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stern liegt Protokoll vor: Abgasmanipulation war schon 2011 Thema im Verkehrsministerium

Im Bundesverkehrsministerium war offenbar bereits seit 2011 das Risiko bekannt, dass Autohersteller mit Abschalteinrichtungen arbeiten, die den Abgasausstoß drosseln, wenn neue Fahrzeuge auf dem Teststand geprüft werden. 

Ein Messschlauch eines Geräts zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW 

Ein Messschlauch eines Geräts zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW 

Wie der stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, hielten Mitarbeiter der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nach einem Gespräch mit Bediensteten des Ministeriums im Februar 2011 fest, dass nach deren Aussagen das Problem der "Zykluskennung" beim Testmessen neuer Autotypen "bekannt" sei.

Das Protokoll der Besprechung liegt dem stern vor.  Das Verkehrsministerium ließ Fragen des stern zu der Besprechung im Februar 2011 unbeantwortet und erklärte lediglich, die Nutzung illegaler Abschalteinrichtungen sei der Behörde erst seit Bekanntwerden des VW-Skandals bekannt.

"Der Staat entzieht sich seiner Verantwortung"

"Der Staat entzieht sich seiner Verantwortung, die Einhaltung von Gesetzen zu kontrollieren", kritisierte DUH-Geschäftsführer  Jürgen Resch gegenüber dem stern. Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft, sprach von einer "Kultur des Wegschauens". Politik und Behörden hätten alle Warnungen über Jahren ignoriert, "zum Schaden der Gesundheit der Bevölkerung".

Veit Wambach vom Virchow-Bund, dem Verband niedergelassener Ärzte,  kritisierte angesichts der anhaltend hohen Schadstoffbelastung in den deutschen Ballungsgebieten, dass "jetzt nur über die Folgen für die deutsche Wirtschaft diskutiert wird, nicht aber über die gesundheitlichen Folgen für die Menschen". Wambach weiter: "Die Autoindustrie hat jahrelang geschummelt und sich Vorteile zu Lasten der öffentlichen Gesundheit verschafft."