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Tarifstreit: Bei Nullrunde zieht VW-Vorstand mit

Das VW-Management entdeckt den Gleichheitsgrundsatz: Kurz vor Beginn der Tarifverhandlungen hat sich der Vorstand bereit erklärt auf Gehaltssteigerungen zu verzichten - wie schon von der eigenen Belegschaft gefordert.

"Das kann ich bestätigen", bestätigte Konzernsprecher Dirk Große-Leege am Freitag auf Anfrage in Wolfsburg. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor in ihrer Freitagsausgabe unter Berufung auf einen Konzernsprecher berichtet, das Gesamteinkommen der Konzernführung solle für zwei Jahre eingefroren werden, wenn die Beschäftigten der westdeutschen Werke im Gegenzug eine Nullrunde bei Löhnen und Gehältern akzeptierten. Bereits in diesem Jahr wurden die Erfolgsprämien der Vorstände von Europas größtem Autohersteller wegen des rückläufigen Geschäfts um ein Viertel gekürzt, die des Managements um ein Fünftel.

Nullrunde gilt für alle

Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte im Frühjahr angesichts eines miserablen Geschäftsverlaufs bereits erklärt, es müsse klar sein, wenn der Konzern weniger verdiene, dann verdiene auch der Vorstand weniger.

Große-Leege verwies darauf, dass Personalvorstand Peter Hartz im Zusammenhang mit den bevorstehenden Tarifverhandlungen deutlich gemacht habe, dass die von den 103.000 Beschäftigten der westdeutschen VW-Werke geforderte Nullrunde für alle gelten solle, also auch für die Konzernführung. Volkswagen will die Personalkosten in seinen sechs westdeutschen Werken in sechs Jahren um zwei Milliarden Euro senken und leitet mit einem umfangreichen Forderungspaket den Ausstieg aus dem Haustarifvertrag ein. Neu eingestellte Beschäftigte sollen ab 2005 nur noch nach dem Flächentarif arbeiten. Der Haustarif sicherte den rund 103.000 VW-Beschäftigten Einkommensvorteile von bislang elf Prozent im Vergleich zur deutschen Konkurrenz und von 20 Prozent gegenüber der übrigen Metallindustrie.

Volkswagen verschärft Sparkurs

Die IG Metall erklärte dagegen, falls VW bei seinen Forderungen bleibe, werde es eine sehr konfliktträchtige Tarifrunde geben. Die Tarifverhandlungen beginnen am 15. September. In Deutschland beschäftigt der Konzern insgesamt 176.000 Menschen.

Wegen der schwachen Autokonjunktur und des Gewinnrückgangs im ersten Halbjahr hat Volkswagen unlängst seine Gewinnprognose für 2004 drastisch gesenkt. Statt der ursprünglich angepeilten 2,5 Milliarden Euro rechnet der Konzern nur noch mit einem operativen Gewinn vor Sondereinflüssen von 1,9 Milliarden Euro. Mit dem bereits laufenden Sparprogramm "ForMotion" zur Straffung der Strukturen will der Konzern in diesem Jahr mehr als eine Milliarde, im nächsten Jahr gut drei Milliarden Euro einsparen.

DPA, Reuters / DPA / Reuters