der Re-Importeur ersetzt in der Regel nur die Packungsbeschriftung und Beipackzettel durch deutschsprachige.

Nebeneffekt: Sinkende Gesundheitskosten

Das Konzept zeige Spar-Effekte, versichern die Importeure: "Mit Abgabe von Import-Arzneimittel durch Apotheken oder zuvor bereits ihre Verordnung seitens der Ärzte werden jährlich etwa 200 Millionen Euro Gesundheitskosten eingespart", sagt Jörg Geller, Mitglied der Geschäftsleitung von Kohlpharma. Bei konsequenter Anwendung könne man diesen Wert mehr als verdoppeln. Zu Gunsten von Kohlpharma: Mehr als 1.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr nach vorläufigen Daten rund 700 Millionen Euro Umsatz für das Merziger Unternehmen.

Europäisches Nord-Süd Preisgefälle

"Die internationalen Preisdifferenzen sind vor allem eine Folge von staatlich kontrollierten Arzneimittelpreisen im Ausland", erklärt BPI-Experte Kramer. Die festgesetzten Preise orientierten sich an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der jeweiligen Länder. "In Europa gibt es derzeit ein Preisgefälle zwischen nord- und südeuropäischen Ländern bei manchen, wenngleich auch nicht allen Arzneien."

Mindestabstand stößt auf Kritik

Profitiert haben die Importeure wie Kohlpharma in den vergangenen Jahren durch gezielte Förderung der Re-Importe in Gesetzesreformen. Doch das jüngste Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) stößt in der Importbranche auch auf harsche Kritik, denn seit 2004 gilt ein Mindestabstand zwischen Original und Import von 15 Prozent (bei Arzneimitteln mit Preis bis 100 Euro) oder 15 Euro (bei Arzneimitteln über 100 Euro). Diese Grenze bewertet Kohlpharma als kontraproduktiv: "Durchschnittlich beträgt der Preisabstand 10 Prozent. Viele Importarzneimittel verschwinden so vom Markt, die Angebotsvielfalt wird geringer und die Preise steigen», erläutert Geller. Als Folgewürden die direkten und indirekten Einsparungen im Gesundheitswesen erheblich vermindert.

Torsten Rott / DPA
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