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Gesundheitsfonds: Auf die Leistung kommt es an

Mit dem Gesundheitsfonds kommt auch der einheitliche Beitragssatz für die gesetzlichen Krankenkassen. Doch wie soll man sich jetzt verhalten? Lohnt ein Wechsel der Krankenkasse? Sollte man sich für eine Private entscheiden? Experten raten, sich das sehr genau zu überlegen.

Einer für alle: Die 51 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen zahlen ab 2009 erstmals überall den gleichen Beitragssatz. Den Anreiz, wegen ein paar hundert Euro weniger im Jahr den Anbieter zu wechseln, gibt es vorerst nicht mehr. Was künftig ins Gewicht fällt, sind die Leistungen der gut 200 Krankenkassen. Obwohl das Angebot zu fast 98 Prozent identisch ist, unterscheiden sich Service und Zusatzleistungen oft eben doch.

Der Wechsel hat keine Eile

Was sollten Versicherte jetzt tun? In erster Linie abwarten, was die veränderte Ausgangslage im neuen Jahr bringt, sind sich Verbraucherschützer einig. Von einem hektischen Anbieter- oder Tarifwechsel wird abgeraten. "Niemand verpasst Fristen, eine Kündigung zum nächstmöglichen Termin bringt keine Ersparnis mehr", betont Daniela Hubloher, Ärztin bei der Verbraucherzentrale Hessen. Frühestens 2009 sei absehbar, welche Krankenversicherung ihre Mitglieder mit Zusatzbeiträgen vielleicht noch stärker zu Kasse bitte und welche Geld zurückzahle. Dann könnten die Beitragskosten doch wieder Anlass sein, über einen Wechsel nachzudenken.

Auch der komplette Ausstieg aus dem gesetzlichen System sollte gut überlegt sein, mahnt Lilo Blunck vom Bund der Versicherten (BdV) zur Vorsicht. Die privaten Krankenversicherer werben derzeit massiv mit Sparchancen. "Das ist eine Entscheidung fürs Leben", gibt auch Hubloher zu bedenken. Der Sonderstatus mit Vorteilen für Privatpatienten sei auf lange Sicht oft teuer erkauft. Auch im privaten System sei nächstes Jahr mit deutlichen Beitragssteigerungen zu rechnen.

Geld sparen durch Wahltarife

Kassenpatienten stehen künftig nur dann Sparmöglichkeiten offen, wenn sie sich auf einen der Wahltarife ihres Versicherers festlegen. Viele Kassen haben freiwillige Angebote mit Selbstbehalt oder Beitragsrückerstattung aufgelegt. Dabei müssten die Versicherten aber quasi auf die eigene Gesundheit spekulieren, moniert Hubloher. Es gehe um folgende Gretchenfrage: Bleibe ich so gesund, dass ich nur wenig, bestenfalls gar nicht zum Arzt muss und bis zu 600 Euro im Jahr spare - oder nicht? Jüngere und Gesunde hätten durchaus eine Sparchance, Ältere und Kranke weniger.

Zusätzlicher Haken: Wer in einen Wahltarif wechselt, muss sich in der Regel drei Jahre lang an die Kasse binden. "Das wäre derzeit nicht so schlau, da verbaut man sich womöglich künftige Chancen", sagt Gisela Rohmann von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Sparchancen für chronisch Kranke wie Diabetiker oder Asthmatiker bieten sich durch die sogenannten strukturierten Behandlungsprogramme vieler Kassen, auch Disease-Management-Programme (DMP) genannt. Wer sich für einen solchen Wahltarif entscheidet, wird teilweise oder ganz von der Praxisgebühr und oft auch von Zuzahlungen befreit. Aber auch hier gilt: Wer teilnimmt, bindet sich an die Kasse. Weiteres Sparpotenzial halten Kassen durch Bonusprogramme für gesundheitsbewusstes Verhalten bereit. Da gibt es Prämien für regelmäßigen Sport, Zahnarztbesuche, Raucherentwöhnung oder eine Kostenerstattung für Yoga- und Meditationskurse. Wer sich um seine Gesundheit kümmert, wird also belohnt.

Auch die Private wird teurer

Wer mit seiner Kasse unzufrieden ist und wechseln will, müsse in naher Zukunft auf solche Mehrleistungen und Sondertarife achten, betont Rohmann. Ausschlaggebend für die Kassenwahl dürften bald auch Kriterien wie die Erreichbarkeit des Versicherers sein. Arbeitnehmer mit einem Brutto-Jahreseinkommen von derzeit mehr als 48.150 Euro in drei aufeinander folgenden Kalenderjahren sowie Selbstständige und Beamte (einkommensunabhängig) können grundsätzlich den Gesetzlichen den Rücken kehren. Wer sich im Moment aus Kostengründen zum Wechsel in die Private entschließt, muss aber mit zunehmendem Alter ebenfalls mit weiteren Verteuerungen rechnen, gibt Hubloher zu bedenken.

Anders als in der Kasse bemisst sich die Prämie nämlich nicht am Einkommen, sondern nach der gewählten Absicherung, Alter und Gesundheit. Partner und Kinder sind nicht beitragsfrei mitversichert wie in der gesetzlichen Schiene. Vor- und Nachteile müssten genau abgewogen werden, betont Blunck. Eine Rückkehr ins gesetzliche System ist nur schwer möglich.

AP / AP