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Rohstoffe: Öl bleibt weiterhin teuer

Den Scheich freut's, die Wirtschaftsexperten nicht: Diese warnen vor den negativen Konjunkturfolgen weiterhin kletternder Ölpreise. Doch es trifft auch die Konsumenten: Schon diese Woche könnten die Benzinpreise wieder steigen.

Der Ölpreis klettert immer weiter in die Höhe und ruft damit bei vielen Ökonomen Sorgen vor negativen Folgen für die Konjunkturentwicklung hervor. Ein Barrel (159 Liter) Öl der OPEC-Länder kostete in der vergangenen Woche im Schnitt 32,61 Dollar nach 32,56 Dollar in der Vorwoche, wie die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) in Wien mitteilte. Am Freitag gab der Ölpreis allerdings leicht auf 31,57 Dollar nach.

Probleme für Konjuntkur der Euro-Zone

Sollte der Ölpreis weiter steigen, "wird das ein Problem für die ohnehin nur moderate Erholung in der Euro-Zone und in Deutschland", sagte Andreas Cors vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dem "Handelsblatt". Offenbar leiden viele Unternehmen schon jetzt unter dem hohen Preisniveau. Dies habe "erheblichen Einfluss" auf den Ifo-Geschäftsklimaindex, sagte der Konjunkturexperte des Ifo-Instituts, Gernot Nerb, dem Blatt. Der Index war im März zum zweiten Mal in Folge gesunken. "Die hohen Rohstoffpreise zehren an den Margen der Unternehmen", sagte Nerb.

Fahren Sie weniger, wenn der Benzinpreis steigt?

Zugleich müssen Autofahrer mit weiteren Benzinpreiserhöhungen rechnen. Es sei durchaus möglich, dass es noch in dieser Woche weitere Preiserhöhungen geben werde, sagte Shell-Sprecher Rainer Winzenried. Am Montag kostete Benzin im Bundesschnitt 1,09 Euro, Super 1,11 Euro und Diesel 0,89 Euro. Erst am vergangenen Donnerstag hatte die Konzerne die Preise durchgängig um drei Cent erhöht.

OPEC hat Fördermenge gedrosselt

Offenbar ist das hohe Ölpreisniveau auch auf Spekulationen zurückzuführen, dass es in den USA im Sommer zu Versorgungsengpässen kommen könnte. Denn hier haben die Ölreserven einen historischen Tiefststand erreicht, und die Benzinpreise befinden sich zugleich auf Rekordniveau. Auch die Reduzierung der Förderquote der OPEC dürfte die Preise beeinflussen. Die OPEC hatte Anfang Februar beschlossen, ihre Förderquote in zwei Schritten bis zum 1. April um 2,5 Millionen Barrel am Tag zu senken, was einer Drosselung von rund zehn Prozent entspricht.

Der Aktienfondsmanager Thomas Deser von Union Investment hält eine Drosselung der Fördermengen bei der OPEC-Sitzung am (morgigen) Dienstag allerdings nicht für wahrscheinlich. "Die Ölminister der OPEC scheinen sich derzeit nicht ganz einig, ob die beschlossene Drosselung wirklich schon zum 1. April durchgesetzt werden soll. Deshalb wird man nach einem Kompromiss suchen, um die strikten Vereinbarungen etwas zu lockern, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren", sagte Deser.

Preisanstieg kostet Wachstum

Ohne Zweifel wäre ein niedrigerer Ölpreis besser für die Konjunktur, auch wenn seine Bedeutung für die westlichen Industriestaaten bei weitem nicht mehr so groß sei wie noch vor 20 oder 30 Jahren, als die Wirtschaft noch weitestgehend produktionsorientiert gewesen sei, sagte Deser weiter. "In unserer heutigen Dienstleistungsgesellschaft bringt ein Preisanstieg von 5 Dollar je Barrel rund 0,4 Prozentpunkte weniger Wachstum. Daher wäre es wünschenswert, wenn sich die OPEC stärker an die eigenen Vorgaben hielte, den Ölpreis im der vorgegebenen Preispanne zu halten." Diese liegt bei 22 bis 28 Dollar.

Im Februar betrug der Durchschnittspreis für ein Barrel OPEC-Öl 29,56 Dollar, im Gesamtjahr 2003 lag er im Schnitt bei 28,10 Dollar nach 24,36 Dollar im Jahr 2002. Die OPEC ermittelt den Durchschnittspreis aus sieben verschiedenen Sorten der Mitgliedsländer.

DPA