HOME

Werbung: Sponsoren entdecken den Frauenfußball

Nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels rücken die Protagonistinnen einer Randsportart ins Rampenlicht und schon streckt die Werbeindustrie ihre Fühler nach ihnen aus: Prinz und Künzer sind am begehrtesten.

Nia Künzer präsentiert ihre eigene Handtuch- und Sportoutfitkollektion, Birgit Prinz bekommt ein Millionenangebot vom italienischen Erstligisten AC Perugia, die Nationalspielerinnen lächeln mit Naschwerk von Katjes in die Kamera: Nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels rücken die Protagonistinnen einer Randsportart ins Rampenlicht und schon streckt die Werbeindustrie ihre Fühler nach den frischen neuen Gesichtern aus. Golden-Goal-Girl Künzer und die Weltfußballerin des Jahres, Prinz, stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste der Werber.

Nike verlängerte Vertrag mit Prinz

"Die Aufmerksamkeit fokussiert sich auf die beiden", hat Prinz Manager Andreas Rink den Eindruck. Vor allem das hoch dotierte Angebot aus Perugia habe Prinz überproportional bekannt gemacht. "Das nutzen wir natürlich", sagt Rink. Nike hat seinen leistungsabhängigen Vertrag mit der 26-jährigen Stürmerin bis 2007 verlängert. Seit der WM wirbt sie zudem für ein Vitaminpräparat. Rink ist zuversichtlich, "in Kürze noch zwei größere Unternehmen dazu gewinnen zu können". Auch der Autohersteller Opel unterstützt die Torjägerin. Dazu kämen "ordentliche Zusatzgelder durch öffentliche Auftritte". Deshalb könne Prinz derzeit ganz gut von den Einnahmen leben, sagt Rink. "Aber eine Zukunft aufbauen, kann ich mir davon nicht", betont die Fußballerin im Magazin "Stern".

Auch Künzer profitiert

Neben Prinz profitiert auch Künzer, Vereinskollegin beim 1. FFC Frankfurt, von der WM. "Mit Nia Künzer haben wir sicherlich eine ideale Repräsentantin gefunden, die Weiblichkeit, Natürlichkeit und sportliche Extraklasse vereint", sagt der Vorstand der Vossen AG, Peter Scheit zum Sponsoringvertrag mit der Studentin, die persönlich noch von Oddset und adidas gesponsert wird. Für Vossen biete der werbemäßig noch relativ unentdeckte Frauenfußball eine gute Gelegenheit, dort aufbauend tätig zu werden, sagt Scheit. Der Vorstand hatte trotz der erneut schweren Knieverletzung von Künzer seine Unterschrift unter den bis Ende 2004 datierten Vertrag gesetzt.

15.000 Euro Prämie vom DFB

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) honoriert die Leistungen der Elitekickerinnen. Die von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder versprochenen 15.000 Euro Prämie pro Akteurin wurden ausgezahlt, bestätigte DFB-Pressesprecher Gerhard Meier-Rhön. Darin enthalten sind 6.000 Euro von der Sporthilfe. Mit dem deutschen Süßwarenhersteller Katjes fand die Nationalmannschaft erstmals einen Hauptsponsor. "Das hebt den Stellenwert in der Öffentlichkeit", freut sich Meier-Rhön. Mercedes-Benz spendierte dem Team einen eigenen Luxusbus. Zudem sind Werbekampagnen mit adidas geplant.

Dauerhaftes Interesse?

Dass das derzeitige Interesse für den Frauenfußball anhält, bezweifeln Fachleute. Nach der WM habe der Frauenfußball zwar einen großen Sprung gemacht. Dennoch spiele er für die Großen in der Werbeindustrie nur eine kleine Rolle, weil Fußball zu 99,9 Prozent eine Männerdomäne sei, betont Rink. Die Vermarktung stehe und falle mit der Präsenz im Fernsehen und die sei eher bescheiden. Die Akzeptanz des Frauenfußballs als TV-Sportart sei einfach nicht gegeben, meint der Geschäftsführer des Sportvermarkters, SPORTFIVE, Thomas Röttgermann. Solange sich da nichts ändere, komme auch die Vermarktung nicht richtig ins Rollen.

Weitere Medienpräsenz wichtig

Deshalb rührt FFC-Manager Siegfried Dietrich weiter kräftig die Werbetrommel. "Gebratene Gänse fallen einem nicht in den Mund", lautet seine Devise. Mindestens drei bis fünf Sponsoren will er für jede Frankfurter Nationalkickerin auftreiben. Vergleiche mit den Männern zieht er dabei nicht, betont aber: "Wir sind auf einem guten Weg." Es sei nur eine Frage der Zeit, bis ein international großer Vertrag mit ins Boot gezogen werden könne. "Die Werbeindustrie ist ja jetzt erst auf uns aufmerksam geworden."

Susan Mühne / DPA