HOME

Stern Logo Frauenfußball-WM 2011

Nach dem Aus der deutschen Frauen: Die WM bleibt spannend

Deutschland raus, alles vorbei? Pustekuchen. Auch nach dem Viertelfinal-Aus des DFB-Teams macht diese WM immer noch richtig Spaß. Hier sind elf gute Gründe!

Nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus der deutschen Fußballfrauen fragen sich manche, ob sich die Weltmeisterschaft überhaupt noch anzuschauen lohnt. Doch auch ohne die Deutschen macht die WM noch richtig Spaß. Dafür gibt es elf gute Gründe:

Gimme Hope!

Hope Solo ist eines der Gesichter dieser Fußballweltmeisterschaft. Und das nicht nur, weil sie eines der attraktivsten hat. Nach dem Viertelfinal-Drama gegen Marta & Co. ist die US-Torfrau auch noch die Heldin schlechthin: Elfer gehalten, gelbe Karte, Elfer wiederholt, Rückstand, Verlängerung, Elfmeterschießen, Elfer gehalten......! Was für ein intensiver Krimi, bei dem Hope am Ende die Hoffnungen der USA erfüllte. Und im Halbfinale geht das Solo weiter.

Keine deutsche Beteiligung im Finale? Pustekuchen. Prinz, Gahrefrekes und Co. haben den Weg doch erst frei gemacht für die bislang beste Deutsche im Turnier: Bibiana Steinhaus. Mit dem Ausscheiden des Gastgeberlandes sind die Chancen auf den Finaleinsatz für die 32-Jährige Schiri-Frau aus Hannover deutlich gestiegen. Was für eine Perspektive: Im WM-Finale müsste man sich dann zumindest nicht mehr über die schlechten Schiedsrichter-Leistungen aufregen.

Mia san Nia!

Hübscher als Mehmet Scholl, entspannter als Olli Kahn und besser rasiert als Jürgen Klopp: Nia Künzer als Fußball-Expertin ist ein Hingucker und Hinhörer. Sachverstand, Charme und Grips in seiner blondesten Version. Und sie ist immer noch im Turnier. Ein erstklassiger Grund, auch weiterhin einzuschalten, wenn der WM-Ball rollt.

Sommer statt Märchen

Ein neues Sommermärchen wollten die Mädels schreiben. Wie die Männer 2006. Leider spielten die deutschen Frauen meist mäßig, und das Wetter war auch nur durchwachsen. Also gab es bisher weder Sommer noch Märchen. Vielleicht gibt es da ja einen Zusammenhang. Den gab's 2006 ja auch. Da schien eigentlich nur die Sonne. Bis zum Halbfinale der Deutschen. Dann kam Italien, Klinsis Jungs spielten nur um Platz drei und das Wetter wurde umgehend schlechter. Diesmal darf es also ruhig andersherum sein: Deutschland raus, Sonne rein!

"Ja" zu Japan

Die deutsche Mannschaft hätte gegen die Japanerinnen noch unzählige Viertelstündchen Verlängerung spielen können, ein Tor wäre ihr nicht gelungen. Und sind sie auch nur eine Handbreit höher als die Werbebande - das Kämpferherz der Nimmermüden aus Nippon sucht seinesgleichen. Freuen wir uns auf weitere Spiele mit ihnen, betrachten an dieser Stelle das ganz Große und Ganze und weisen daraufhin, wie gut der geschundenen Nation ein sportlicher Erfolg tun würde.

Es rumpelt nicht mehr

Die deutsche Elf hatte unsere Unterstützung, keine Frage. Aber seien wir doch mal ehrlich: So richtig schön haben die Mädels wirklich nicht gekickt, sondern erinnerten eher an die Herren zu Erich-Ribbeck-Zeiten. Tiki-Taka spielten andere, etwa die die Schwedinnen. Laudehr, Peter, Grings und Co. fielen eher durch starken Einsatz auf als durch Spielwitz. Von daher: Freuen wir uns, ab dem Halbfinale mehr von Letzterem zu sehen.

Surprise Sverige

Wer wurde nicht alles als Favorit gehandelt bei dieser WM: Deutschland, die USA oder Brasilien. Von dem Trio sind aber nur noch die USA übrig. Wirklich überrascht haben dagegen die Schwedinnen. Bei der WM gilt: Wenn blonde Zöpfe fliegen, gibt es guten Fußball zu sehen. Hier ein flinkes Dribbling, dort ein starker Pass - und dazu noch tolle Tore. Als hätte es eines Beweises bedurft, umdribbelte Lotta Schelin im Viertelfinale mit Hochgeschwindigkeit Australiens Torfrau, ließ sie eiskalt stehen und schob den Ball gekonnt ins Netz - klasse.

WM statt Langeoog

Sommerpausen in ungeraden Jahren sind für jeden Fußball-Fan die freudlosesten überhaupt. Ist es doch jene Zeit, in der die Bundesligaklubs ihren Trainings-Ringelpietz sporadisch unterbrechen, um mit 20:0-Siegen gegen Langeoog oder Kirchheim/Teck für ein wenig Erheiterung zu sorgen. Schauen wir statt auf Dorfplätze doch lieber aufs Halbfinal-Tableau der WM und schnalzen mit der Zunge: Schweden, Frankreich, Japan, USA – es ist angerichtet!

History in the Making

Wie weit die Französinnen tatsächlich bei dieser WM kommen, ist noch offen. Eins haben sie aber schon geschafft - und dafür gebührt ihnen der Historienpreis der WM: Sie haben die männliche Fußballgeschichte in der weiblichen fortgesetzt. Sie haben England im Elfmeterschießen geschlagen. Der geneigte Fußballfan darf damit ganz gleichberechtigt und geschlechterübergreifend bei der schon ewig bestehenden Feststellung bleiben: EngländerInnen können keine Elfmeter schießen.

Diese WM kreiert Klassiker

Die einen wollten Samba tanzen, die anderen huldigten dem Boss und sangen "Born in the USA". Wer immer noch daran zweifelte, dass der Frauenfußball in der Lage ist, echte Klassiker hervorzubringen, dem sei der Mitschnitt dieses Spiels ans Herz gelegt. Brasilien gegen USA im Viertelfinale der WM in Deutschland 2011 - ein Kicker-Krimi, über den man angesichts der Dramatik, der Tore und der unerwarteten Wendungen noch in vielen Jahren sprechen wird. Das macht Lust auf mehr Fußballhistorie.

Frauen, Fußball und Familien

Echte Fußballfans mögen motzen: Da ist doch gar nix los in den Stadien, wenn die Mädels spielen. Stimmt. Gegröhlt wird selten. Es fliegen keine Bierbecher aufs Spielfeld. Die Schiris mögen komisch pfeifen, aber man wirft sie zumindest nicht um. Auch geflitzt wurde noch nicht. Dafür gibt's kreative Outfits und generationsübergreifenden Spaß. Da sitzt Oma Hilde neben Enkelin Lena. Und zusammen wird nicht gepöbelt, sondern angefeuert. Frauenfußball ist vollkommen familientauglich. Das mag manche stören. Aber für die fängt die Bundesliga ja bald wieder an.

Felix Haas und Ingo Scheel

Wissenscommunity