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Supermarkt: Bohrmaschinen neben Blumenkohl

Dem Lebensmittelhandel bringen die "Non Food"-Produkte wegen der höheren Preise mehr Gewinn. Stiftung Warentest bemängelt jedoch, dass der Kunde dabei nicht immer günstig wegkommt.

Zwischen den Regalen mit Blumenkohl, Schokolade und Saftkartons locken Computer, Bohrmaschinen und schnurlose Telefone. Längst finden Kunden in deutschen Supermärkten weit mehr als nur Lebensmittel. Mit wechselnden Technik-Schnäppchen und Haushaltswaren von Socken bis zum Bücherregal werben vor allem Discounter wie Aldi, Lidl, Plus und Co. allwöchentlich um kurzentschlossene Käufer in ihren Kassenzonen - das einträgliche Geschäft mit "Non Food" brummt. Doch oft lohnt der Griff zur Aktionsware nicht, hat die Stiftung Warentest herausgefunden. Fachhändler sorgt die Konkurrenz.

Nur gut ein Drittel von rund 60 geprüften Sonderartikeln bekam eine Kaufempfehlung der Verbraucherschützer, wie es in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift 'test' heißt. Jedes vierte Produkt sei indes ein Fehlkauf gewesen - zwar günstig, aber nur von mäßiger Qualität. Auf der Liste der Flops stehen ein lärmender Staubsauger für 99 Euro, ein 111 Euro teurer Gartenhäcksler mit baldigem Totalausfall oder eine Matratze für 169 Euro, aus der Schadstoffe ausdünsteten.

Supermarkt-Computer oft zu komplex

Auch oft mit Auszeichnungen der Fachwelt beworbene Supermarkt-Computer mochte die Stiftung Warentest teils nicht empfehlen. Hochleistungsrechner mit DVD-und Video-Funktionen für 1200 Euro seien technisch in Ordnung, gingen aber über die Bedürfnisse vieler Kunden hinaus. Meist reiche ein Computer für 500 Euro, den ein Fachhändler zusammenstellen könne - Beratung inklusive. Gut schnitten im Test etwa eine Pulsuhr für 19,99 Euro und ein City-Fahrrad für 259 Euro ab. Auch ein 17-Zoll-Monitor aus dem Discount für 399 Euro sei gut. Wie bei anderen Produkten lohne dennoch ein Preisvergleich.

Lebensmittelhandel macht damit seinen Umsatz

Die neben Tiefkühlpizza und Toastbrot verkauften "Non-food"-Waren entsprächen wegen der niedrigen Preise durchaus den Erwartungen der Kunden, heißt es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. "Sie sind eine Erfolgsgeschichte", sagt Sprecher Hubertus Pellengahr. Längst mache der Lebensmittelhandel damit einen großen Teil seines Umsatzes. Dank einer langen Vorlaufzeit beim Bestellen und massenhafter Abnahme würden die Aktionswaren zu günstigen Konditionen eingekauft - die Margen für die Händler seien etwa bei Digitalkameras zudem größer als bei Milch oder Obst.

Schon seit Jahren drängt es vor allem die Discounter mit ihren Millionen Kunden über die Grenzen des reinen Lebensmittelsortiments hinaus - auch Angebote für Reisen oder Massivholzmöbel werden bereits in der Nähe der Einkaufswagen plakatiert. Der Supermarkt sorgt dabei nur für den Werbeeffekt, während die eigentliche Leistung per Telefon oder im Internet erhältlich ist. Etliche Fachhändler sehen dies mit Sorge. Sie sollten noch mehr auf ihre Stärken im Service setzen, empfiehlt der Verband.

Sascha Meyer / DPA