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Hohe Bilanz für Hannover Rück: Neue Bestmarken trotz Katastrophenjahr

Von der Ölpest im Golf von Mexiko bis zum Hochwasser in Queensland: Das Jahr 2010 war gezeichnet von vielen Katastrophen. Rückversicherer, die für Kunden aus den Erstversicherungen den Kopf hinhalten, müssen für Großschäden aufkommen. Der Branchendritte Hannover Rück verzeichnet dennoch eine Rekordbilanz.

Erst das Erdbeben in Haiti, dann der Wintersturm "Xynthia", schließlich folgte die Öl-Pest im Golf von Mexiko: Viele Katastrophen ereigneten sich im vergangenen Jahr, auch die Hannover Rück musste oft mit Millionen in die Bresche springen. Weder Großunglücke noch Wetterextreme konnten jedoch dem weltweit drittgrößten Rückversicherer die Bilanz verhageln. Im Gegenteil: 749 Millionen Euro Rekorüberschuss konten sie verzeichnen. Damit übertraf der Konzern seine bisherige Bestmarke aus dem Vorjahr. Damals hatte er rund 734 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Prämieneinnahmen legten um elf Prozent auf 11,43 Milliarden Euro zu.

"Es ist insgesamt ein gutes Jahr gewesen", sagte Vorstandschef Ulrich Wallin am Mittwoch bei der Vorstellung der Geschäftszahlen. Die Hannoveraner haben eine turbulente Zeit hinter sich - trotzdem verdienten sie so viel wie nie. Vor Zinsen und Steuern verbuchte der Konzern 1,17 Milliarden Euro, noch einmal rund 30 Millionen mehr als 2009. Ob diese Erträge gehalten werden können, gilt aber als unsicher. "Das Wachstum wird sich in diesem Jahr wohl etwas abschwächen", schätzte Wallin.

Das "Katastrophenjahr" 2010 nahm mit den massiven Überschwemmungen im australischen Bundesstaat Queensland für Hunderttausende Menschen einen traurigen Ausklang. Die Hannover Rück veranschlagte die Schäden in der besonders schwer gebeutelten Millionenstadt Brisbane im Januar mit 40 bis 100 Millionen Euro. Auch die erneut bebende Erde rund um die neuseeländische Stadt Christchurch mit bis zu 250 Toten dürfte das Unternehmen 2011 noch stark beschäftigten. Möglicherweise wird allein hierfür ein dreistelliger Millionenbetrag fällig, glaubt die Führungsriege.

Das Erdbeben in Chile erschütterte die Planungen der Erstversicherer, die ihre Verträge über Rückversicherungskonzerne absichern, besonders. Fast 182 Millionen Euro musste die Hannover Rück hier netto begleichen. "Das wickelt sich aber schnell ab", versprach Wallin. Die Reserven zur Abdeckung des riesigen Schadens seien wegen der gut gefüllten Kasse ausreichend.

Neuseelands launische Naturgewalten stellen den Konzern vor größere Herausforderungen. "Die Situation war äußerst angespannt." Schon im September hatte die Erde gebebt - und der Hannover Rück den zweitgrößten Schadenposten von fast 114 Millionen Euro eingebrockt.

Die Ölkatastrophe von Mexiko hingegen verlief recht gimpflich für die Hannoveraner. Die Explosion der Plattform "Deep Water Horizon" und die anschließende Ölpest schlugen mit 85 Millionen Euro zu Buche, wegen "komplizierter Rechtsfragen" könne sich die Abwicklung verzögern. Politische Unruhen kamen die Rückversicherung ebenfalls teuer zu stehen: Die Kämpfe zwischen den "Rothemden" und der Regierung in Thailand kosteten sie im Frühjahr 10 Millionen Euro.

Die 662 Millionen Euro Gesamtlast seien "deutlich oberhalb unserer Erwartung", berichtete Wallin. Eine ähnliche Dimension hatte sie im Jahr der Terroranschläge auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington 2001 erreicht (665 Millionen Euro).

Falls sich die komplexen Risiko-Kalkulationen bestätigen, peilt das Unternehmen in diesem Jahr einen Überschuss von 650 Millionen Euro an. Auch die Konkurrenz von der Munich Re in München und der Schweizer Swiss Re stellt sich auf wachsende Ausgaben ein.

Einen Teil des Erfolgs verdanken die Hannoveraner allerdings auch juristischer Fürsprache: Ein Urteil des Bundesfinanzhofs bewahrte sie davor, Kapitaleinkünfte einer irischen Tochter nicht in Deutschland versteuern zu müssen. Und die Trennung von der US-Tochter Clarendon - einem ehemaligen Sorgenkind des Konzerns - gelang nur mit einem Verlust von mehr als 69 Millionen Euro. Wallin nahm da kein Blatt vor den Mund: "Wir sind froh, dass wir die nicht mehr haben."

Jan-Hinrik Petermann, DPA / DPA