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Tipps für Azubis: Gut zu wissen: Diese Versicherungen brauchen Berufsanfänger

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres stehen Azubis vor der Frage: Wie versichere ich mein Leben? Bernd Storm van's Gravesande, Chef des Verbraucherportals Aboalarm, erklärt, welche Policen man braucht und welche überflüssig sind.

Zum Ausbildungsstart müssen Berufseinsteiger sich auch mit dem Thema Versicherungen auseinandersetzen

Zum Ausbildungsstart müssen Berufseinsteiger sich auch mit dem Thema Versicherungen auseinandersetzen

Getty Images

Rund eine halbe Million Azubis beginnen im September ihre Ausbildung. In der Aufregung um die erste eigene Wohnung und den großen Schritt in die Eigenständigkeit wird ein Kernthema zu oft vernachlässigt: Wie versichere ich eigentlich mein neues Leben? Und welche Kosten spare ich mir lieber? 

Im Austausch mit unseren Aboalarm-Kunden merken wir immer wieder, dass viele der jungen Menschen keinen genauen Überblick über die für sie notwendigen Versicherungen haben. Die allermeisten von ihnen waren bisher über ihre Eltern versichert und stehen nun vor der Frage, welche Policen sie eigentlich brauchen.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Absolute Pflicht: Krankenversicherung

In Deutschland gilt seit 2009 die allgemeine Krankenversicherungspflicht: Jeder in Deutschland lebende Bürger muss Mitglied bei einer Krankenkasse sein. Da kein Azubi über das Mindestgehalt von knapp 60.000 Euro kommt, das man als Arbeitnehmer zum Eintritt in die private Krankenversicherung benötigt, bleiben noch die verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen. Aus diesen wählt man eine aus, bei der man ab dem ersten Tag der Ausbildung durch den Arbeitgeber versichert wird. Hat man sich 14 Tage nach Ausbildungsbeginn noch nicht darum gekümmert, versichert der Arbeitgeber den Auszubildenden in der Krankenkasse, in der er zuvor familienversichert war.

Die Krankenversicherung ist ein Teil der Sozialversicherungen, zu denen auch die Arbeitslosenversicherung, die Pflegeversicherung, die Rentenversicherung und die Unfallversicherung gehören. Der Arbeitgeber zahlt in der Regel die Hälfte dieser Versicherungen, die andere Hälfte geht direkt vom Gehalt des Azubis ab. Vom vorab vereinbarten Ausbildungsgehalt bleibt also durch die Sozialabgaben am Ende des Monats weniger übrig, als erwartet - dafür ist man im Ernstfall abgesichert. Beträgt der Monatsverdienst weniger als 325 Euro brutto, zahlt der Arbeitgeber die Krankenversicherung komplett.

Wer zuvor über seine Eltern privat versichert war und schon jetzt sicher weiß, dass er zu einem späteren Zeitpunkt wieder in die private Versicherung wechseln möchte, kann eine sogenannte Anwartschaft nebenbei laufen lassen. Durch eine Anwartschaft werden die Beitragszahlungen mit Ausnahme eines geringen Prozentsatzes pausiert. Der Vorteil hierbei ist, dass man zu einem späteren Zeitpunkt mit demselben Beitragssatz einsteigt, den man auch als Berufsanfänger gezahlt hätte - und nicht mit dem Beitragssatz für das tatsächliche Alter, der dann deutlich höher ausfallen würde.

Tipp: Bei längeren Reisen Auslandskrankenversicherung abschließen

Wer sich während seiner Ausbildung für einen längeren Zeitraum im Ausland aufhält, sollte eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Gute Versicherungen mit weltweiter Abdeckung und flexibler Kündigung gibt es schon für zwischen 30 und 40 Euro im Monat - solange man sich nicht in den USA oder Kanada aufhalten möchte. Hier steigen die Kosten aufgrund der teuren Gesundheitssysteme schnell auf über 100 Euro im Monat.

Absolut empfehlenswert: Die Haftpflichtversicherung

Wer kennt das nicht: Das Smartphone der besten Freundin fallen gelassen, auf eine teure Brille getreten oder versehentlich gegen den Fernseher gestoßen. Solche Missgeschicke können schnell sehr teuer werden. Und auch im Straßenverkehr kann eine kleine Unachtsamkeit gravierende Folgen nach sich ziehen, wenn teure Fahrzeuge oder gar Menschen zu Schaden kommen. Aus diesen Gründen ist die private Haftpflichtversicherung absolut empfehlenswert. Gute Versicherungen mit geringer Selbstbeteiligung gibt es bereits ab 50 Euro im Jahr. Empfehlenswert sind Policen, die Personenschäden ab fünf Millionen Euro abdecken.

Im Bedarfsfall: KFZ- und Tierhaftpflicht

Wer ein eigenes Auto hat, benötigt zudem eine KFZ-Haftpflichtversicherung. Diese versichert im Ernstfall allerdings nur die Umgebung und nicht das eigene Fahrzeug. Ist dieses also neu oder gar per Kredit finanziert, sollte unbedingt eine Voll- oder Teilkaskoversicherung abgeschlossen werden, die die Schäden am eigenen Auto abdeckt. Hundehalter in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen und Thüringen müssen zudem eine spezielle Haftpflichtversicherung für ihr Tier abschließen. Für Tierfreunde in allen anderen Bundesländern ist diese definitiv empfehlenswert. Denn wer kann schon sagen, wie der vierbeinige Freund in einer überraschenden Extremsituation reagiert.

Bedingt empfehlenswert: Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Von seiner Arbeit muss man leben - fällt der Lohn durch Krankheit oder einen Unfall auf einmal weg, kann das existenzbedrohend sein. Hier greift die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Berufseinsteiger absichert, die noch keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben. Diese Police ist jedoch eine der teuersten der hier vorgestellten und kommt somit nicht für jeden in Frage. Sie ist empfehlenswert, aber nicht zwingend notwendig: Ist man nicht für immer berufsunfähig und kann nach einer Pause wieder einsteigen, greift vorerst auch das Krankengeld. Hier bekommen Azubis bis zu 78 Wochen lang maximal 90 Prozent ihres letzten Nettolohns von der Krankenkasse ausgezahlt.

Noch nicht notwendig: Renten-, Rechtsschutz- und Hausratversicherung

Beim Berufseinstieg haben viele andere Dinge im Kopf, als sich mit der Rente zu beschäftigen. Ein Teil des Einkommens fließt sowieso schon in die Rentenversicherung und der Arbeitgeber zahlt noch mal das gleiche oben drauf. Und von dem restlichen Azubigehalt bleibt in den meisten Fällen nicht mehr so viel Geld übrig, dass man in die private Altersvorsorge investieren könnte.

Ähnlich verhält es sich bei der Hausratversicherung: Die wenigsten Berufseinsteiger haben Dinge von so hohem materiellen Wert in ihrer Wohnung, dass sich eine Hausratversicherung lohnen würde. Eine solche Versicherung greift beispielsweise bei Einbruchdiebstahl, Blitzschlag oder Wasserschäden und deckt alle Dinge ab, die sich im Haushalt befinden: Von der Elektronik über Möbel bis hin zu Lebensmitteln.

Auch die Rechtsschutzversicherung ist beim Berufseinstieg in den meisten Fällen überflüssig. Die wichtigsten Bereiche können durch andere Maßnahmen abgedeckt werden: Für Fragen des Mietrechts reicht eine Mitgliedschaft im Mieterverein und in Fragen des Arbeitsrechts können sich auch Azubis schon in Gewerkschaften organisieren.

Tipp: Vorsicht bei Versicherungen für Einzelprodukte!

In den letzten Jahren sind insbesondere im Elektronikbereich Policen auf den Markt gekommen, die einzelne Produkte wie zum Beispiel Smartphones versichern. Diese sind jedoch vergleichsweise teuer und oft lückenhaft. Als Faustregel gilt: Versicherungen sollen existentielle Risiken abdecken. Der Verlust eines Smartphones gehört in den allermeisten Fällen nicht dazu. Anders verhält es sich natürlich, wenn der Azubi berufsbedingt auf sein Smartphone angewiesen ist.

Fazit

Die wirklich notwendigen Versicherungen für Berufseinsteiger sind überschaubar. Lediglich die Krankenversicherung ist absolut verpflichtend, wird allerdings mit dem Berufseinstieg schon automatisch abgedeckt. Um eine private Haftpflichtversicherung sollten sich Azubis jedoch unbedingt kümmern. Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ist sehr wichtig, kommt jedoch aufgrund ihres vergleichsweise hohen Preises nicht für jeden in Frage.

Berufseinsteiger benötigen dagegen noch keine private Rentenversicherung und können mit einigen Kniffen ebenso getrost auf eine Rechtsschutzversicherung, auf die Hausratversicherung und diverse Versicherungen für Einzelprodukte verzichten. 

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