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Traditionsreederei: Rickmers ist insolvent - und Hamburgs einstiger Stolz damit vorerst am Ende

Die Rickmers Group hat einen Insolvenzantrag angekündigt. Einer der wichtigsten Kreditgeber der Charterreederei hat sich zurückgezogen. 

Rickmer Rickmers

Wie ein Zeuge einer besseren Zeit liegt die Rickmer Rickmers in Hamburg an den Landungsbrücken

Der Name Rickmers ist untrennbar mit goldenen Zeiten der Handelsstadt Hamburg verbunden. Als Symbol dafür liegt der prachtvolle Frachtsegler "Rickmer Rickmers" an den Landungsbrücken, ein Wahrzeichen Hamburgs. Das Museumsschiff ist derzeit das einzig glanzvolle, das noch mit dem traditionsreichen Namen verknüpft ist: Die gleichnamige Hamburger Charterreederei Rickmers Group hat nach einigem Hin und Her einen Insolvenzantrag angekündigt. "Der Vorstand der Rickmers Holding AG strebt dabei eine Sanierung in Eigenverwaltung unter Fortsetzung des Geschäfts- und Schiffsbetriebs an", teilte das Unternehmen mit.

Der Grund: Einer der wichtigsten Kreditgeber fällt weg. Der Vorstand der HSH Nordbank habe seine Zustimmung zu einem Papier über die finanzielle Restrukturierung der Gruppe überraschend verweigert. Damit sei die positive Fortführungsprognose entfallen.

Gläubigertreffen fällt aus

Ursprünglich sollten die Gläubiger der Charterreederei an diesem Donnerstag in Hamburg zusammenkommen, um über das Sanierungskonzept für das schwer angeschlagene Unternehmen zu beraten. Dieses ist durch die Weigerung der HSH Nordbank aber in der Form nicht mehr möglich.

Die Zustimmung des Geldinstitus hatte wie üblich unter dem Vorbehalt der Entscheidungsgremien gestanden. In der Gläubigerversammlung solle nunmehr ausschließlich die Wahl eines gemeinsamen Vertreters der Anleihegläubiger beschlossen werden, hieß es in der Mitteilung.

Rickmers geriet durch die Schifffahrtskrise in Bedrängnis

Rickmers war durch die lange und schwere Schifffahrtskrise in Bedrängnis geraten. Das vergangene Geschäftsjahr endete mit einem Verlust von 341 Millionen Euro, die Schulden liegen bei rund 1,5 Milliarden Euro. Dazu zählen auch 275 Millionen Euro, die Anleger der Reederei über eine hochverzinste Anleihe mit einem Coupon von 8,875 Prozent zur Verfügung gestellt haben. Davon werden sie einen Großteil verlieren.

Das Sanierungskonzept hatte vorgesehen, dass die Banken ebenso wie die koreanische Hyundai-Werft und der Alleinaktionär Bertram Rickmers einen Betrag leisten. Bertram Rickmers sollte sich von drei Vierteln seiner Anteile trennen und einen zweistelligen Millionenbetrag aus seinem Vermögen nachschießen. Über eine zwischengeschaltete luxemburgische Holding sollte das Unternehmen erst saniert und dann verkauft werden. Insgesamt hätten sich die verschiedenen Sanierungsbeiträge durch Verzicht, Stundung und Sonstiges nach einer vorläufigen Übersicht auf 706 Millionen Euro belaufen.

Die Aidaprima fährt in den Hamburger Hafen ein.
rös / dpa