HOME

Überblick: Was Patienten jetzt wissen müssen

Wird bei jedem Arztbesuch die Praxisgebühr fällig? Was zahlt die Krankenkasse nicht mehr? Die Gesundheitsreform bringt zahlreiche neue Regelungen. 13 typische Fragen und Antworten - damit Sie sich gut zurechtfinden.

1. Medikamente, Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte - wofür gelten die neuen Zuzahlungsregeln?

Sie gelten für die Versorgung mit Arzneimitteln, Heil- und Hilfsmitteln, Krankenhausaufenthalte, Rehabilitationsmaßnahmen, häusliche Krankenpflege, Haushaltshilfe, Fahrtkosten und Arztbesuche. Also für nahezu alle Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Von der Zuzahlung befreit sind nur noch Kassenmitglieder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Dagegen müssen jetzt auch Sozialhilfeempfänger, Geringverdiener, Studenten und Bezieher von Arbeitslosenhilfe zahlen.

2. Termin beim Spezialisten - muss bei jedem Arztbesuch eine Praxisgebühr bezahlt werden?

Nein, Sie zahlen die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal nur beim ersten Arztbesuch - das kann ein Hausarzt, ein Facharzt oder auch ein Psychotherapeut sein. Die Gebühr entrichten alle gesetzlich Versicherten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Sie können sich dafür auch zu anderen Ärzten überweisen lassen. Wer jedoch ohne Überweisung mehrere Fachärzte aufsucht, zahlt jedes Mal die Gebühr. Beim Zahnarzt wird eine separate Praxisgebühr fällig. Die zehn Euro müssen Sie auch dann zahlen, wenn Sie sich nur ein Rezept ausstellen oder Blut abnehmen lassen. Wer in Notfällen zum Arzt geht oder ärztliche Leistungen telefonisch in Anspruch nimmt, entrichtet künftig ebenfalls eine Praxisgebühr. Die Gebühr kommt im Übrigen nicht dem Arzt, sondern der Krankenversicherung zugute.

3. Krebsvorsorge, Schutzimpfungen - für welche Untersuchungen muss ich nichts zuzahlen?

Für Untersuchungen zur Vorsorge und Früherkennung sowie Schutzimpfungen ist keine Zuzahlung nötig. Das gilt ebenfalls für die jährlichen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt im Rahmen der Bonusregelung.

4. Zahlt meine Kasse weiterhin die vom Arzt verordnete Rückenmassage?

Ja, allerdings müssen Sie für Heilmittel zehn Prozent des jeweiligen Mittels und zehn Euro für jede Verordnung zuzahlen. Wenn Ihnen beispielsweise auf Rezept zehn Massagen verordnet werden, zahlen Sie zehn Euro für diese Verordnung plus zehn Prozent der Kosten pro Massage. Diese Zuzahlungsregel gilt auch für die häusliche Krankenpflege und ist in dem Fall auf 28 Tage pro Kalenderjahr begrenzt.

5. Was ändert sich für mich beim Zahnarztbesuch?

Bis Ende 2004 gilt der Versicherungsschutz in der jetzigen Form, erst ab 2005 müssen Sie hierfür eine entsprechende Zusatzversicherung bei den gesetzlichen Kassen oder den Privatversicherern abschließen. Konkret: Sie zahlen für die Absicherung des Zahnersatzes (Brücken, Kronen und Prothesen) einen eigenen einheitlichen Monatsbeitrag zwischen sechs und neun Euro. Dieser wird automatisch zusammen mit Ihrem Krankenversicherungsbeitrag eingezogen. Mitversicherte Familienangehörige zahlen keinen eigenen Beitrag. Kontrolluntersuchungen oder Zahnbehandlungen wie Füllungen sind von der Zahnersatzversicherung nicht betroffen und bleiben zuzahlungsfrei.

6. Was muss ich bei verschreibungspflichtigen Arzneien dazuzahlen?

Die Höhe der Zuzahlung bei rezeptpflichtigen Medikamenten richtet sich nicht mehr nach der Packungsgröße. Sie müssen künftig bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zehn Prozent des Verkaufspreises selbst tragen. Der Betrag liegt bei mindestens fünf Euro und ist auf höchstens zehn Euro begrenzt. Ein Beispiel: Eine Arznei kostet 75 Euro, Sie beteiligen sich daran mit 7,50 Euro (zehn Prozent des Preises). Kostet ein Medikament 150 Euro, müssen Sie hierfür zehn Euro selbst zahlen. Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind generell von allen Zuzahlungen befreit.

7. Für welche Medikamente zahlt die Kasse nicht mehr?

Rezeptfreie Arzneimittel werden von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr erstattet. Auch Präparate, die der Verbesserung der privaten Lebensführung dienen (beispielsweise Appetithemmer oder Potenzmittel), übernimmt die Kasse nicht mehr.

Von der Regelung für rezeptfreie Arzneimittel sind jedoch Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen ausgenommen. In diesen Fällen erstatten die Kassen auch nicht verschreibungspflichtige Mittel auf Rezept. Ausgenommen sind auch schwer erkrankte Menschen. Ihnen werden rezeptfreie Arzneimittel erstattet, wenn diese unverzichtbare Standardwirkstoffe für die Behandlung enthalten. Dann gelten die gleichen Zuzahlungsregeln wie bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln.

8. Muss ich als chronisch Kranker meine vielen Medikamente alle selbst bezahlen?

Für chronisch Kranke gibt es eine niedrigere Belastungsgrenze bei der Zuzahlung. Sie liegt bei einem Prozent Ihrer Bruttoeinnahmen. Haben Sie diese Grenze erreicht, übernimmt Ihre Krankenkasse alle darüber hinaus anfallenden Kosten.

9. Was erstattet meine Krankenkasse künftig nicht mehr?

Sterbe- und Entbindungsgeld fallen weg, die Kosten für Sterilisationen werden nur noch bei medizinischer Notwendigkeit übernommen. Auch Fahrten zur ambulanten Behandlung erstattet die Kasse nur noch bei zwingenden medizinischen Gründen. Fahren Sie allerdings zur stationären Behandlung ins Krankenhaus, trägt Ihre Krankenkasse auch weiterhin die Kosten. Einen Zuschuss zu Sehhilfen und Brillen gibt es in Zukunft nur noch für Patienten, die schwer sehbeeinträchtigt sind, sowie für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.

10. Wie viel muss ich bei einem Krankenhausaufenthalt dazuzahlen?

Sie zahlen zehn Euro pro Tag, das ist ein Euro mehr als bisher, begrenzt auf maximal 28 Krankenhaus-Tage. Danach übernimmt die Kasse alle weiteren Kosten. Ein Krankenhausaufenthalt dauert im Durchschnitt neun Tage. Auch bei Rehabilitationen gilt diese Zuzahlungsregelung. Im Falle einer Anschlussheilbehandlung ist dieser Betrag ebenfalls auf 28 Tage begrenzt.

11. Sind Behandlungen im Krankenhaus zuzahlungspflichtig?

Ja. Aber sobald Sie die Belastungsgrenze von zwei Prozent Ihrer Bruttoeinnahmen (chronisch Kranke ein Prozent) erreicht haben, brauchen Sie und Ihre mitversicherten Familienmitglieder für den Rest des Kalenderjahres keine weiteren Zuzahlungen zu leisten.

12. Werde ich von meiner Krankenkasse benachrichtigt, sobald ich die Belastungsgrenze für Zuzahlungen erreicht habe?

Nein. Sie sollten selbst einen Überblick über Ihre Zuzahlungen haben und hierfür die Quittungen sammeln. Sobald Sie die Belastungsgrenze innerhalb eines Kalenderjahres erreichen, sollten Sie bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Befreiung stellen. Diese erteilt Ihnen dann eine Bescheinigung, dass Sie für den Rest des Kalenderjahres keine weiteren Zuzahlungen zu leisten haben.

13. Worauf muss ich bei meiner Krankenkasse achten?

Der Leistungsumfang bleibt bei allen gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich gleich. Durch die Gesundheitsreform erhalten die Kassen aber größere Gestaltungsmöglichkeiten, um ihre Leistungen zu verbessern. So kann Ihre Kasse künftig mit Ärzten, Krankenhäusern oder medizinischen Versorgungszentren Direktverträge über neue Behandlungsformen abschließen. Das dürfte zu mehr Wettbewerb um die Qualität der Leistungen führen. Neu sind auch die Bonusprogramme, die die Kassen anbieten. Wenn Sie an solchen Programmen teilnehmen, können Sie Ihre Kosten senken.

Tipp:

Vergleichen Sie die Angebote, dabei helfen Ihnen beispielsweise die Verbraucherzentralen.

print