SERVICE Unabhängige Versicherungsberater klären auf


Vertreter leben von Provisionen, die sie für neue Verträge von Versicherungn bekommen - da bleibt gute Beratung oft auf der Strecke. Bei Beratern ist es anders.

Fast 260 Milliarden Mark gaben Bürger und Unternehmen im letzten Jahr für Versicherungen aus. Trotz dieser Summen gibt es im Schadensfall oft lange Gesichter. Millionen Deutsche sind nach Einschätzung des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes falsch oder zu teuer versichert. Hier helfen unabhängige Versicherungsberater.

Fehler im System

Dem Versicherungsdilemma liegt ein »Fehler im System« zu Grunde, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Versicherungsvertreter lebten meist von Provisionen, die ihnen die Versicherungen für neue Kunden zahlen. Oft stehe daher nicht die Beratung im Vordergrund, sondern der Vertragsabschluss. Die Interessen der Versicherten blieben dabei oft auf der Strecke.

Lotsen durch das Chaos

Die Versicherungsberater verstehen sich dagegen als Lotsen durch den Tarifdschungel. Als wichtigsten Punkt nennt der Bundesverband der Versicherungsberater (BVVB) in Köln die Unabhängigkeit seiner Mitglieder: Versicherungsberater verkaufen nichts und erhalten keine Provisionen. Statt dessen suchen sie gegen Honorar nach dem jeweils günstigen Versicherer oder überprüfen den Versicherungsschutz.

Das Netz ist dünn

So wie Anwälte nach dem Streitwert eines Prozesses bezahlt werden, erhalten Versicherungsberater ihr Geld nach dem Gegenstandswert der Versicherung. »Privatleute können sich so zum Beispiel schon ab 50 Mark über eine für sie günstige Kfz-Versicherung informieren«, sagt der Versicherungsberater Joachim Murmann, der Büros in Hamburg sowie Ostdeutschland unterhält. Das Beratungsnetz ist jedoch dünn. Karl Eberhardt, der in Münsingen (Baden-Württemberg) als Berater arbeitet, schätzt die Zahl seiner Kollegen bundesweit auf etwa 60. Adressen nennt der BVVB im Internet.

Qualifikation ist wichtig

Von Verbraucherschützer Grieble erhalten die Berater gute Noten. Versicherungsverkäufer dagegen sind oft nicht gut qualifiziert, und selbst erfahrene Verkäufer erliegen oft dem Interesse an einer hohen Provision. Ein typisches Beispiel für schlechte Beratung ist für Grieble der Umstand, dass ein Viertel bis ein Drittel aller Haushalte nicht über eine private Haftpflichtversicherung verfügt. Große Defizite gibt es auch bei der Berufsunfähigkeits- und der Unfallversicherung sowie der privaten Altersvorsorge. »Mit einem einstündigen Gespräch auf der Couch sind diese Themen schlicht nicht zu bewältigen. Der einzelner Vertreter ist hier oft überfordert.«

Welcher Tarif ist richtig?

Eine große Schwierigkeit stellt die Tarifvielfalt dar. So gibt es bundesweit allein im Bereich der Privathaftpflicht nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin mehr als 170 Anbieter. Eine Garantie, wirklich alle Anbieter in seine Vergleiche einzubeziehen, kann auch Joachim Murmann nicht geben. »Im Gegensatz zu den Verkäufern schlage ich meinen Kunden aber auch Angebote aus dem EU-Ausland vor. Diese sind oft günstiger als einheimische Versicherungen.« Dass sich Menschen billiger versichern, ist für Murmann aber nicht das einzige Beratungsziel: »In erster Linie geht es um ein optimales Verhältnis von Leistung und Preis.«

Versicherungsberater sind haftbar

Wie Rechtsanwälte oder Steuerberater sind Versicherungsberater für alle ihre Auskünfte haftbar. Wer nachweislich falsch beraten wird, kann Schadenersatz fordern. Als Faustregel gibt Peter Grieble mit auf den Weg, was für alle Beratungsgespräche gelten sollte: »Alles, was gesagt wurde, protokollieren und vom Berater gegenzeichnen lassen.«

Informationen

Bundesverband der Versicherungsberater

Hohenstaufenring 17

50674 Köln

Tel.: 0180/525 75 89 für 0,24 Mark pro Minute

Fax: 0221/921 17 37

E-Mail: Info@bvvb.de


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