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Angriff auf chinesische Konkurrenz: Siemens und Alstom fusionieren zum europäischen Eisenbahngiganten

Der deutsche ICE-Hersteller Siemens und der französische Konkurrent Alstom werden fusionieren. Die beiden Konzerne legen ihre Zugsparten zusammen und wollen so "europäischer Champion der Eisenbahnindustrie" werden. Berlin wird zentraler Firmensitz.

Ein Zug der französischen Firma Alstom, die mit Siemens fusionieren wird

Ein Zug der französischen Firma Alstom, die in Zukunft mit Siemens fusionieren will

Die deutsche Aktiengesellschaft und ICE-Hersteller Siemens und sein französischer Konkurrent Alstom wollen ihre Zugsparten zusammenlegen und einen europäischen Eisenbahngiganten schmieden. Ein entsprechender Vertrag über die Absicht der Zusammenlegung wurde am Dienstag unterzeichnet.

Die Allianz sei "eine Fusion unter Gleichen", wie sie am Dienstagabend mitteilten. Die Konzernzentrale und die Geschäftsführung der Bahnsparte sollen im Großraum Paris angesiedelt sein, Berlin soll zentraler Firmensitz der Sparte Mobilitätslösungen werden. Durch die Zusammenlegung zweier wirtschaftsstarker Zugsparten erhofft man sich, auch mit Blick auf die Konkurrenz in China eine europäische Idee in wirtschaftliche Kraft ummünzen zu können.

Fusion von Siemens und Alstom als europäische Idee

Vorstandschef des neuen Unternehmens wird Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge. Er sprach von einem "Schlüsselmoment in der Geschichte von Alstom". Alstom - Hersteller des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV - hatte bereits am Freitag "Diskussionen" mit Siemens über eine "Annäherung" der Zugsparten bestätigt. Siemens setzt mit seiner Bahnsparte jährlich 7,8 Milliarden Euro um, bei Alstom sind es 7,3 Milliarden Euro.
Siemens-Chef Joe Kaeser erklärte: "Dieser deutsch-französische Zusammenschluss unter Gleichen sendet in vielerlei Hinsicht ein starkes Signal. Wir setzen die europäische Idee in die Tat um und schaffen gemeinsam mit unseren Freunden bei Alstom auf lange Sicht einen neuen europäischen Champion der Eisenbahnindustrie."

Der Blick nach China

Der Weltmarkt habe sich in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt, sagte Kaeser mit Blick auf die chinesische Konkurrenz. Der Chef von Siemens Mobility, Jochen Eickholt, soll eine zentrale Rolle in dem zusammengeschlossenen Unternehmen übernehmen, das den Namen Siemens Alstom bekommen soll und in Frankreich an der Börse notiert sein wird. Siemens wird 50 Prozent der Aktien des neuen Unternehmens halten.

Sowohl der Alstom-Verwaltungsrat als auch der Siemens-Aufsichtsrat befürworten die geplante Transaktion einstimmig, wie die beiden Konzerne mitteilten. Die Transaktion vereine "zwei innovative Unternehmen der Bahnindustrie mit einzigartigem Kundenmehrwert", erklärten sie.Das neu formierte Unternehmen wird 62.300 Mitarbeiter in mehr als 60 Ländern zählen, wie Siemens und Alstom weiter mitteilten. Es hat einen Auftragsbestand von 61,2 Milliarden Euro und erzielt einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro. Siemens und Alstom erwarten zudem jährliche Einspareffekte in Höhe von 470 Millionen Euro - spätestens im vierten Jahr nach dem Zusammenschluss.

ICE Zug
fk / AFP
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